Die Tarifneuverhandlungen bei VW sind nur ein kleiner Hebel zur Senkung der Konzernkosten. Sie sind aber ein Lackmustest für den Zukunftsplan des Vorstands.
Die Tarifneuverhandlungen bei VW sind nur ein kleiner Hebel zur Senkung der Konzernkosten. Sie sind aber ein Lackmustest für den Zukunftsplan des Vorstands. Es ist gerade einen Monat her, dass der Aufsichtsrat von Volkswagen mit überraschend einstimmigem Votum zum „Zukunftsplan 2030“ des Vorstands eine Eskalation im Streit über den Umbau des Konzerns verhinderte.
Anleger honorierten den verbindlichen Rahmen für die Sanierung. VW-Vorzüge legten kurz nach der Einigung um fast 10% zu. Tempi passati: Zwischenzeitlich hat der kriselnde Autohersteller Investoren mit einer Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr ernüchtert. Nun steht nach der Ankündigung des Vorstands, das Tarifniveau abzusenken und mehrere Haustarifverträge zum Jahresende zu kündigen, eine Bewährungsprobe an: Sie wird zeigen, inwieweit sich alle nach dem Beschluss zum Zukunftsplan tatsächlich dem Ernst der Lage stellen.
Die Gewerkschaft spricht von einem üblen Foul an der Belegschaft. Doch Streiks werden an den dauerhaften regionalen Veränderungen und an der neuen Realität im Branchenwettbewerb nichts ändern. In Ländern mit niedrigeren Standortkosten kostet die Produktion eines Autos im Mittel rund 2.000 Euro weniger als in Deutschland. Eine profitable Fahrzeugproduktion benötigt eine Werksauslastung von mindestens 80%.
Autos chinesischer Hersteller sind durchschnittlich bei gleicher Technik um bis zu 30% günstiger. Neben Mercedes will auch VW mehr arbeiten lassen, um billiger zu produzieren. Steigt die Wochenarbeitszeit bei unverändertem Jahresentgelt von 35 auf 40 Stunden, sinken die Arbeitskosten je Arbeitsstunde rechnerisch um 12,5%. Doch dieser Vorteil entsteht nur, wenn die zusätzliche Arbeitszeit produktiv genutzt wird.
Ein schlecht ausgelastetes Werk wird nicht dadurch profitabel, dass seine Beschäftigten länger arbeiten. Einkommensverluste der Belegschaft waren auch in der VW-Krise der neunziger Jahre ein Preis, um Investitionen, Produktion und Beschäftigung zu sichern. Der Zukunftsplan 2030 muss vor allem das Kostenproblem von VW angehen. Die anstehende Neuverhandlung der Tarifverträge wird dabei nur ein kleiner Hebel sein.
Es gibt viele Gründe dafür, warum die EU-Kommission ständig Vereinfachungen in der Regulierung ankündigt, aber Unternehmen davon wenig spüren. Zumindest bei einem Grund könnte die EU-Kommission recht zügig Abhilfe schaffen. Die Nachwahl für Keir Starmers Unterhausmandat beeinflusst die britische Außen- und Energiepolitik wie keine andere. Denn Labour will hier nicht gegen die Grünen verlieren.
Wird die EZB bald eingreifen? Zumindest hat sich der Renditeabstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen derart ausgeweitet, dass die Stabilität der Eurozone bedroht ist. Offene Immobilienfonds stehen unter Druck: Bürokrise und hohe Abschläge am Zweitmarkt nähren Zweifel an den Bewertungen. Die Bewährungsprobe könnte über kleine Fonds hinausgehen.
Millionen Babyboomer verlassen den Arbeitsmarkt. Künstliche Intelligenz und Robotik könnten einen Teil der wegfallenden Arbeitsstunden ersetzen – und unseren Wohlstand aufrechterhalten oder sogar steigern. Wie Deutschland durch eine Modernitätsrevolution den ökonomischen Absturz verhindern kann. Die Ankündigung von Robinhood, den Aktienhandel auch am Wochenende öffnen zu wollen, sollte Stabilitätsverfechter auf die Barrikaden treiben.
Denn kommt der Markt überhaupt nicht mehr zur Ruhe, drohen extrem gefährliche Folgen.
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