„Kinderwunsch darf kein finanzielles Lebensrisiko sein“ – Leser streiten über Deutschlands Familienpolitik

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„Kinderwunsch darf kein finanzielles Lebensrisiko sein“ – Leser streiten über Deutschlands Familienpolitik
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Leser diskutieren über Kinderlosigkeit, Kita-Ausbau, Care-Arbeit und die Verantwortung der Familienpolitik.

Franca Lehfeldt kritisiert widersprüchliche Erwartungen an deutsche Mütter: Sie sollen arbeiten und zugleich jederzeit für ihre Kinder verfügbar sein. Leser streiten darüber, ob darin tatsächlich ein Staatsversagen liegt.

Franca Lehfeldt macht in ihrem neuen Buch die deutsche Familienpolitik mitverantwortlich dafür, dass Mutterschaft bis heute zwischen Erwerbsdruck und traditionellen Erwartungen zerrieben wird. Ihr Vorwurf: Nach Jahrzehnten gegensätzlicher Familienbilder in Ost und West verlangt Deutschland von Müttern heute berufliche Verfügbarkeit, ohne ihnen überall eine verlässliche Betreuung und echte Wahlfreiheit zu sichern. Viele FOCUS-online-Leser halten die daraus abgeleitete Diagnose eines Staatsversagens für zu weitreichend und verweisen auf persönliche Lebensentscheidungen und sinkende Geburtenraten auch in anderen Ländern.

Andere erkennen sich gerade in Lehfeldts Kritik wieder und fordern mehr Anerkennung für Erziehungsarbeit und unterschiedliche Familienmodelle. Viele Leser halten Lehfeldts Schlussfolgerung für zu weitgehend und betonen, dass Menschen aus sehr unterschiedlichen persönlichen Gründen kinderlos bleiben. Sie verweisen auf Karriere, Partnerschaft, finanzielle Lage oder schlicht den fehlenden Kinderwunsch. Tatsächlich lässt sich der Rückgang der Geburten nicht allein mit deutscher Familienpolitik erklären; niedrige Geburtenraten finden sich auch in zahlreichen anderen wohlhabenden Staaten.

Lehfeldts Argument setzt allerdings an einem anderen Punkt an: Sie beschreibt nicht jede Kinderlosigkeit als Folge staatlicher Fehler, sondern kritisiert widersprüchliche Rahmenbedingungen für Menschen mit Kinderwunsch.

„Beim Wort Staatsversagen aufgehört zu lesen. Was für eine Anmaßung, bei einem der reichsten und sichersten Länder des Planeten von Versagen zu sprechen ...

“„Warum ruft man heute eigentlich bei allem nach dem Staat? Früher hat man Kinder noch größtenteils selbst finanziert, heute soll es der Staat tun. Der Staat ist für die Rahmenbedingungen verantwortlich, hier wird er seiner Aufgabe natürlich nicht gerecht, aber ihm alle Schuld zuzuschieben, ist falsch. Zumal die Eltern eben diese Politik ganz bewusst gewählt haben.

Man hat bewusst gewählt, dass der Staat unser Steuergeld für andere Dinge verschwendet als für beispielsweise Bildung und Sicherheit. War der Ehemann der Autorin daran nicht beteiligt?

“„Im besten Alter war ich gelernter Industrie-Facharbeiter. Etwa 4.000 DM im Dispo-Minus. Unter anderem wegen der Steuerklasse 1. Wer möchte bei diesen Voraussetzungen eine Familie gründen und Kinder in die Welt setzen?

Als es mir finanziell gut ging, hätte mein 20-jähriges Kind einen 63 alten Vater gehabt. Ergo, kein Kind. Schade.

“Andere Leser greifen einen zentralen Gedanken Lehfeldts direkt auf: Familien sollten selbst entscheiden können, wie sie Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung organisieren. Lehfeldt beschreibt Deutschland als Ergebnis zweier gegensätzlicher Traditionen. In Westdeutschland galt die zuhause bleibende Mutter lange als Ideal, in der DDR dagegen die erwerbstätige Frau mit staatlich organisierter Kinderbetreuung. Nach der Einheit entstand aus ihrer Sicht kein wirklich neues Modell.

Stattdessen sollen Eltern heute beruflich verfügbar sein und zugleich hohen Ansprüchen an persönliche Betreuung gerecht werden. Leser fordern deshalb flexible Arbeitsmodelle und eine stärkere Anerkennung von Care-Arbeit. Kindererziehungszeiten werden bereits in der Rente berücksichtigt, Einkommens- und Karriereeinbußen längerer Auszeiten können dadurch aber nur teilweise ausgeglichen werden.

