Malaysia statt Bahrain: Die Formel 1 wird zum Spielball der Geopolitik data-manual=title

Deutschland Nachrichten Nachrichten

Der Ausfall der Rennen am Persischen Golf trifft die Rennserie hart. Jetzt wird der Grand Prix von Bahrain in Malaysia nachgeholt. data-manual=googleTeaserText

Winterreifen oder Sommerreifen? Das ist natürlich nicht die Frage in der Formel 1. Aber logistisch ist die Verlegung von Rennen eine große Herausforderung für die Rennserie.

Der Ausfall der Rennen am Persischen Golf trifft die Rennserie hart. Jetzt wird der Grand Prix von Bahrain in Malaysia nachgeholt – doch weitere schwere Entscheidungen stehen an. iplomatie ist nicht immer ein rasendes Geschäft, aber in diesem Fall musste es schnell gehen. Hamad bin Isa Al Khalifa, erster König von Bahrain, griff zum Hörer und sprach mit Sultan Ibrahim Iskandar von Johor, dem König von Malaysia.

Die beiden Monarchen hatten ein ziemlich ungewöhnliches Problem zu lösen: Wohin mit einem Formel-1-Rennen, das wegen eines Krieges nicht dort stattfinden konnte, wo es eigentlich hingehörte? Not macht erfinderisch: Die Antwort lag mehr als 6000 Kilometer von der arabischen Insel entfernt. So kommt es, dass diean diesem Wochenende im tropischen Sepang ein Rennen aus dem Frühjahr nachholen kann. Auf einer Rennstrecke nahe Kuala Lumpur, auf der zuletzt 2017 ein Grand Prix ausgetragen wurde.

Bahrain übernimmt alle Kosten, den Malaysiern bleiben die Ticketeinnahmen. Offizieller Name: Formula 1 Bahrain Grand Prix in Malaysia. Sperriger lässt sich kaum ausdrücken, wie sehr die Königsklasse inzwischen zum Spielball der Geopolitik geworden ist. Mattia Binotto soll Audi in der Formel 1 zu Erfolgen führen.

Im Interview spricht der Italiener über die Ambitionen des Rennstalls – und erklärt, welchen Einfluss die Ferrari-Jahre mit Michael Schumacher auf ihn hatten. Mit der Formel 1 ist es wie mit Flugzeugen: Nur wenn sie unterwegs sind, verdienen sie auch Geld. Damit ein Rennen abgesagt wird, muss schon viel passieren: eine Pandemie etwa oder ein Krieg. Der Rennbetrieb wird nur bei großer Gefahr eingestellt – wie etwa nach dem Angriff der USA auf Iran im Frühjahr.

Die Rennkarawane hatte sich Anfang März gerade in Bahrain auf die neue Saison vorbereitet, ein paar letzte Testteams waren noch auf der arabischen Wüsteninsel, der Rest war schon auf dem Weg zum Auftaktrennen in Australien. Schnell wurde klar, dass die für den April in Bahrain und Saudi-Arabien angesetzten Rennen wegen der unsicheren Lage nicht ausgetragen werden könnten. Zu groß war die Angst davor, dass die Formel 1 für Iran als Zielscheibe dienen würde.

Nun zählen diese beiden Rennen zu den am höchsten dotierten im ganzen Rennjahr, weshalb sie nicht einfach abgesetzt, sondern nur ausgesetzt wurden. Man hielt an ihnen in der vagen Hoffnung fest, irgendwann später im Rennkalender noch ein Plätzchen zu finden – vorausgesetzt, die Region wäre wieder sicher.

Die Grand-Prix-Saison allerdings ist bis in den Dezember eng getaktet, der Kalender ist ohnehin ein geografisches Puzzlespiel, und die Verlegung eines Formel-1-Rennens erfordert ob der komplizierten Logistik einen Vorlauf von zwei bis drei Monaten. Tatsächlich fand sich nach dem Ende der Europasaison zwar eine terminliche Lücke Anfang Oktober, auf dem Weg von Aserbaidschan nach Singapur. Der Nahe Osten war dadurch allerdings nicht sicherer geworden.

Doch Formel-1-Chef Stefano Domenicali wollte keine Möglichkeit unversucht lassen, Umsatz und Ertrag seines Milliardenunternehmens zu steigern, die am Anfang fehlenden Rennen hatten den Umsatz im zweiten Quartal um 38 Prozent auf 764 Millionen Dollar reduziert; der Gewinn schrumpfte von 293 Millionen auf 73 Millionen. Dem Vernehmen nach hätten Bahrain und Saudi-Arabien wohl die Antrittsgelder trotzdem bezahlt.

Allerdings wären keine Werbeeinnahmen und Fernsehhonorare geflossen. Also wurde aus der Suche nach einem neuen Termin die Suche nach einem neuen Ort und zum Fall für die Diplomatie. Und die Formel 1, ihrem Prädikat entsprechend, tatsächlich zu einer echten Königsklasse.

Die Unwägbarkeiten sind damit noch längst nicht vom Tisch, denn zum Saisonende hin sind noch einmal zwei Rennen in der Krisenregion angesetzt: Katar und Abu Dhabi bringen der Formel 1 noch mehr Bonus ein, zusammen vermutlich weit jenseits von 100 Millionen Dollar. Domenicali spielt auf Zeit und hofft auf eine Entspannung der politischen Lage. Eine von ihm gesetzte Frist, bis Mitte September entscheiden zu wollen, wohin die Reise geht, ließ der Italiener verstreichen.

