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Jüdische Gemeinde Chabad ehrt Elke Büdenbender: „Jüdisches Leben gehört in die Mitte der Gesellschaft“

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Jüdische Gemeinde Chabad ehrt Elke Büdenbender: „Jüdisches Leben gehört in die Mitte der Gesellschaft“
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Elke Büdenbender, die Frau des Bundespräsidenten, wurde für ihr Engagement zur Stärkung jüdischen Lebens ausgezeichnet. Die Laudatio hielt die frühere Bundesministerin Brigitte Zypries.

Jüdische Gemeinde Chabad ehrt Elke Büdenbender: „Jüdisches Leben gehört in die Mitte der Gesellschaft“ Elke Büdenbender, die Frau des Bundespräsidenten, wurde für ihr Engagement zur Stärkung jüdischen Lebens ausgezeichnet.

Die Laudatio hielt die frühere Bundesministerin Brigitte Zypries.hat die Jüdische Gemeinde Chabad Berlin am Dienstagabend Elke Büdenbender den Preis zur Stärkung jüdischen Lebens und eines positiven Miteinanders verliehen. Die Auszeichnung wurde anlässlich des 25-jährigen Gemeindejubiläums ins Leben gerufen und im zweijährigen Turnus bislang an den Axel-Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner sowie an die heutige Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas verliehen. Die Gemeinde steht in ihrem 30. Jahr und kündigte den Baubeginn einer neuen Synagoge mit 600 Plätzen für das kommende Jahr an.

Der Pears Jüdische Campus, im Juni 2023 eröffnet, ist nach Angaben der Gemeinde mit rund 8.000 Quadratmetern die größte jüdische Einrichtung für Bildung, Kultur und Sport in Deutschland. Rabbiner Yehuda Teichtal, Vorsitzender und Oberrabbiner der Gemeinde, eröffnete den Abend mit einer Anekdote, die ihm seine Großmutter erzählt habe. In einem kleinen Ort in Polen, in dem sie gelebt habe, habe die Synagoge auf der einen Seite eines Berges gestanden – die Menschen aber wohnten auf der anderen Seite.

Jeden Tag mussten die Gläubigen den langen Weg um den Berg herumlaufen, fast eine Stunde, um das Gemeindezentrum zu erreichen. Nur ein einziger Mensch sei in der Lage gewesen, den direkten, steilen Weg über den Berg hinauf und wieder hinunter zu gehen, ohne dabei zu stürzen: Rabbi Meir. Eines Tages hätten ihn die Menschen gefragt: „Rabbi Meir, wie schaffst du es, immer nach oben und unten zu kommen, ohne herunterzufallen?

“ Rabbi Meir habe geantwortet: „Weil man, wenn man mit oben verbunden ist, nach unten nicht fällt. “ Diese einfache, aber tiefgehende Botschaft sei heute aktueller denn je, sagte Teichtal. „Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen nach Orientierung suchen. Die Werte verschwimmen, und oft ist nicht mehr klar, was gerecht ist, was moralisch, was menschlich.

“ Doch die Botschaft bleibe: „Wenn wir mit etwas Höherem verbunden sind – mit Sinn, mit Werten, mit moralischer Klarheit –, dann verlieren wir nicht den Halt. “Genau ein solcher Mensch sei die Preisträgerin Elke Büdenbender. Er erinnerte an den 1. März 2022, als die Gemeinde nach einem Raketeneinschlag in einem jüdischen Waisenhaus in Odessa innerhalb weniger Stunden entschied, 108 Kinder nach Berlin zu holen.

Nach 56-stündiger Reise erreichten sie Deutschland. Teichtal schilderte, wie er sich damals gefragt habe, was zu tun sei, um den traumatisierten Kindern ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. Bereits am Tag darauf habe Elke Büdenbender ihn aus eigener Initiative angerufen und gefragt, ob sie und der Bundespräsident die Kinder besuchen dürften. Büdenbender habe über eine Stunde lang mit den Kindern gesprochen – „nicht als offizieller Besuch, sondern um menschliche Liebe zu schenken“.

