Der Schriftsteller Maxim Biller sagt im Podcast von Paul Ronzheimer, Antisemitismus sei kein Ausrutscher der Linken, sondern von Anfang an in ihr angelegt.
Der deutsche Schriftsteller Maxim Biller (66) hat in einem Podcast-Interview mit Paul Ronzheimer die These vertreten, dass Antisemitismus kein gelegentlicher Ausrutscher der politischen Linken sei, sondern von Beginn an in ihr verankert sei. In dem Gespräch, das im Rahmen des ersten großen Interviews nach Erscheinen seines Romans Schwarze Samstage geführt wurde, verwies Biller auf die aktuellen Debatten um Antisemitismus in der Berlin er Linkspartei. Biller betonte, dass linke Ideologie und Judenfeindlichkeit aus seiner Sicht untrennbar zusammenhängen.
Biller verweist auf Karl Marx und die Linke
Zur Untermauerung seiner These nannte Biller die Schriften von Karl Marx (1818–1883), dem einflussreichen Kapitalismuskritiker und Vordenker des Kommunismus, der bis heute von Linken weltweit verehrt werde. Marx habe behauptet, Geld, dubiose Geschäfte und Eigennutz seien der Wesenskern des Judentums. Damit habe er typische antisemitische Stereotype verbreitet. Biller bezeichnete Marx in diesem Zusammenhang als Dummkopf und führte aus, dieser habe Juden als typische Repräsentanten des Kapitalismus betrachtet.
Im Podcast sagte Biller, Antisemitismus und Kommunismus, Linkssein – das seien einfach siamesische Zwillinge, die bei der Geburt nicht getrennt wurden. Das sei da eingebaut. Der in Berlin lebende Autor sieht darin eine grundsätzliche Verbindung, die sich durch die Geschichte der Linken ziehe.
Kritik an Koalitionsplänen und Berliner Prognose
Biller äußerte sich auch besorgt über mögliche Koalitionen in Berlin. Er fragte, ob die Grünen und die Sozialdemokraten in der Stadt so schwach sein werden, mit einer Partei zu koalieren, in der so vieles nicht sauber sei, auch im Verhältnis zu Juden. Er betonte, er sage nicht machtgierig, sondern nur schwach.
Für die Zukunft Berlins prophezeite Biller düstere Aussichten: Nur noch die Hälfte der Schwimmbäder werde funktionieren. Und in fünf Jahren, so seine Prognose, werde die AfD einen Bürgermeister stellen. Das werde passieren, sagte er.
Der Autor ging auch auf eine von ihm wahrgenommene Täter-Opfer-Umkehr infolge des Hamas-Angriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 ein. Bei dem Angriff wurden fast 1200 Menschen getötet, es kam zu bestialischen Morden, Vergewaltigungen und Misshandlungen von Israelis durch Palästinenser.
Täter-Opfer-Umkehr und Genozid-Vorwurf
Als Beispiel für diese Umkehr zitierte Biller aus einem Buch der Schriftstellerin Carolin Emcke (59), die 2016 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde. Emcke schrieb, dass sie beim Blick auf die Latschen eines aus israelischer Haft entlassenen Palästinensers an eine Zeile von Primo Levi über die Schuhe in Auschwitz 1944 denke. Wenige Sätze später habe sie relativiert, dass sie das Leid von Palästinensern und Auschwitz-Opfern nicht vergleichen wolle. Biller kommentierte dies mit den Worten: Was zum Teufel? Du hast doch gerade gesagt, dass du es vergleichst. Was ist denn das für ein Taschenspieler-Trick? Das ist nicht ehrlich.
Er fügte hinzu, auch diese Autorin behaupte, die Palästinenser bekämen nicht genug Mitgefühl. Ihn erinnere das daran, wie im Sozialismus immer behauptet worden sei, die sozialistischen Staaten seien demokratisch und der Kapitalismus faschistisch.
Biller betrachtet in diesem Zusammenhang auch die Debatte über den Genozid-Vorwurf gegen Israel. Es gehe darum, den Juden noch mehr Schmerz hinzuzufügen, indem man sage: Am 7. Oktober habe nicht die Gegenseite einen Genozid an euch versucht, sondern ihr selbst. Biller hält solche Anschuldigungen für mittelalterliche Ritualmord-Lügen.
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