„Was fehlt, ist die freie Wahl. Als ich in den 90er Jahren Mutter wurde, hatte das Geld meines Mannes gereicht, um die Familie abzusichern. Mittags war gekocht und bei den Hausaufgaben half ich, falls nötig. Als die Kinder älter wurden, stieg ich Stück für Stück wieder in die Arbeit ein.

Weil ich es wollte. Heute ist es so, dass die meisten Frauen arbeiten müssen, sprich, keine Wahl haben ...

“„Leider hat man bis heute vergessen, die „mütterliche Fürsorge“ angemessen zu achten, zu bezahlen und in der Rente höher zu berücksichtigen. Was heute den Kindern in vielen Kitas und Schulen vermittelt wird, ist unterirdisch. Genauso negativ ist die Gen Z drauf - ein Produkt des totalen Scheiterns. Pisa!!!

“„In der Debatte wird nur noch in Extremen gedacht: Entweder Raben- oder Helikoptermutter. Dabei bleibt die Mutter die wichtigste Bezugsperson. Gute Familienpolitik muss daher endlich die Care-Life-Balance radikal verbessern. Frauen sind heute nie nur Mutter oder nur Karrieristin.

Es braucht flexible Konzepte für dieses ‚Sowohl-als-auch‘, damit alle Mütter sich auch selbst verwirklichen können. Dabei gilt eine rote Linie: Die Erziehungshoheit liegt bei der Familie. Staatlichen Kitas darf niemals die Möglichkeit gegeben werden, Kinder politisch zu indoktrinieren, wie es im Sozialismus üblich war. Kitas müssen unterstützen, nicht umerziehen.

“„Jeder sollte frei entscheiden, was gewollt ist. Ob zu Hause oder in der Kita, KiGa. Doch wirtschaftlich bedeutet es immer noch einen Schaden für die Frauen in der Rente z. B., wenn sie zu Hause betreuen.

Der Mann ist außen vor und selbst, wenn er wollte, wäre der finanzielle Schaden noch enormer, denn Männer verdienen mehr als Frauen und Mütter sind besonders schlecht dran.

“ Ein kleinerer Teil der Leser folgt Lehfeldts Kritik besonders deutlich. Sie sehen ein politisches Versäumnis darin, dass Erwerbstätigkeit von Müttern gefördert wurde, ohne gleichzeitig überall eine ausreichend belastbare Betreuungsinfrastruktur zu schaffen. Genau darin liegt ein Schwerpunkt ihres Beitrags: Der Kita-Ausbau seit den 2000er-Jahren habe zwar mehr Plätze geschaffen, zugleich seien Fachkräfte, Qualität und Verlässlichkeit nicht im gleichen Tempo mitgewachsen. Der Rechtsanspruch auf Betreuung garantiert deshalb nicht automatisch, dass Familien vor Ort den benötigten Platz mit passenden Öffnungszeiten erhalten.

„Staatsversagen und Generationsversagen! Kinder sind immer die Zukunft! Nichts läuft ohne Nachwuchs! Die Generation ohne Kinder muss jetzt dafür sorgen, dass Kinderwunsch und Nachwuchs kein finanzielles Lebensrisiko bedeuten, im eigenen Interesse.

Abhauen ist keine Option! Im Alter kommen alle zurück! Was ist dann? Rente!

Von wem?

“„Die Frauen wurden im Osten als Arbeitskräfte gebraucht. Und auch später im Westen, als die Fachkräfte fehlten. Um das Wohl der Kinder oder Familien ging es im Grunde nie. Wie war es nach dem Krieg im Westen, als die Männer fehlten?

Da schulterten die Frauen das System. Als die Männer dann zurückkehrten, schickte man die Frauen heim an den Herd. Erst in den 90er Jahren holte man sie wieder. Und der Rechtsanspruch U3 erfolgte nicht erst 2013.

Bereits in Schröders TAG von 2005 war über Nacht die Forderung aufgetaucht, für ein Drittel der Kinder unter drei Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. Natürlich war klar, dass das nicht reichte. Die Familien stürzten sich darauf, auch die, bei denen die Mütter daheim waren. Wie kann ich als Träger sagen, du bekommst einen Platz, du nicht, weil das Drittel voll ist?

Sage nur Gleichheitsgrundsatz. Das TAG sorgte 2005/2006 dafür, dass plötzlich über Nacht über 40.000 Erzieher fehlten. Von der sonstigen fehlenden Infrastruktur gar nicht zu reden.

“ Die übrigen Kommentare zeigen, wie emotional die von Lehfeldt beschriebene Auseinandersetzung um das Bild der guten Mutter weiterhin geführt wird. Einige Leser betonen die Bedeutung eigener Betreuung, andere verteidigen Kitas. Die zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Analyse und Strukturierung erfolgen mithilfe Künstlicher Intelligenz. Die zusammenfassenden Texte und Einordnungen werden redaktionell kuratiert und bearbeitet.

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