Eineinhalb Jahre später sei Büdenbender beim 20-jährigen Bestehen der gemeindeeigenen Kita aufgetreten, die 2004 mit sechs Kindern begonnen habe und heute 150 Kinder aller Hintergründe betreut. Auch nach dem Terroranschlag am Bondi Beach in Sydney kurz vor Chanukka seien der Bundespräsident und seine Frau zur Kerzenzündung am Brandenburger Tor erschienen, um Solidarität zu zeigen.

Teichtal berichtete, er und seine Frau Lea seien vor knapp 30 Jahren mit einem One-Way-Ticket aus New York nach Berlin gekommen, mit der Überzeugung, dass jüdisches Leben in Deutschland eine „starke, dauerhafte, positive Zukunft“ habe. Er zitierte erneut seine Großmutter, deren Schule nach einem antisemitischen Steinwurf den Stein als Grundstein für einen neuen Anbau verwendet habe: „Die Dunkelheit kriegst du nicht mit deinem Besen weg. Nur die Pflicht.

“ Auch wenn Menschen versuchten, die Gemeinde einzuschüchtern: „Mehr Liebe, mehr Freude, mehr Miteinander. “Die frühere Bundesjustiz- und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hielt die Laudatio. Sie betonte zu Beginn, Büdenbender habe ihr öffentliches Amt „nie als dekoratives Amt verstanden, sondern immer ganz ihrem Naturell entsprechend auch als Verpflichtung“. Verpflichtet der Mitmenschlichkeit und Empathie sei sie immer gegen Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland eingetreten.

Zypries fand zugleich kritische Worte zur gesellschaftlichen Lage: „Wir leben in einer Zeit, in der jüdisches Leben in diesem Land wieder bedroht wird.

“ Jüdinnen und Juden fragten sich spätestens seit dem 7. Oktober 2023, ob sie ihre Kippa auf der Straße tragen, in der Öffentlichkeit Hebräisch sprechen oder den Davidstern sichtbar zeigen könnten.

„Leider beantworten viel zu viele inzwischen diese Fragen mit Nein. “ Antisemitische Parolen in sozialen Medien und auf Demonstrationen seien häufig laut, Anschläge auf jüdische Einrichtungen nähmen zu. In diesen Zeiten brauche es eine so klare Haltung wie die Büdenbenders, „Menschen, die nicht wegschauen, nicht relativieren, nicht schweigen, sondern stehen bleiben, zuhören, widersprechen, Haltung zeigen“. Wer ihre Auftritte und Begegnungen verfolge, erkenne ein klares Leitmotiv: „Es geht ihr nicht nur um Worte.

Es geht vielmehr um Nähe, um Präsenz, um echte Beziehungen.

“ Jüdisches Leben gehöre in die Mitte der Gesellschaft, „nicht nur als Erinnerung an die Vergangenheit, sondern als lebendige Gegenwart und als gemeinsame Zukunft“. Besonders hob Zypries Büdenbenders Gedenkrede zur Reichspogromnacht 2023 hervor, in der diese vor der Gefahr der Gleichgültigkeit gewarnt habe: „Erinnern wir uns daran, wie leicht wir alle in einer Haltung der Passivität und des Wegschauens verfallen können.

“ Wegschauen habe zu „Terror, Unmenschlichkeit und Verbrechen" geführt. „Nie wieder“, so Zypries mit Verweis auf Büdenbender, dürften keine wohlklingenden Worte bleiben, sondern erforderten „tägliches Handeln“. Antisemitismus sei „kein vergangenes Phänomen, das wir in den Geschichtsbüchern ablegen können“. Er sei „heute, hier, in unserer Mitte wieder spürbar“.

Büdenbenders Antwort darauf sei nicht Resignation, sondern Ermutigung – eine „Ethik der Zivilcourage, wie sie selbst sie vorlebt“. Zypries erinnerte an die mehrfach durchgeführten „Zikaron BaSalon“-Veranstaltungen, das Gedenken im Wohnzimmer, zu dem Büdenbender im Februar 2023 selbst in Schloss Bellevue eingeladen habe. Ihr Engagement zeige sich „nicht nur an Gedenktagen, an denen die Öffentlichkeit sie sieht“, sondern „vor allen Dingen im konkreten, oft leisen Alltag“. Seit drei Jahren gehöre Büdenbender dem Kuratorium der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt an.

