Proteste nach Freitagsgebet: Irans Regime mobilisiert eigene Anhänger
Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi hatte am Donnerstag ein hartes Durchgreifen der Sicherheitskräfte bei den landesweiten Protesten angeordnet. Mindestens 17 Menschen wurden bei den Unruhen bereits getötet, meldet das Staatsfernsehen. Aktivisten befürchten jedoch eine deutlich höhere Opferzahl durch Gewalt der Polizei und der als besonders brutal geltenden Revolutionsgarden. Die Organisation Iran Human Rights mit Sitz in Oslo spricht von 36 bestätigten Toten.
Auslöser der jetzigen Proteste ist der Tod der 22 Jahre alten Iranerin Mahsa Amini. Sie wurde vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar. Jedenfalls fiel sie ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück.
Als Reaktion mobilisierte die iranische Führung ihre Anhänger. Nach Angaben der Staatsmedien gingen Tausende Menschen nach dem Freitagsgebet auf die Straßen, um sich mit dem Regierungskurs zu solidarisieren. Bei den von der Regierung organisierten Demonstrationen marschierten Anhänger durch mehrere Städte, wie auf Bildern des Staatsfernsehens zu sehen war.
Als Reaktion auf die Proteste hat die Regierung den Zugang zum Internet auch diesmal massiv eingeschränkt, und insbesondere mobile Netzwerke sind weitgehend abgeschaltet. Dutzende Menschen wurden laut iranischen Medien im Rahmen der Proteste verhaftet. Unter ihnen sind nicht nur Teilnehmer der Unruhen,Auch die Journalistin Nilufar Hamedi, die den Fall Aminis als eine der Ersten bekannt gemacht hatte, wurde in der iranischen Hauptstadt Teheran inhaftiert.
Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 gelten im Iran strenge Kleidungsvorschriften. Insbesondere in den Metropolen sehen viele Frauen die Regeln inzwischen aber eher locker und tragen beispielsweise ihr Kopftuch nur auf dem Hinterkopf - zum Ärger erzkonservativer Politiker. Religiöse Hardliner im Parlament versuchen seit Monaten, die islamischen Gesetze strenger anwenden zu lassen.