Der Lufthansa-Ableger sieht Wachstumspotenzial in der Hauptstadt. Dabei kämpft er mit den gleichen Standortkosten wie der irische Rivale. Kann das gut gehen?
an, alle sieben dort stationierten Flugzeuge zum Winterflugplan abzuziehen. Bedient wird der BER nur noch mit Jets, die anderswo stationiert sind. Die Zahl der Flüge in Berlin wird um die Hälfte gekürzt.
Dem BER fehlen damit Einnahmen. Nachdem schon wegen des Irankriegs wichtige Nahoststrecken weggefallen sind, rechnet das BER-Management mit einem Minus in Millionenhöhe. Doch es gibt wieder Hoffnung, denn der Lufthansa-AblegerDemnach sollen dort zwei zusätzliche Flugzeuge stationiert werden. Damit würde die Flotte am BER auf elf Jets wachsen.
So viele Flugzeuge hat auchDen Informationen aus dem Umfeld von Eurowings zufolge will die Fluggesellschaft mit den zusätzlichen Flugzeugen zum einen die Zahl der täglichen Flüge zu bestimmten Zielen erhöhen. Dazu zählen zum Beispiel Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote und Teneriffa. Zum anderen will das Unternehmen aber auch ausgewählte Strecken übernehmen, dieBekannt ist bisher, dass der irische Billiganbieter ab dem kommenden Winter die Ziele Bologna, Pisa und Tallinn nicht mehr ansteuern wird. Weitere Details hat das Management noch nicht genannt.
Zumindest das Ziel Bologna will nun Eurowings in sein Angebot aufnehmen. Ob weitere Strecken von Ryanair in den Flugplan von Eurowings kommen werden, ist offen. Im Juli werde das Management um CEO Max Kownatzki darüber entscheiden, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Kownatzki hat die Eurowings-Führung Anfang Februar von Jens Bischof übernommen.
Bischof hat die Fluggesellschaft, die viele Jahre Verluste schrieb, zu einer der Ertragssäulen im Passagiergeschäft der Lufthansa-Gruppe gemacht. Der Manager ging dabei ins Risiko. So startete Eurowings Flüge von Berlin in den Nahen Osten, zunächst nach Dubai, dann nach Dschidda in Saudi-Arabien. Das sind für eine auf die Kurz- und Mittelstrecke konzentrierte Airline recht lange Flüge.
Aber sie waren bis zum Kriegsbeginn Ende Februar stark gefragt. Auch führte Bischof einen eigenen Businessclass-Sitz ein, in Flugzeugen für mittellange Strecken eine ungewöhnliche Bestuhlung. Kownatzki will diese Strategie offenbar fortsetzen. Denn auch seine Entscheidung, die Lücken von Ryanair in Berlin zum Teil zu füllen, ist riskant.
Schließlich kämpft auch der Lufthansa-Ableger mit den Rahmenbedingungen, die Ryanair zum Rückzug bewogen haben: hohe staatliche Gebühren etwa für die Flugsicherung oder die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen. Dazu kommt die Luftverkehrsabgabe, die inEinerseits sehe Kownatzki das Potenzial für Wachstum in Berlin, heißt es im Eurowings-Umfeld. Das habe etwa der Erfolg der Strecken in den Nahen Osten gezeigt.
„Wir übernehmen langfristig Verantwortung für den Standort Berlin“, sagte Kownatzki Ende Februar bei einem Branchentreffen in Berlin. Andererseits sei für den Eurowings-Chef klar, dass der Ausbau des Netzes und Angebots in Berlin nur dann nachhaltig erfolgreich sein werde, wenn die Politik die Standortkosten wieder auf ein wettbewerbsfähiges Niveau senke, ist aus Eurowings-Kreisen zu hören. Soll heißen: Es gibt keine Garantie, dass der Ausbau dauerhaft ist. Die Branche klagt seit Jahren über die gestiegenen Kosten in Deutschland.
Seit 2019 haben sich diese verdoppelt. Die Folge: Vor allem das innerdeutsche Netz schrumpft massiv. Dort fallen die Gebühren sowohl beim Hin- als auch beim Rückflug an. Angesichts der niedrigen Margen auf der Kurzstrecke ist das in der Regel nicht wirtschaftlich.
Deshalb haben sich Ryanair und Easyjet schon vor längerer Zeit aus dem innerdeutschen Verkehr zurückgezogen. Easyjet hatte in Berlin zu Spitzenzeiten 36 Flugzeuge stationiert. Auch MarktführerDoch es braucht nach Ansicht der Airlinemanager mehr, um den Luftverkehr in Deutschland wieder wachsen zu lassen. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft schätzt, dass die Fluggesellschaften nach einer kompletten Abschaffung der Luftverkehrsabgabe bis zu 60 zusätzliche Jets im Land stationieren würden. Geschätzte Wertschöpfung: vier Milliarden Euro.
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