Mit Margot Friedländer sei sie freundschaftlich verbunden gewesen; seit 2024 sei sie Vorsitzende der Jury des Margot-Friedländer-Preises. Der Kampf gegen Antisemitismus, so Zypries, sei „kein Randthema, sondern ein Gradmesser unserer Menschlichkeit“. Zypries verwies auf die gemeinsame Arbeit im Kuratorium des Deutsch-Israelischen Zukunftsforums. Es sei Büdenbenders Idee gewesen, junge Handwerker aus Deutschland und Israel den Garten des Leo-Baeck-Instituts in Jerusalem gemeinsam neu gestalten zu lassen – ein Projekt, das junge Deutsche, Israelis und Palästinenser zusammengebracht habe.

Auch die israelische Friedensinitiative Givat Haviva werde von Büdenbender unterstützt. Besonders bewegend nannte Zypries Büdenbenders Einsatz für die Angehörigen der israelischen Geiseln vom Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023.

„Indem sie sich ihre traumatischen Erfahrungen anhört und ihnen in Deutschland Gehör verschafft, zeigt sie, dass Menschenrechte und die Sicherheit Israels für sie keine abstrakten Formeln sind, sondern dass sich dahinter konkrete Schicksale verbergen. “ Zum Schluss sagte Zypries: „Liebe Elke Büdenbender, mit Ihrem Engagement geben Sie vielen Jüdinnen und Juden in Deutschland und in Israel das Gefühl: Ihr seid nicht allein. Euer Schmerz wird gesehen, eure Sicherheit ist uns nicht gleichgültig, euer Platz in unserer Mitte ist nicht verhandelbar.

“ Sie schloss: „Mir fiele keine würdigere Preisträgerin ein. Und bitte machen Sie weiter so.

“Vor der Übergabe trat eine Schülerin auf, die vor vier Jahren als Geflüchtete aus der Ukraine nach Berlin gekommen war. Damals hätten viele nicht gewusst, wie ihre Zukunft aussehen würde: „Wir haben unser Zuhause, unsere Freunde und unser gewohntes Leben zurücklassen müssen.

“ Büdenbenders Besuch habe gezeigt, „dass wir nicht allein sind, dass jemand uns sieht, uns zuhört und an uns glaubt“. Sie schloss: „Danke für Ihren Mut, Ihre Wärme und Ihre Menschlichkeit.

“ Die Preisübergabe nahmen Teichtal und Kinder der Gemeinde gemeinsam vor. Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Streichquartett David Malaev & Friends. Auf dem Programm standen Leonard Cohens „Hallelujah“, Ennio Morricones „Cinema Paradiso“, der erste Satz aus Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ , die „Habanera“ aus Bizets „Carmen“ sowie eine Bearbeitung der „Hora“ von Boris Rosenthal für Streichquartett.

Zu den geladenen Gästen, die zusagten, zählten die Berliner Senatorinnen Ute Bonde und Ina Czyborra , die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns, Manuela Schwesig , die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig , die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien sowie die frühere Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht . Aus dem Berliner Abgeordnetenhaus kamen unter anderem Bettina Jarasch und Anne Helm , aus dem Bundestag Matthias Hauer . Ebenfalls unter den Gästen war die frühere Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau .

Für die Bundesregierung waren mehrere Staatssekretärinnen und Staatssekretäre vertreten, darunter Petra Bahr für das Bundesbildungsministerium. Aus dem diplomatischen Korps waren unter anderem die Botschafterinnen Livia Leu , Hester Somsen und Zohour Alaoui unter den Gästen, ebenso die Botschafter Nasimi Aghayev und François Delattre sowie ein Vertreter Polens und der tschechische Botschafter. Auch Dilshad Barzani, Vertreter der Kurdischen Regionalregierung, war anwesend. Israels Gesandter Guy Gilady vertrat den Staat Israel.

