In Deutschland sind ca. zwei Millionen Kinder übergewichtig - und 800 000 leiden an Adipositas. Zwei GLP‑1‑Medikamente, semaglutid und liraglutid, sind bereits für Jugendliche zugelassen und können in spezialisierten Zentren als Ergänzung zu Lebensstil‑Interventionen eingesetzt werden. Die Kosten liegen meist bei den Familien, die Wissenschaftler fordern langzeitstudien, um die Risiken bei jungen Patienten zu erfassen.
Etwa zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind übergewichtig, von ihnen haben rund 800.000 die chronische Krankheit Adipositas. Für die junge Patienten kann die Therapie mit neuen Medikamenten eine sinnvolle Option darstellen.
GLP-1-Medikamente und neue Leitlinien
Vor allem zwei GLP‑1‑Medikamente - Semaglutid und Liraglutid - sind bereits dazu zugelassen, wenn die jeweiligen Mindestaltergrenzen von zwölf und sechs Jahren erreicht sind. Die neue Abnehmtablette ist derzeit außerhalb dieses Alters noch nicht zugelassen. Kinder- und Jugendmedizinerinnen betonen, dass eine medikamentöse Therapie ausschließlich als Ergänzung zu einer strikt zugeschnittenen Lebensstil‑Intervention gedacht ist. Nur unter den Voraussetzungen einer speziellen Zentrenbehandlung und klar definierten Kriterien sollte die Therapie bei Kindern mit extremer Adipositas in Erwägung gezogen werden.
Eine neue Leitlinie der Fachgesellschaften regelt jetzt die Indikationsstellung genau. Die Daten der KiGGS‑Studie zeigen, dass 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig sind und 6 Prozent Adipositas. Dies entspricht knapp zwei Millionen übergewichtigen, davon 800.000 mit Adipositas und 200.000 mit extremer Adipositas. Zwischen 2015 und 2017 konnten in den Studien keine generellen Trends beobachtet werden, spätere Untersuchungen während der Corona‑Pandemie deuten jedoch auf einen Anstieg hin.
Gegenwärtig sei ein Stabilisieren auf hohem Niveau zu beobachten, wie die Expertin Weihrauch‑Blüher betont. Die Wirkstoffe semaglutid und liraglutid gehören zur Klasse der GLP‑1‑Rezeptor‑Agonisten. Sie vermitteln dem Gehirn das Signal, dass bereits gegessen wurde, wodurch ein ausgeprägtes Sättigungsgefühl entsteht. Zusätzlich verlängert die Medikamente die Magenverweilzeit, was die Appetitdepression verstärkt und die tägliche Kalorienaufnahme reduziert.
Nebenwirkungen und Kosten der Abnehmmittel
Nebenwirkungen ähneln denen bei Erwachsenen: Magen‑Darm‑Beschwerden, Übelkeit, Völlegefühl, Appetitlosigkeit und Durchfall. Langfristige Risiken sind jedoch bei Kindern noch nicht abschließend erforscht, da die Medikamente erst seit etwa zwei Jahrzehnten im Einsatz sind und bislang nur zum Diabetes Typ 2 verwendet wurden. Die Kosten für die Medikamente liegen in Deutschland in der Regel im Verantwortungsbereich der Familien, da sich die Abnehmmittel als Lifestyle‑Arzneimittel einstufen und höchstens von den Krankenkassen übernommen werden, wenn spezifizierte Leitlinien verletzt werden.
Im Gegensatz dazu zahlen die Krankenkassen Semaglutid für Menschen mit Typ‑2‑Diabetes unter dem Markennamen Ozempic. Die Deutsche Adipositas‑Gesellschaft öffnet zwar eine Kostenübernahme für Jugendliche mit extremer Adipositas, wenn alternative Therapien versagen und eine Gewichtszunahme droht, doch konkrete Regelungen fehlen. In der Praxis sehen die Fachärzte die Notwendigkeit, Kinder frühzeitig in Studien einzubinden und langzeitbetreut zu betreuen, um Erkenntnisse über potenzielle Risiken zu gewinnen.
Die Kritik an der mangelnden Politikunterstützung, beispielsweise durch die nicht umgesetzt gebliebene Zuckersteuer, verdeutlicht, dass ein vereinigter gesellschaftlicher Ansatz mehr als Einzeltherapie erfordert. In regelmäßigen U‑Untersuchungen erkennen Kinderarztpraxen Übergewicht frühzeitig, doch das Umfeld spielt einer entscheidenden Rolle: Ein von Eltern als gesünder beschriebenes Umfeld kann bei Kindern schwierig zu realisieren sein. Die Debatte um die Zulassung von Medikamenten gegen Adipositas bei Minderjährigen ist noch nicht abgeschlossen.
Leitlinien und Versorgungslücke bei Kindern
Die Leitlinien betonen, dass die Behandlung nur im Rahmen einer sorgfältigen Diagnostik und in spezialisierten Zentren erfolgen darf, um eine optimal mögliche Begleitbehandlung sicherzustellen. Für die Zukunft steht nun vor allem die Frage im Raum, ob es eine ausreichende Versorgungslücke für Kinder mit extrem hohem Adipositas‑Risiko gibt und welche Rolle die Politik in der Weiterentwicklung von Verordnungen einnehmen wird.
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