Kanada plant Pacific-Link-Pipeline mit einer Million Barrel pro Tag

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Kanada plant Pacific-Link-Pipeline mit einer Million Barrel pro Tag
Pacific Link Pipeline, Mark Carney, Trans Mountain

Kanada treibt die Pacific-Link-Pipeline voran: Eine Million Barrel Öl pro Tag sollen ab 2027 durch die Rocky Mountains an den Pazifik fließen, um die US-Abhängigkeit zu brechen.

Kanada beschleunigt seine neue Ölroute zum Pazifik: Premierminister Mark Carney hat die geplante Pacific-Link-Pipeline zum Projekt von nationalem Interesse erklärt und damit den Weg für ein schnelleres Genehmigungsverfahren freigemacht. Der Baubeginn ist laut Regierungsplänen für September 2027 vorgesehen. Die Pipeline soll bis zu eine Million Barrel Öl pro Tag aus den Ölsanden Albertas durch die Rocky Mountains an die Westküste bringen und die starke Abhängigkeit vom US-Markt verringern.

Pacific Link als nationales Projekt

Entwickelt wird Pacific Link unter der Führung des staatlichen Pipelinebetreibers Trans Mountain. Auch Pembina Pipeline ist beteiligt und soll zunächst zehn Prozent übernehmen können. Bund und Provinz Alberta sollen ebenfalls Eigentümer werden, mindestens weitere zehn Prozent sollen indigenen Gruppen angeboten werden.

Der zentrale Unterschied zur bestehenden Infrastruktur liegt am anderen Ende der Leitung: Geplant ist ein neuer Tiefwasserhafen bei Roberts Bank südlich von Vancouver, an dem auch VLCC-Öltanker abgefertigt werden können.

Bevor das Öl den Pazifik erreicht, muss die Pipeline eine der anspruchsvollsten Routen Nordamerikas überwinden. Von Alberta führt der geplante Korridor quer durch die Rocky Mountains und anschließend durch das zerklüftete British Columbia bis zur Küste. Pacific Link soll weitgehend der Route einer bereits bestehenden kleineren Trans-Mountain-Verbindung folgen, die 2024 in Betrieb genommen wurde.

Ein bestehender Korridor erleichtert zwar Planung und Genehmigung, macht den Bau aber keineswegs einfach. Leitungen müssen durch teilweise steile und schwer zugängliche Regionen geführt, Flüsse und Verkehrswege unterquert und zahlreiche Pumpstationen errichtet werden. Hinzu kommt das neue Küstenstück bis Roberts Bank. Dort soll erstmals die Infrastruktur entstehen, um sehr große Rohöltanker direkt zu beladen.

Dieser Tiefwasserterminal ist entscheidend, um auch weite Transporte etwa nach China, Japan oder Indien wirtschaftlich attraktiver zu machen. Der bisherige Westridge-Terminal kann wegen der nautischen Bedingungen nur kleinere Tanker aufnehmen. Bei längeren Strecken nach Asien erhöhen kleinere Schiffe aber die Transportkosten.

Wirtschaftliche Bedeutung der Pacific-Route

Seit der Inbetriebnahme der ersten Pipeline in 2024 haben sich Kanadas Rohölexporte in Länder außerhalb der USA mehr als verdreifacht. Der neue Pacific Link würde diese Entwicklung noch einmal massiv beschleunigen. Die geplante Tageskapazität von einer Million Barrel wäre größer als die gesamte heutige Kapazität des Trans-Mountain-Systems.

Kanada gehört zwar zu den größten Ölproduzenten der Welt, besitzt aber seit Jahrzehnten nur begrenzte Möglichkeiten, sein Öl unabhängig vom Nachbarland zu verkaufen. 2025 exportierte Kanada rund 4,3 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Davon gingen 3,9 Millionen Barrel beziehungsweise 90,1 Prozent in die Vereinigten Staaten. Rechnet man auch Flüssiggase und raffinierte Produkte hinzu, entfielen sogar 90,8 Prozent der kanadischen Kohlenwasserstoffexporte auf die USA.

Unter Präsident Donald Trump und angesichts der wiederholten Handelskonflikte wird diese Abhängigkeit zunehmend als strategisches Risiko gesehen. Carney will deshalb die kanadischen Exporte in andere Länder innerhalb von zehn Jahren verdoppeln. Pacific Link gehört zu den zentralen Projekten dieser Strategie.

Mehr Exportmöglichkeiten könnten nicht nur zusätzliche Käufer erschließen, sondern auch die Verhandlungsposition kanadischer Produzenten verbessern. In der Vergangenheit führte fehlende Pipelinekapazität immer wieder dazu, dass kanadisches Schweröl mit erheblichen Abschlägen gegenüber internationalen Referenzsorten an US-Abnehmer verkauft werden musste.

Produzenten und Infrastruktur im Fokus

Die kanadischen Produzenten könnten von besseren Exportwegen profitieren; Pembina ist der direkte Infrastruktur-Play. Unter den Produzenten haben Canadian Natural und Cenovus besonders viel Hebel auf zusätzliche Pazifik-Kapazität, weil ihre Ölsand-Produktion besonders groß ist. Canadian Natural hat bei der existierenden Pipeline etwa 20 Prozent der Kapazität gebucht.

Die Pacific-Link-Pipeline soll nicht nur die Exportkapazität erhöhen, sondern auch die strategische Unabhängigkeit Kanadas stärken. Mit dem Baubeginn im September 2027 und der geplanten Fertigstellung in den folgenden Jahren könnte das Projekt die kanadische Ölindustrie nachhaltig verändern.

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