Aus der Medienwelt kamen Silke und Holger Friedrich, Verleger der Berliner Zeitung, sowie Jörg Quoos von der Funke-Mediengruppe. Unter den Wirtschaftsvertretern waren Andreas Engelhardt und Vertreter der IHK Berlin, des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller sowie des Handelsverbands Berlin-Brandenburg.

Laudatio der früheren Bundesjustiz- und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries für Elke Büdenbender: „Meine sehr geehrten Damen und Herren, Exzellenzen, sehr geehrte Frau Wiener-Teichtal, Sie und Ihre Gemeinde zeichnen heute Abend Elke Büdenbender, Deutschlands First Lady, für ihren Einsatz zur Stärkung jüdischen Lebens und eines gesellschaftlichen Miteinanders in Deutschland aus. Elke Büdenbender hat ihr öffentliches Amt als First Lady nie als dekoratives Amt verstanden, sondern immer ganz ihrem Naturell entsprechend auch als Verpflichtung.

Verpflichtet der Mitmenschlichkeit und Empathie ist sie immer gegen Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland eingetreten. Wir leben in einer Zeit, in der jüdisches Leben in diesem Land wieder bedroht wird. Jüdinnen und Juden fragen sich spätestens seit dem 7. Oktober 2023, ob sie ihre Kippa auf der Straße tragen können, ob sie in der Öffentlichkeit Hebräisch sprechen können.

Sie sind unsicher, ob sie den Davidstern sichtbar anbringen können oder ihre Kinder auf eine jüdische Schule schicken sollten. Und leider beantworten viel zu viele inzwischen diese Fragen mit Nein. Antisemitische Parolen in sozialen Medien und auf Demonstrationen sind häufig laut, und Anschläge auf jüdische Einrichtungen nehmen zu. In diesen Zeiten brauchen wir eine so klare Haltung wie die von Elke Büdenbender.

Wir brauchen Menschen, die nicht wegschauen, nicht relativieren, nicht schweigen, sondern stehen bleiben, zuhören, widersprechen, Haltung zeigen. Wer die Auftritte, Reisen und Begegnungen von Elke Büdenbender der letzten Jahre verfolgt hat, erkennt ein klares Leitmotiv. Es geht ihr nicht nur um Worte. Es geht vielmehr um Nähe, um Präsenz, um echte Beziehungen.

Wenn sie zu Gedenkstunden reist, dann macht sie deutlich: jüdisches Leben gehört in die Mitte der Gesellschaft. Und das nicht nur als Erinnerung an die Vergangenheit, sondern als lebendige Gegenwart und als gemeinsame Zukunft. Besonders beeindruckend fand ich Ihre Gedenkrede zur Reichspogromnacht 2023. Mit dieser Rede hat sie uns alle daran erinnert, wie gefährlich Gleichgültigkeit ist.

Zitat: ‚Erinnern wir uns daran, wie leicht wir alle in einer Haltung der Passivität und des Wegschauens verfallen können', hat sie gesagt. Und sie hat hinzugefügt, wozu dieses Wegschauen geführt hat: zu Terror, zu Unmenschlichkeit und Verbrechen. Aus dieser Erinnerung formuliert sie einen klaren Auftrag: So etwas darf nie wieder geschehen, und wir alle müssen dafür sorgen, dass ‚nie wieder' nicht wohlklingende Worte sind, sondern tägliches Handeln erfordert.

Elke Büdenbender spricht damit eine unbequeme Wahrheit aus: Antisemitismus ist kein vergangenes Phänomen, das wir in den Geschichtsbüchern ablegen können. Er ist heute, hier, in unserer Mitte wieder spürbar. Zitat: ‚Antisemitismus und Menschenhass breiten sich erneut in unserer Gesellschaft aus.

