Der Bundestag diskutiert über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – um 23.32 Uhr. Abgeordnete mit kleinen Kindern erkennen darin eine „gewisse Satirequalität“.
. Da ist schon manches vorangegangen, zumindest in eigener Sache. In Sitzungswochen bleibt die hauseigene Kindertagesstätte eine halbe Stunde länger offen als sonst, also bis 18.30 Uhr. Und im Reichstagsgebäude, ganz in der Nähe des Plenarsaals, hat die Bundestagsverwaltung ein"Spiel-, Still- und Wickelzimmer" eingerichtet, in dem, wie diese Verwaltung mitteilt, Kinder betreut werden"können".
Aber blenden wir doch mal hinein in die gesellschaftspolitischen Realitäten des Jahres 2022. Es läuft die 73. Sitzung der 20. Wahlperiode, und zwar schon seit über 14 Stunden, als Bundestagsvizepräsidentin Aydan Özoğuz mit den Worten"Hiermit melde ich mich zur Nachtschicht" die Sitzungsleitung übernimmt.
In den Augen von Stahrs Parteifreund Anton Hofreiter überwiegt dagegen eine"gewisse Satirequalität". Hofreiter gehört zu den Pionieren der selbstorganisierten Kinderbetreuung im Bundestag. Auch in der zurückliegenden Sitzungswoche war er wieder mit Tiger-Rucksack und Kinderwagen im Reichstagsgebäude unterwegs. Er steuert damit routiniert Fraktionssitzungen und Landesgruppentreffen an, aber an der Schwelle zum Plenarsaal ist Schluss.
Die Berufspolitik ist ein hartes Geschäft, wer hier vorankommen will, muss nicht nur bereit sein, die Kinder zu vernachlässigen, sondern auch den eigenen Körper auszubeuten. Nachdem Ende 2019 im Plenarsaal zwei Abgeordnete mit Schwächeanfällen umgekippt waren, hatten sich die Fraktionen eigentlich darauf verständigt, auf derartige Nachtsitzungen zu verzichten.
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