Im August war ein Baby infolge einer Infektion mit einem Darmbakterium verstorben. Nun gibt es neue Erkenntnisse zum Infektionsgeschehen.
Im August war ein Baby infolge einer Infektion mit einem Darmbakterium verstorben. Auch bei anderen Kindern war der Erreger nachgewiesen worden. Nun gibt es neue Erkenntnisse zum Infektion sgeschehen.
Paderborn. Sechs Wochen, nachdem ein Frühchen infolge einer Infektion verstorben ist, hat die neonatologische Kinderintensivstation der St.-Louise-Klinik ihren regulären Betrieb wieder aufgenommen. Sie stehe „wieder vollumfänglich für die spezialisierte Versorgung von Früh- und Neugeborenen aus der Region zur Verfügung“, teilten die St.-Vincenz-Kliniken am Donnerstagnachmittag mit. Wie mehrfach berichtet, war bei mehreren Kindern ein Darmbakterium nachgewiesen worden.
Eines der Babys starb, ein weiteres befand sich zwischenzeitlich in einem kritischen Zustand. Die St.-Louise-Klinik reagierte auf die Fälle mit einem Aufnahmestopp in der Kinderintensivstation. Weitere Schutzmaßnahmen folgten, ebenso wie krankenhaushygienische Untersuchungen, die Aufschluss über die Übertragungswege geben sollen. Nun liegen die Ergebnisse vor.
Ursprünglich sei „aus vorsorgendem Patientenschutz“ davon ausgegangen worden, dass bei den nachgewiesenen Fällen ein einheitlicher Sequenztyp des Bakteriums Enterobacter hormaechei vorliege, heißt es seitens des Klinikverbunds. Dem sei aber nicht so. Demnach widerlegen die laboranalytischen Auswertungen die Vermutung eines zusammenhängenden Infektionsgeschehens „vollumfänglich“. Zwischenzeitlich galt für die Kinderintensivstation ein Aufnahmestopp.
| © Niklas Tüns Bei dem verstorbenen Baby sei zwar genanntes Bakterium festgestellt worden. Das zweite Kind, das in einem anderen Zimmer lag, habe sich jedoch mit einer anderen Spezies infiziert: Enterobacter cloacae. Dieser Stamm zeige keine genetischen Gemeinsamkeiten mit dem Enterobacter hormaechei. Das Kind sei wieder vollständig genesen und wurde zwischenzeitlich entlassen.
Nachdem die St.-Vincenz-Kliniken anfangs von insgesamt vier Babys sprachen, bei denen ein Enterobacter-Darmbakterium festgestellt wurde, wird nun die Zahl von sechs Kindern genannt.
„Die beiden im weiteren Verlauf hinzugekommenen Befunde waren jedoch reine Labor-Nachweise ohne jede klinische Erkrankung. Da sich hierdurch weder die medizinische sowie hygienische Lagebewertung noch die Schutzmaßnahmen verändert haben, bestand kein Anlass für eine gesonderte Zwischenmeldung“, erklärt die Pressestelle auf NW-Nachfrage. Bei den vier nicht erkrankten Kindern, die zwischenzeitlich „bei guter Gesundheit“ verlegt worden seien, sei der Stamm Enterobacter hormaechei im Rachen nachgewiesen worden.
Keiner dieser Bakterien sei jedoch bei den mehreren Hundert fortlaufend entnommenen Proben von Oberflächen oder Geräten auf der Station aufgetaucht. Die St.-Vincenz-Kliniken wollen die Situation auf der Kinderintensivstation weiterhin beobachten. | © Niklas Tüns Die Suche nach der Infektionsquelle führte zu zwei Waschbecken. In deren Abwasser sei Enterobacter hormaechei nachgewiesen worden.
„In Übereinstimmung mit der Literatur gehen wir davon aus, dass es sich hierbei um eine potenzielle, jedoch durch genetische Untersuchung nicht abgesicherte Quelle handeln könnte“, teilen die St.-Vincenz-Kliniken mit. Dies habe dennoch dazu geführt, dass man das bisher angewandte Desinfektionsverfahren auf ein auf Sauerstoffbasis-Verfahren umgestellt habe. Die Kinder der betroffenen Station würden auch weiterhin fortlaufend untersucht, um die Situation zu beobachten.
„Nachdem alle Zimmer außerdem schlussdesinfiziert wurden und es keine Hinweise über ein fortbestehendes Vorkommen von Enterobacter hormaechei gibt, konnte in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Aufnahmestopp wieder aufgehoben werden“, heißt es seitens der St.-Vincenz-Kliniken. In der Pressemitteilung betonen die Vincenz-Geschäftsführer Markus Funk und Schwester Bernadette M. Putz: „Bei aller medizinischen und wissenschaftlichen Einordnung dürfen wir dennoch die menschliche Seite dieser Situation nicht vergessen. Einem Kind konnten wir trotz intensiver medizinischer Behandlung nicht mehr helfen.
Dieser Verlust ist für uns alle tragisch. Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl sind bei der betroffenen Familie.
“ In die Untersuchungen der vergangenen Wochen war das Paderborner Gesundheitsamt eingebunden. Am 22. August, dem Tag nach dem Aufnahmestopp, wurde zudem das NRW-Gesundheitsministerium informiert. Dies geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion hervor.
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