' Ihre Antwort darauf ist nicht Resignation, sondern Ermutigung. Sie ruft uns auf, für eine Welt einzutreten, in der Frieden, Respekt und Menschlichkeit die obersten Prinzipien unseres Zusammenlebens sind, und in der wir Hass und Ausgrenzung aktiv entgegentreten. Das ist eine Ethik der Zivilcourage, wie sie selbst sie vorlebt. In diesem Sinne hat sie auch mehrfach Veranstaltungen mit Zikaron BaSalon – Gedenken im Wohnzimmer – durchgeführt und im Februar 2023 selbst zu einem solchen Treffen in Schloss Bellevue eingeladen.

Ihr Engagement zeigt sich nicht nur an Gedenktagen, an denen die Öffentlichkeit sie sieht. Es zeigt sich vor allen Dingen im konkreten, oft leisen Alltag. Wenn sie Projekte unterstützt, die jungen Menschen an die Geschichte der Shoah heranführen, wenn sie Initiativen begleitet, in denen Schülerinnen und Schüler eigene Wege finden, sich gegen Antisemitismus und Rassismus zu stellen, dann stärkt sie genau das, was unsere Demokratie so dringend braucht: eine junge Generation, die hinschauen, nachfragen und sich einmischen muss.

Auch deshalb ist sie seit drei Jahren im Kuratorium der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt. Die Bedeutung der jungen Generation für die Menschlichkeit und die Demokratie in Deutschland sieht sie genauso, wie sie Margot Friedländer gesehen hat. Sie und ihr Mann waren Margot Friedländer sehr freundschaftlich verbunden. Seit 2024 ist Elke Büdenbender Vorsitzende der Jury für den Margot-Friedländer-Preis und würdigt solche Projekte.

Auch damit macht sie zugleich deutlich, dass der Kampf gegen Antisemitismus kein Randthema, sondern ein Gradmesser unserer Menschlichkeit ist. Ihre persönliche Verbundenheit mit Jüdinnen und Juden hat Elke Büdenbender auch gezeigt, als sie die ukrainischen Kinder aus dem Waisenhaus besuchte, die diese Gemeinde aufgenommen hatte. Auch in unserer nun schon langjährigen gemeinsamen Tätigkeit im Kuratorium des Deutsch-Israelischen Zukunftsforums hat sie immer die jungen Menschen beider Staaten im Blick und baut Brücken im besten Sinne des Wortes.

Ihr Herkommen vom zweiten Bildungsweg nie vergessen oder gar verleugnend, war es ihre Idee, junge Handwerker aus beiden Staaten den Garten des Leo-Baeck-Instituts in Jerusalem gemeinsam neu gestalten zu lassen. Mit einem großartigen Ergebnis, wie wir beide letztes Jahr sehen konnten. Das Projekt hat nicht nur den Garten des Leo-Baeck-Instituts verschönert, sondern auch junge Deutsche, Israelis und Palästinenser zusammengebracht. Es hat damit auf beeindruckende Weise gezeigt, wie ein friedliches Miteinander auch heute noch aussehen kann.

In diesem Sinne unterstützt Elke Büdenbender auch die Arbeit von Givat Haviva in Israel. Der Einsatz für das jüdische Leben von Elke Büdenbender in Deutschland ist immer auch eingebettet in die besondere Verantwortung unseres Landes gegenüber dem Staat Israel und seinen Bürgerinnen und Bürgern.

Wenn sie Israel besucht – und das hat sie in den vergangenen neun Jahren sehr oft gemacht –, wenn sie den Austausch zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Israel unterstützt, dann geht es ihr nicht um protokollarische Routinen. Es geht ihr darum, Begegnungen zu schaffen, Vertrauen wachsen zu lassen, Wunden nicht zu überdecken, sondern Wege zu ihrer Heilung zu suchen. Besonders bewegend ist ihr Einsatz für die Angehörigen der israelischen Geiseln vom Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023.

Indem sie sich ihre traumatischen Erfahrungen anhört und ihnen in Deutschland Gehör verschafft, zeigt sie, dass Menschenrechte und die Sicherheit Israels für sie keine abstrakten Formeln sind, sondern dass sich dahinter konkrete Schicksale verbergen und dass jedes Individuum ein Recht hat auf ein unversehrtes Leben und Freiheit. All dies tut sie mit der Haltung einer Richterin, die das Recht ernst nimmt und in deren DNA die Gleichheit aller Menschen, unabhängig von Geschlecht und Herkunft, fest verankert ist.