Die Rennställe rechnen nun bis Mitte Oktober mit Klarheit. Der aus Dubai stammende Präsident des Automobilweltverbandes FIA, Mohammed Ben Sulayem, hat mehrfach betont, dass die Behörde nicht vorschnell absagen wolle, Sicherheit aber das entscheidende Kriterium sei. Es geht juristisch und damit auch finanziell darum, wer eine Absage ausspricht und mit welcher Begründung. Deshalb stehen Katar und Abu Dhabi immer noch auf dem Plan, doch rund um das Autodromo von Imola in der Emilia-Romagna werden gerade bereits Zusatztribünen aufgebaut.

Dort könnte am Nikolauswochenende im Ernstfall ein Ersatz-Finale ausgetragen werden, um zumindest einen adäquaten sportlichen Schlusspunkt zu setzen – und die Fernsehanstalten bei Laune zu halten. Denen sind mindestens 22 WM-Läufe garantiert. Das ist nicht nur ein logistischer Albtraum für die Rennställe. Für den Ausgang der Weltmeisterschaft kann es entscheidend sein, wie viele Rennen ausgetragen werden: Kimi Antonelli hat derzeit 66 Punkte Vorsprung auf seinen Mercedes-Teamkollegen George Russell.

Wenn 25 oder gar 50 Zähler weniger zu vergeben wären, könnte das den Titelkampf beeinflussen und ist nicht bloß eine Kalendergeschichte. Der Krieg am Persischen Golf tangiert die Formel 1 weit stärker als andere Sportarten. Fast ein Drittel der weltweiten Gesamteinnahmen der Formel 1 kommen aus dem Nahen Osten. Zu den finanzstärksten Sponsoren der Serie zählen drei arabische Staatskonzerne, auch die Rennställe von McLaren, Audi und Aston Martin sind von ihren Anteilseignern aus der Region abhängig.

Jahrelang suchte die Serie ihre Zukunft nur dort, wo am meisten bezahlt wurde, nun zwingt sie diese Abhängigkeit in den Notfallmodus. Auch der Start in die nächste Saison ist in Gefahr, dann sollen Bahrain und Saudi-Arabien wieder ganz am Anfang stehen. Dauerhaft darf die Formel 1 ihre Verlässlichkeit nicht einbüßen. Das wäre zu teuer, der Imageverlust wäre zu groß.

Nicht alles kann mit Telefonaten zwischen Königshäusern gelöst werden. Der erst 20-jährige Kimi Antonelli schien unaufhaltsam zu seinem ersten WM-Titel zu fahren. Doch beim Großen Preis in Baku gewinnt sein Mercedes-Teamkollege George Russell – und beginnt mit Psychospielchen.

Rubbel die nächste Story frei

0% freigerubbelt · 100 Pkt.
Wir haben diese Nachrichten zusammengefasst, damit Sie sie schnell lesen können. Wenn Sie sich für die Nachrichten interessieren, können Sie den vollständigen Text hier lesen. Weiterlesen:

SZ_Sport /  🏆 108. in DE

 

Deutschland Neuesten Nachrichten, Deutschland Schlagzeilen

Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.

Charles Leclerc (Ferrari) vor Bahrain-GP Malaysia: «Dumm und respektlos» - Formel 1Charles Leclerc (Ferrari) vor Bahrain-GP Malaysia: «Dumm und respektlos» - Formel 1Die ganze Erfahrung von Charles Leclerc am Sepang International Circuit beschränkt sich auf ein freies Training, damals im Sauber. Aber das ist nicht das Hauptthema vor dem Bahrain-GP in Malaysia.
Weiterlesen »

Weltmeister Lando Norris (McLaren): «Bahrain-GP in Malaysia wird chaotisch» - Formel 1Weltmeister Lando Norris (McLaren): «Bahrain-GP in Malaysia wird chaotisch» - Formel 1Lando Norris, F1-Champion von 2025, ist besorgt, was Motorsport mit der neuen Rennwagen-Generation auf dem Sepang International Circuit angeht. «Ich fürchte, das wird so chaotisch wie in Monza.»
Weiterlesen »

Strafen für Bahrain-GP in Malaysia: Drei Fahrer betroffen, mehr in Sicht - Formel 1Strafen für Bahrain-GP in Malaysia: Drei Fahrer betroffen, mehr in Sicht - Formel 1Im letzten Drittel einer Saison sind unvermeidlich: Strafversetzungen. Wir sagen, welche drei Fahrer noch vor der ersten Sepang-Runde bereits betroffen sind. Und welche zwei GP-Stars bangen müssen.
Weiterlesen »

Formel 1: Großer Preis von Bahrain findet in Malaysia stattFormel 1: Großer Preis von Bahrain findet in Malaysia stattDer Große Preis von Bahrain wird 2026 in Malaysia ausgetragen. Der Sepang International Circuit ersetzt Bahrain wegen des Kriegs im Nahen Osten. Das 16. Saisonrennen.
Weiterlesen »