Mika Baur feiert sein Debüt in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Der 22-Jährige von Celtic Glasgow wurde von Jürgen Klopp überraschend nominiert und überzeugte.
Mika Baur hat am Donnerstagabend sein Debüt in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gefeiert. Der 22-jährige Mittelfeldspieler von Celtic Glasgow wurde von Bundestrainer Jürgen Klopp überraschend nominiert und kam beim Spiel gegen Serbien zum Einsatz. Baur, der aus Baden-Württemberg stammt und zuvor in der Dritten Liga spielte, überzeugte mit mehreren Balleroberungen und fügte sich nahtlos in die deutsche Elf ein.
Vom Drittligaspieler zum Nationalspieler
Mika Baur ist eher klein, recht schmächtig, nicht außergewöhnlich schnell, dafür ein feiner Techniker mit einer ausgeprägten Spielintelligenz. Auf den ersten Blick ist er ein Fußballer, wie es sie oft im Profibereich gibt. Dass ihn damals in Frankfurt am Main niemand so wirklich auf dem Zettel hatte, als Jürgen Klopp seinen ersten Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verkündete, ist daher nicht besonders verwunderlich. Bis zu Klopps Anruf sei auch für Baur selbst die Nationalmannschaft sehr weit weg gewesen. Er sagte, dass sich das immer noch unrealistisch anfühle.
Immerhin spielte der 22-Jährige die meiste Zeit seiner bisherigen Karriere in der Dritten Liga, war bis zum Sommer des letzten Jahres noch ausgeliehen an Dynamo Dresden. Umso erstaunlicher ist es, dass der aus Baden-Württemberg stammende Mittelfeldspieler am Donnerstagabend sein Debüt gab. Denn die Geschichte Baurs war lange die eines talentierten Fußballers, der sich in letzter Konsequenz nie so richtig durchsetzen konnte – zumindest nicht auf allerhöchstem Niveau. Über die Jugendabteilung des VfB Stuttgart verlief der Weg zunächst zum Nachwuchs des SC Freiburg.
Entwicklung in Paderborn und Wechsel nach Glasgow
In der Saison 2023/24 stand Baur mehrmals im Kader des damaligen Cheftrainers der A-Mannschaft Christian Streich. Er debütierte aber weder im DFB-Pokal noch in der Europa League oder Bundesliga. Als er sich vor rund zwei Jahren dem Zweitligisten SC Paderborn anschloss, sammelte er zumindest ein wenig Spielzeit. Sein erster kleiner Durchbruch gelang ihm allerdings erst im vergangenen Sommer, als er aus Dresden zurückkehrte, sich unter dem neuen Paderborn-Trainer Ralf Kettemann in die Stammelf spielte und sich zu einem wichtigen Leistungsträger entwickelte. In der jüngsten Aufstiegssaison gelangen ihm vier Tore und acht direkte Vorlagen in 33 Spielen.
Endlich erste Liga für Baur, hätte man denken können. Doch weil der schottische Meister Celtic Glasgow mit der Aussicht auf die Champions League warb, kehrte Baur der Bundesliga den Rücken. Für ihn sei im Sommer der Sprung zu Glasgow eine wichtige Etappe gewesen, aber dass dieser auch zum Schritt ins Nationalteam führen kann, damit habe er nicht gerechnet. Als Celtic die Verpflichtung im August bekanntgab, wurde der Transfer von den Fans und der schottischen Presse gefeiert. Er füge technische Klasse, Dynamik und Vielseitigkeit zum Spiel der Schotten hinzu und sei das verbindende Element zwischen Mittelfeld und Angriff, lautete der Tenor.
Klopps Vertrauen und Baurs Stärken
Jürgen Klopp dürfte derweil auch überzeugt haben, dass sich Baur trotz seiner Statur in der Scottish Premiership behauptete und sich schnell einen Stammplatz im neuen Team erspielte. Klopp sagte, dass das mag nicht die beste Liga der Welt sein, aber draufhauen tun die, und ergänzte anerkennend, dass er sich echt eine Liga ausgesucht habe, um den nächsten Schritt zu machen. Baur überzeugte einerseits, weil er mutig mit Ball agiert und eine konstant hohe Passquote hat, und andererseits, weil er stark im Gegenpressing ist. Nach seiner Einwechslung gegen Serbien fügte er sich nahtlos in den überzeugenden Auftritt der deutschen Elf ein und verzeichnete direkt mehrere Balleroberungen.
Klopp lobte Baur überschwänglich: Mika Baur sei einer dieser wundervollen Spieler, die jetzt dabei seien. Er sei sich nicht sicher, ob er Sechser, Achter oder Zehner sei, aber er sei einfach ein wahnsinnig schlauer Spieler, technisch unglaublich gut, habe eine fantastische Einstellung und sich das heute einfach verdient, fertig. Baur bekam von Jürgen Klopp noch ein paar ermutigende Worte vor seinem Debüt gesagt. Welche genau, wollte der 22-Jährige nicht verraten.
Vergleich mit Vitinha und familiärer Hintergrund
Der Bundestrainer ging sogar so weit, Baur mit Mittelfeldstar Vitinha von Paris Saint-Germain zu vergleichen. Klopp sagte, dass es bei einem mehrmaligen Champions-League-Sieger einen Spieler gibt, an den er mich ständig erinnert. Nicht nur optisch, sondern auch von der ganzen Veranlagung. Er spielte damit auf den portugiesischen Nationalspieler an. Darauf, dass Mika Baur mal solch ein Fußballmärchen erleben würde, deutete anfangs also nur wenig hin. Nicht zuletzt, weil sein Vater Michael Baur heißt und als Europa- und Weltmeister einer der erfolgreichsten deutschen Handball-Nationalspieler war.
Baur sagte in seinen ersten Tagen beim DFB, dass er mit Handball relativ früh aufgehört habe, das habe sich schnell in die Fußballrichtung gezogen, wobei er auch lange Tennis gespielt habe. Er sei dann beim Fußball hängengeblieben, habe ihm am meisten Spaß gemacht. Lieber einen Ball am Fuß als in der Hand. Rückblickend war diese Entscheidung wohl goldrichtig, denn sie bescherte ihm nun das Debüt bei der Nationalmannschaft. Er beschrieb es als ein unbeschreibliches Gefühl, von dem man hofft, dass das nie weggeht. Nach den jüngsten Eindrücken bekommt man das Gefühl, dass Baur eines der neuen Gesichter sein könnte, die zumindest beim DFB nicht weggehen, sondern bleiben.
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