Und sie tut es mit der Empathie eines Menschen, der zuhört, der trauert und der Hoffnung macht. Sie mahnt, ohne zu moralisieren. Sie erinnert, ohne zu erstarren. Sie ermutigt, ohne die Abgründe zu beschönigen.

Liebe Elke Büdenbender, mit Ihrem Engagement geben Sie vielen Jüdinnen und Juden in Deutschland und in Israel das Gefühl: Ihr seid nicht allein. Euer Schmerz wird gesehen, eure Sicherheit ist uns nicht gleichgültig, euer Platz in unserer Mitte ist nicht verhandelbar. Und Sie geben uns allen ein Vorbild, wie man in schwierigen Zeiten Haltung zeigt: ruhig, klar und zugewandt.

Für diesen Einsatz, für Ihr klares Wort gegen Antisemitismus, für Ihre beharrliche Unterstützung jüdischen Lebens und für Ihren Beitrag zur deutsch-israelischen Freundschaft wird Ihnen heute dieser Preis verliehen. Mir fiele keine würdigere Preisträgerin ein. Und bitte machen Sie weiter so.

“„Sehr geehrte Damen und Herren, Senatorinnen aus Berlin, sehr geehrte Exzellenzen, Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bund und aus den Ländern, liebe Freundinnen und Freunde, liebe alle, vor allen Dingen aber liebe Mitglieder der Gemeinde Chabad, Von Herzen danke ich Ihnen für diese wunderbare Auszeichnung, die ich als ganz, ganz hohe und große Ehre empfinde. Und ich danke auch Ihnen, liebe Frau Zypries, liebe Brigitte, für deine so wertschätzenden Worte.

Ich bin ganz dankbar und demütig und denke: Das ist schon eine ganz große Ehre. Es berührt mich sehr, liebe Gemeinde, dass Sie sich für mich entschieden haben und mir diesen Preis verliehen haben. Denn dieser Preis steht für etwas, was mir ganz besonders wichtig ist und was ich auch als Kern unseres Zusammenlebens und als Kern unserer Menschheit empfinde: Toleranz und Akzeptanz, Respekt und Nächstenliebe.

Dabei ist mir wichtig zu betonen, dass ich diesen Preis stellvertretend für viele Menschen entgegennehme. Er gehört allen Menschen, die sich Tag für Tag für die Stärkung jüdischen Lebens und ein respektvolles, offenes und menschenwürdiges Zusammenleben hier in Deutschland einsetzen. Er gehört denjenigen, die Haltung zeigen, oft – so haben Sie es gesagt – ohne große Bühne, aber mit ganz großer Überzeugung.

Und noch etwas ist von Bedeutung: Dieser Preis spiegelt am Beispiel dieser Gemeinschaft hier in Berlin die Kraft aller jüdischen Gemeinden in Deutschland, die mit ihrer Kultur und ihrer Geschichte ein wertvoller Teil unseres Landes sind und immer sein werden. Immer. Sehr geehrte Damen und Herren, wir leben in einer Zeit, die uns herausfordert. Der Antisemitismus – das hast du eben auch gesagt, Brigitte – war leider immer da.

Heute zeigt er sich mit neuer Härte und Aggressivität. Und ich denke, dass er noch einmal mehr sichtbar geworden ist. Es ist so unfassbar, dass auf unseren Straßen, in unseren Schulen und an unseren Universitäten, in den sozialen Medien sich gerade dieser Hass gegen Menschen jüdischen Glaubens zeigt. Viele Jüdinnen und Juden erleben Bedrohungen in Deutschland, Angst und Ausgrenzung, und es kommt immer wieder zu Beleidigungen und Angriffen.

Wie zuletzt auf offener Straße in Berlin-Wilmersdorf – ein Ortsteil, von dem man denkt, hier leben Menschen, die es verstanden haben. Und natürlich denke ich auch an den entsetzlichen Anschlag auf die Synagoge in Halle, wo sich Menschen zur Feier von Jom Kippur zusammengefunden hatten. Und genau da wurde angegriffen. Und ich denke an die Gewalt und die Bedrohung der jüdischen Studierenden an unseren Universitäten.

