Feuer frei in Almaty: Der Präsident von Kasachstan weist die Armee an, „ohne Vorwarnung“ auf Menschen schießen, die für Unruhe sorgen. Er nennt die Protestierenden „Terroristen“. Von SilkeBigalke
Tokajew behauptet nun, die Millionenstadt sei von 20 000"Banditen" angegriffen worden. Diese müssten schnell"vernichtet" werden. Aufforderungen aus dem Ausland, die Sache friedlich zu lösen, bezeichnete er als dumm:"Was für Verhandlungen kann es mit Verbrechern und Mördern geben?" Unter denen, die Tokajews Schießbefehl scharf verurteilten, war auch Deutschlands Justizminister Marco Buschmann .
Kassym-Schomart Tokajew jedenfalls deutet den Protest nicht grundlos in einen vom Ausland unterstützen Angriff um. Mit diesem Argument rief er seine Partner in einem Militärbündnis um Hilfe: Die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit , die in ihrem knapp 20-jährigen Bestehen noch nie auf einen Hilferuf aus einem ihrer Mitgliedstaaten reagiert hat, schickte umgehend Truppen.
Diese Premiere wirkte noch merkwürdiger, weil ausgerechnet Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan dem Kasachen Tokajew die"kollektiven Friedenstruppen" zusagte, die nun den Protest unter Kontrolle bringen sollen. Armenien leitet das Sicherheitsbündnis derzeit turnusgemäß. Nikol Paschinjan ist nach Protesten in Armenien an die Macht gekommen.
Umso schneller schickte nun vor allem Moskau Soldaten nach Almaty. Sie sollen bereits die Kontrolle über den Flughafen übernommen haben, auf den Straßen der Millionenstadt patrouillieren. Warum Putin diesmal reagierte, kann man nur vermuten. Wahrscheinlich wollte er sich keinen weiteren Unruheherd in der Nachbarschaft leisten, kein weiteres Beispiel eines gestürzten Autokraten riskieren.
Denn während die Proteste anhalten, passiert in Tokajews Machtapparat dieser Tage etwas ganz Entscheidendes: Er entthront Schritt für Schritt einen Mann, der einst viel mächtiger war als Tokajew heute, seinen Vorgänger Nursultan Nasarbajew. Inzwischen, so heißt es, nutzten Tokajews Behörden sogar wieder den alten Namen Astana für die kasachische Hauptstadt. Vor drei Jahren noch hatte Tokajew sie zu Ehren Nasarbajews in Nursultan umgetauft.
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