Der MG4 Urban überzeugt mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis, viel Platz und einfacher Bedienung. Als elektrische Familienkutsche bietet er solide Reichweite und Komfort. Doch bei der Ladeleistung ist er deutlich schwächer als die Konkurrenz. Ein ausführlicher Test.
MG stand früher für Autos aus England, doch heute rollen unter dem Namen chinesische Importwagen nach Europa. Die Marke festigt ihren Ruf als stiller Star unter den China-Importeuren.
Statt mit überbordender Leistung, futuristischer Raumschiffoptik oder wegweisenden Technologien fürs nahezu autonome Fahren überzeugt MG mit knallhart kalkulierten Preisen. So wächst MG zunehmend in die Rolle hinein, die früher in Deutschland Volkswagen innehatte. Während uns VW gerade den ID. Polo für 24.995 Euro aufwärts als neuen Volks-Wagen anbieten, schickt MG für ziemlich genau das gleiche Geld den MG4 Urban ins Rennen.
Der kostet mindestens eine Klasse darüber, hat den größeren Akku und zur Markteinführung sogar noch 6.000 Euro Rabatt. Am Ende stehen 18.990 Euro auf der Rechnung, was den kompakten Fünftürer zu einem der günstigsten E-Autos auf dem Markt macht. Ein unauffälliges Steilheck und ein eher sachlicher Ansatz zeichnen den MG4 Urban aus. Der MG4 Urban wächst im Vergleich zum bisherigen MG4 um zwölf Zentimeter auf eine Länge von 4,40 Metern.
Auf den ersten Blick sieht man dem Wagen den Sparkurs nicht an. Der Innenraum zeigt sich eher schlicht und funktional. Die Materialauswahl ist im direkten Blick- und Grifffeld überraschend hochwertig, verliert erst in weniger präsenten Bereichen an Glanz und Fingerfreundlichkeit. Die Ausstattung lässt nichts zu wünschen übrig: Rückfahrkamera, Vehicle-to-Load-Funktion, Navigationssystem und alle Assistenten sind serienmäßig an Bord.
Der Radstand von 2,75 Metern ermöglicht auch auf der Rückbank genug Platz für zwei Erwachsene. Bei der Bedienung geht MG einen anderen Weg als die meisten Marken aus China. Statt alles digital zu erledigen, gibt es am Lenkrad und auf dem Mitteltunnel noch viele Schalter und Taster. Animierte Instrumente und der Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts fehlen aber nicht.
Mit einer Akkuladung kommt der MG im Normzyklus 325 oder 416 Kilometer weit. Das Laden geht anderen Marken aber schneller. Solche Tasten finden sich an vielen Stellen, sodass sich Digital Natives genauso zurechtfinden wie Menschen, die noch mit Tastentelefonen aufgewachsen sind. Der MG4 Urban bietet reichlich Platz auf allen Sitzen.
Bei einem Radstand von 2,75 Metern reicht die Rückbank auch auf langen Strecken für zwei Erwachsene. Der Kofferraum fasst üppige 470 Liter, hinzu kommen 98 Liter unter dem Zwischenboden. Was nicht hineinpasst, verschwindet in rund 30 Ablagen im Innenraum. Der MG4 Urban ist eine kreuzbrave Familienkutsche, die komfortabel abgestimmt ist - mit genug Komfort für die Altstadtgasse und genug Tempo für die mittlere Spur der Autobahn.
Nur den Frunk, also den Kofferraum im Bug, haben die Chinesen irgendwie vergessen - und mit ihm den besten Platz fürs Ladekabel. Der MG4 Urban nutzt eine neue Plattform, die noch in diesem Jahr mit der ersten Feststoffbatterie (Solid State) bestückt werden soll. Bis dahin gibt es zwei konventionelle Antriebsvarianten mit einem E-Motor von wahlweise 110 kW/149 PS oder 118 kW/160 PS an der Vorderachse und Akkus von 43 kWh oder 54 kWh.
Damit kommt der Wagen im Normzyklus 325 oder 416 Kilometer weit. Spätestens dann verliert er viel von seinem Glanz, denn mit Spitzenleistungen von 82 oder 87 kW (Gleichstrom) gehört er zu den lahmsten Ladern in dieser Klasse. Die runde halbe Stunde für den Sprung von 10 auf 80 Prozent ist schon lang, bei den kleinen Akkus aber fast eine Frechheit. Irgendwo muss der Kampfpreis ja herkommen.
Solange der MG fährt, gibt es dagegen wenig auszusetzen. Der Wagen ist kein Energiebündel und kein Wirbelwind. Bei bestenfalls 9,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und maximal 160 km/h Spitze ist das auch nicht zu erwarten. Aber er ist eine praktische Familienkutsche, die komfortabel abgestimmt ist und gutmütig durch schlechte Altstadtgassen rumpelt wie über die Autobahn surrt.
Die Assistenten sind nicht nervös und können auf Wunsch alle auf einmal abgeschaltet werden. Der MG4 Urban ist weder das billigste Elektroauto am Markt noch das beste, nicht einmal in seiner Klasse. Doch er ist ein im besten Sinn vernünftiges Angebot - mit schnörkellosem Design, einfacher Bedienung, solidem Fahrverhalten und hinlänglicher Reichweite. Einzig die Ladeleistung ist unterirdisch und ein echter Schwachpunkt.
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