Das sind nur einige Fälle, von denen wir alle erfahren haben. Was wir oft nicht erfahren, ist die tägliche Angst jüdischer Eltern um ihre Kinder. Das tägliche Unbehagen, mit einer Kippa in Berlin oder in Deutschland erkennbar zu sein. Es fällt mir gar nicht leicht, in dieser Stunde, in dieser Gemeinde mit ihrem so positiven Anhang, darüber zu sprechen, aber es muss gesagt sein.

Die Furcht von Jüdinnen und Juden vor antisemitischer Beschimpfung und Gewalt in Deutschland, dem Land des Holocaust, ist Alltag. Es erschüttert mich zutiefst und darf niemanden ruhig lassen, weil die Menschenwürde in unserem Land hierdurch verletzt wird. Gerade deshalb ist es so wichtig, nicht zu schweigen und nicht wegzusehen, sondern Gegenwehr zu entwickeln. Positive Gegenwehr.

Zu zeigen: Wir sind da, wir stehen zusammen. Nicht im Sinne von böser Aggressivität, sondern im Sinne von Selbstbehauptung. Selbstbehauptung des Menschenrechts, des Schutzes und der Sicherheit des jüdischen Lebens. Denn das bedeutet das Menschenrecht auch hier ganz konkret: Schutz und Sicherheit eines jeden Mitglieds der jüdischen Gemeinschaft in unserem Land.

Dafür haben wir gemeinsam einzustehen. Und ich bin davon überzeugt: Unsere Gesellschaft wird daran gemessen, wie wir zu den Menschen stehen, die angefeindet und bedroht werden. Wie wir Verantwortung übernehmen und wie wir die Freiheit, Sicherheit und den Respekt aller Menschen garantieren. Aller Kulturen, aller Religionen, aller Nationen.

Für mich heißt das: Jüdinnen und Juden müssen in der Mitte unseres Landes ein sicheres Zuhause haben. Ich freue mich sehr über die heutige Auszeichnung, und ich darf sagen: Für mich bleibt es eine Lebensaufgabe. ‚Nie wieder‘ ist nicht abgeschlossen. ‚Nie wieder‘ endet nicht.

Es ist ein Auftrag, der jeden Tag neu erfüllt werden muss, weil jede Generation ihn neu verstehen muss. Meine Großmutter schenkte mir, da war ich vielleicht zwölf oder dreizehn Jahre alt, das Tagebuch der Anne Frank. So jung ich seinerzeit gewesen bin und wahrscheinlich auch nicht alles verstanden habe, war für mich ganz klar: So etwas Schreckliches darf keinem Kind nie wieder passieren. Keinem jüdischen Kind.

Dabei habe ich immer wieder erlebt, wie viel Kraft in der Begegnung liegt. Wenn Menschen miteinander sprechen, einander zuhören, sich kennenlernen, dann entsteht Verständnis. Und das Verständnis kann Vertrauen schaffen. Das erlebe ich immer wieder, und diese Erfahrungen geben mir Hoffnung.

Besonders wichtig ist mir dabei die junge Generation. Viele junge Menschen haben ein feines Gespür für Gerechtigkeit, den Mut, Fragen zu stellen und Erwartungen zu äußern. Wenn wir ihnen den Raum geben, sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen, Haltung zu entwickeln, dann investieren wir in die Zukunft unserer Demokratie. Ich möchte auf eine wunderbare Begegnung mit jungen Menschen in Wurzen zurückkommen.

Die Margot-Friedländer-Stiftung hat junge Menschen gesucht, die ein Buch ins Deutsche übersetzt haben – die Geschichte vom Überleben von neun Frauen auf einem Todesmarsch. Diese jungen Menschen haben sich darum gekümmert, dass das, was die Todesmärsche an Tod und Leid hinterlassen haben, wieder ans Licht kommt. Aus diesem Buch ist ein Stück entstanden, in dem über die neun Frauenschicksale berichtet wird. Der Dom von Wurzen war voller Menschen.

