Lisa Straube hat dieser Tage etwas getan, das viele nicht wagen: Die Influencerin hat ihren Schmerz gezeigt.
Als Trauerbegleiterin und Trauersängerin begleite ich seit Jahren Familien durch das Unvorstellbare: den Tod eines Kindes. Ich war dabei, als Eltern an einem Grab standen, das viel zu klein war.
Ich habe gesungen, wo Worte nicht mehr reichten. Und ich weiß, was in diesen Momenten wirklich trägt – und was nicht. Wenn Lisa Straube schreibt, sie sei mit ihrem Kind auf dem Arm auf die Straße gerannt und habe Gott angefleht , sie anstelle ihres Sohnes zu holen – dann ist das kein Drama für die Timeline. Das ist nackte Wahrheit.
Ich erkenne darin etwas, das mir Eltern in meiner Praxis immer wieder beschreiben: Diesen Moment, in dem die Welt aufhört, die Welt zu sein, die man kannte. Danach ist nichts mehr selbstverständlich. Nicht das Aufwachen. Nicht die Stille im Nebenzimmer.
Es gibt keinen richtigen Weg durch diesen Schmerz. Keine Reihenfolge, die man abarbeiten kann. Trauer um ein Kind ist kein Prozess. Sie ist ein Zustand, der sich immer wieder neu erfindet.
Lass ihn so groß sein, wie er ist. Eine Freundin verlor ihr Kind einen Tag vor dem errechneten Geburtstermin. Das Herz schlug einfach nicht mehr. Wir waren alle geschockt.
Und dann sehr berührt – von dem, was diese Familie tat. Sie ließen das Mädchen aufbahren. Die Familie und Freunde konnten kommen, das Baby sehen, sich verabschieden. Ich durfte bei der Trauerfeier singen.
Für dieses kleine Mädchen, das nie einen Atemzug getan hatte. Die Mutter sprach offen darüber. Sie machte es damit den Menschen um sie herum leichter, das Unaussprechliche zu benennen. Und genau das ermöglichte echten Trost, weil Familie und Freunde wirklich mitfühlen konnten, weil sie nicht um den heißen Brei herumreden mussten.
Sie besuchte mit ihrem Mann eine Trauergruppe. Sprach immer wieder darüber. Und heute hat sie ein gesundes Kind von drei Jahren. Und sie sagt zu ihm: Du hast noch eine Schwester.
Jetzt besuchen sie gemeinsam das Grab. Alles wird ausgesprochen. Das verstorbene Kind ist Teil der Familie geblieben – nicht als Schatten, sondern als Wahrheit. Das hat mich tief beeindruckt.
Und ich denke seitdem: Offenheit schützt nicht vor Schmerz. Aber sie schützt vor Einsamkeit. , Depressionen, dem Gefühl, dass die meiste Zeit surreal ist. Und dann kommen die Momente der Klarheit und reißen alles auf.
Das ist Trauer. Trauer um ein Kind verläuft nicht in geordneten Phasen. Sie kommt in Wellen – manchmal stundenlang still, dann plötzlich überwältigend. Beides ist wahr.
Beides darf sein. Was ich Eltern in dieser Zeit immer wieder sage: Vergesst euren Körper nicht. Trauer sitzt im Bauch, in den Beinen, in der Brust. Essen, schlafen, frische Luft – das ist keine Untreue gegenüber dem Kind, das ihr verloren habt.
Es ist das Mindeste, das ihr euch selbst schuldet. Holt euch Hilfe. Eine Trauerbegleitung, eine Traumatherapie, eine Gruppe wie denLisa und Furkan haben noch einen kleinen Sohn: Emilio, anderthalb Jahre alt. Für ihn da sein zu müssen, während man selbst im freien Fall ist – das ist eine der schwersten Situationen, die ich in meiner Begleitung kenne.
Viele Familien glauben, stark sein zu müssen. Doch das Verhalten macht es umso schwerer, wirkliche Trauer spüren zu können. Kinder, die sehen, dass ihre Eltern weinen, lernen etwas Wichtiges: Gefühle sind in Ordnung. Was Kinder destabilisiert, ist nicht die Trauer der Eltern.
Es ist das Schweigen darüber. Mit kleinen Kindern über den Tod zu sprechen fühlt sich falsch an. Zu groß. Zu schwer.
Aber Kinder spüren alles. Sie brauchen keine perfekte Erklärung. Sie brauchen ehrliche, einfache Worte. Was wirklich hilft: Rituale.
Ein Foto des verstorbenen Geschwisterkindes. Eine Kerze, die manchmal brennt. Ein Name, der weiter ausgesprochen werden darf. So bleibt das Kind ein Teil der Familie – sichtbar, benannt, geliebt.
Wie es meine Freundin vorlebt: Du hast noch eine Schwester. Kleine Kinder wechseln schnell zwischen Trauer und Lachen. Das ist keine Gleichgültigkeit. Das ist Kindertrauer.
Lasst sie spielen, ohne ein schlechtes Gewissen zu erzeugen. Wenn jemand ein Kind verliert, weiß das Umfeld oft nicht, was es sagen soll. Also sagt es etwas. Gut gemeint, aber oft schwer zu ertragen.
Sätze wie: „Ihr seid noch jung. Ihr könnt noch ein Kind bekommen. ” oder „Er ist jetzt bei Gott. ” Alles mit Liebe gemeint.
Und doch oft wie ein Schlag ins Gesicht. Da sein. Nicht weglaufen vor dem Schmerz, den du siehst. Einfach: Ich bin hier.
Ich halte das mit dir aus. Sagt den Namen des Kindes. Xavi darf weiter existieren – in Gesprächen, in Erinnerungen, in einem Nebensatz. Den Namen zu sagen bedeutet: Ich sehe dein Kind.
Ich sehe deinen Verlust. Die Gesellschaft gibt trauernden Menschen unausgesprochen eine Frist. Nach einigen Monaten wird erwartet, dass man wieder funktioniert. Das ist grausam.
Und bei Eltern, die ein Kind verloren haben, ganz besonders. . Sie verändert sich. Sie wird mit viel Zeit, mit guter Begleitung, mit Menschen an der Seite zwar lebbarer, aber die Trauer bleibt ein Leben lang.
In meiner Arbeit als Trauerbegleiterin sage ich gerne: Trauer ist Liebe ohne Glitzer, aber mit Sternenstaub. Xavi war real. Er war geliebt. Und er darf weiter da sein – in dem, wie Lisa und Furkan mit seiner Erinnerung umgehen, in dem, wie sie Emilio begleiten, in jedem Moment, in dem sie seinen Namen sagen.
Manchmal ist genau das der größte Trost: nicht schweigen. Einfach da sein. Den Namen sagen. Er darf so groß sein, wie er ist.
Trauer um ein Kind braucht viel Raum. Offenheit schützt nicht vor Schmerz. Aber sie schützt vor Einsamkeit. Wer darüber spricht, ermöglicht echten Trost.
Eine Trauerbegleitung, Traumatherapie oder Trauergruppe ist keine Schwäche. Der Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister ist genau dafür da. Ein Foto, eine Kerze, ein Name, der weiter gesagt wird. Das verstorbene Kind bleibt Teil der Familie, auch für kleine Geschwister.
Der beste Zeitpunkt, Unterstützung zu holen, ist nicht erst dann, wenn alles zusammenbricht, sondern schon dann, wenn du spürst: Allein ist es gerade zu schwer.
"Ich tröste dich: Ein Mitmachbuch für Eltern, Kinder und alle, die Trauer liebevoll begleiten wollen" von Petra Berghaus.
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