Nach der ersten Heimniederlage gegen Griechenland kritisiert der Europameister von 1996 den fehlenden Siegeswillen der DFB-Elf und fordert mehr Einsatz von den Spielern.
Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat erstmals überhaupt gegen Griechenland verloren, und das zu Hause. Der Europameister von 1996 zeigt sich enttäuscht und vermisst bei den Nachfolgern vor allem den unbedingten Willen, ein Spiel mit aller Macht gewinnen zu wollen. Nach rund 60 Minuten sei nicht mehr viel gekommen, und er habe keinen Fortschritt zur WM gesehen. Die Mannschaft spiele ordentlich, schiebe den Ball hin und her, erarbeite sich aber wenig Chancen.
Fehlender Siegeswille und Basic-Defizite
Der Europameister von 1996 betont, dass die Jungs noch nicht verinnerlicht hätten, was Jürgen ihnen mitgeben will. Es fehle der unbedingte Wille, das Spiel auf die eigene Seite zu ziehen. Auch nach einem Rückstand habe die Mannschaft einfach so weitergespielt. Dabei gebe es Spieler mit Tempo, aber das Team sei nicht eingespielt. Die Zeit dafür habe man bei der Nationalmannschaft nie, außer vor einem großen Turnier.
Er bezweifelt, ob es die richtige Entscheidung war, auf zwei Kader zu setzen. Jürgen wollte damit vermutlich dokumentieren, dass es viele talentierte junge Spieler gibt. Aber vielleicht seien einige nach ein paar Bundesligaspielen noch nicht so weit. Schon bei der WM sei die Leistung nicht besser gewesen, was Basti nochmals untermauert habe. Die Leistung bestätige, dass man im Moment nicht zu den besten Teams der Welt gehöre.
Seit längerem fehle eine Achse vom Torwart über einen Innenverteidiger und zentralen Mittelfeldspieler bis zum Stürmer. So ein Gerüst brauche jede Mannschaft, und das werde auch Jürgen brauchen. Aber das sei im Moment nicht zu sehen, auch weil so viel experimentiert werde. Zudem fehlten die Basics, gerade im Zweikampfverhalten, wo die Statistiken ganz schlecht seien.
Kimmich und die Kapitänsfrage
Wenn Jürgen Klopp Joshua Kimmich die Kapitänsbinde lässt und weiter auf ihn baut, warum schickt er ihn dann ausgerechnet vor seinem Heimspiel in München nach Hause? Kimmich müsste als Kapitän und Ballverteiler im Mittelfeld eine zentrale Rolle spielen. Warum hat er offenbar Probleme, die Leistung aus dem Verein auch im Nationalteam zu bringen?
Bei Bayern habe er sehr, sehr gute, zum Teil überragende Mitspieler. Wenn du Olise oder Diaz den Ball gibst, dann wissen die, die machen schon irgendwas damit. Im Zweifel flanken sie auf und der macht ihn rein. Solche Weltklassespieler gibt es im Moment in der deutschen Mannschaft nicht.
Joshua will sowieso immer spielen, der ist auch nicht ausgebrannt oder überspielt. Daher hätte er erwartet, dass er gerade in München dabei ist. Und man hat ihm seine Enttäuschung darüber ja auch angemerkt. Das darf so einfach nicht passieren. Und ich glaube, das wird Jürgen sich auf Dauer auch nicht weiter anschauen.
Klopps Ansatz und die Zukunft
So wie man Jürgen kennt, hat er sehr viel Euphorie und Begeisterung mitgebracht und geht mit sehr viel Elan und Energie an die Dinge. Er versucht wirklich alles und will etwas bewegen, damit die Mannschaft wieder besser wird. Aber man sieht eben, dass es nicht alles auf einmal geht. Wahrscheinlich hat er auch gedacht, man wäre schon ein bisschen weiter.
Er hat ja gesagt, er nimmt alles auf seine Kappe und es ist alles seine Schuld, wenn es nicht läuft. Aber von den Spielern muss einfach noch mehr kommen. Das ist zu wenig. Die Griechen haben in Augsburg das Spiel ihres Lebens gemacht und uns mit einfachen Mitteln geschlagen. Das darf uns so einfach nicht passieren. Und ich glaube, das wird Jürgen sich auf Dauer auch nicht weiter anschauen.
Sicherlich ist die Situation etwas blöd, weil wir gerade mit Blick auf die Setzliste zur EM-Qualifikation punkten müssen. Aber bei den nächsten Länderspielen im November muss er schon ein klares Konstrukt haben. Da muss er seinen Kern-Kader zusammenhaben und dann vielleicht noch sporadisch den einen oder anderen dazu nehmen, der gerade in super Form ist in der Bundesliga. Ich rechne damit, dass Jürgen klar nach Leistung gehen wird und natürlich auch seine Art von Fußball gerne spielen möchte. Da müssen die Spieler aber auch mitmachen und sein System begreifen. Die Zeit gibt ihm jeder, bis jetzt gibt es ja kaum Kritik an ihm, höchstens Verbesserungsvorschläge. Und Jürgen ist schlau genug, das anzunehmen und umzusetzen.
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