Man konnte eine Stecknadel fallen hören, weil dort über das Leben dieser Frauen berichtet wurde. Das macht mir Mut. Junge Menschen sind, wenn wir sie richtig annehmen und ihnen Raum geben, sich zu entwickeln, zu großen Fähigkeiten in der Lage und können viel verstehen. Ich habe einen großen Respekt vor allen Initiativen, Projekten und Einzelpersonen, die genau das ermöglichen.

Sie leisten einen unschätzbaren Beitrag, oft leise und wenig sichtbar, aber mit nachhaltiger Wirkung. In den vergangenen neun Jahren der Amtszeit meines Mannes als Bundespräsident hatte ich das große Privileg – und das empfinde ich wirklich als Geschenk –, viele engagierte Menschen kennenlernen zu dürfen: Junge, Alte, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, die sich alle für ein friedliches Miteinander einsetzen. Ohne all diese Menschen, die ich gerade auch hier in der Gemeinde Chabad kennengelernt habe, würde ich heute nicht hier stehen.

Mein Dank geht an alle Weggefährten, mit denen ich gemeinsam arbeiten durfte, an all die Menschen, die sich geöffnet haben, die ihre Geschichten erzählt haben, sodass andere – gerade auch junge Menschen – sie verstehen und nachvollziehen können. In Deutschland, in Israel und darüber hinaus.

Von ganzem Herzen danke ich auch den jüdischen Gemeinden, die meinem Mann und mir viel Vertrauen geschenkt haben, die offen mit uns geredet haben und uns in vielen persönlichen Begegnungen gezeigt haben, wie lebendig und vielfältig jüdisches Leben in Deutschland ist. Besonders danke ich der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin für all das, was ich hier mit Ihnen zusammen erleben und lernen durfte.

Gemeinsam haben wir einige Graduierungen gefeiert, liebe Jane – die Absolventinnen und Absolventen der Touro University hier in Berlin. Und die Touro University ist auch etwas ganz Besonderes: Sie verbindet jüdische Tradition mit moderner Bildung. Sie ist offen für Studierende aller Hintergründe und pflegt den interreligiösen Dialog. Für mich ist das ein Paradebeispiel des lebendigen Miteinanders.

Zuletzt durfte ich mit meiner Freundin Michal Herzog die Studierenden treffen – an einem schrecklichen Ort, im Haus der Wannsee-Konferenz. Aber man sieht: Man kann dort wieder Leben hinbringen und vor allem auch jüdisches Leben. Das ist im Symbol großartig. In diesem Saal stand ich zuletzt um die Kinder dieser Kindergartens.

Gemeinsam haben wir das 20-jährige Jubiläum der jüdischen Kita Gan Israel gefeiert. Eine Kita, in der jüdische Erziehung und Identitätsbildung im Zentrum stehen. Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde, die Auszeichnung, die Sie mir heute gegeben haben, ist für mich Ansporn und Verpflichtung zugleich. Ansporn, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, weiterhin Haltung zu zeigen für Menschlichkeit, Respekt und ein friedliches Miteinander.

Und ich versichere Ihnen: Ich werde mich auch weiterhin für das jüdische Leben hier in Deutschland einsetzen. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam daran arbeiten, dass Jüdinnen und Juden in unserem Land selbstverständlich und ohne Angst leben können. Dass wir zusammengehören, dass Vielfalt als Stärke verstanden wird und dass wir als Gemeinschaft zusammenstehen in diesen doch recht schwierigen Zeiten. Freiheit und Demokratie leben davon, dass wir gemeinsam für sie kämpfen und sie gemeinsam verteidigen.

Ich danke Ihnen allen für Ihr Engagement, für Ihre Aufmerksamkeit und für dieses unfassbar große Zeichen der Wertschätzung. Gemeinsam werden wir dafür sorgen, dass jüdisches Leben in Deutschland sichtbar, selbstverständlich und sicher bleibt – als lebendige Gegenwart und als gemeinsame Zukunft. Vielen Dank. “

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