Nations League: Israel gegen Irland politisch aufgeladen

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Nations League: Israel gegen Irland politisch aufgeladen
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Israel trifft in der Nations League auf Irland. Das Spiel in Serbien ist von politischen Debatten überschattet, während Kosovo für Ruhe sorgte.

Am Donnerstagabend kehrte in Debrecen kurz Normalität ein, als die Spieler von Kosovo und Israel vor dem Anpfiff die Hände schüttelten und die Kapitäne Wimpel tauschten. Doch dieses Länderspiel blieb die Ausnahme in einer Woche, die von politischen Spannungen geprägt war. Am kommenden Sonntag (20.45 Uhr, Dazn) bestreitet Israel sein drittes Spiel innerhalb von acht Tagen in der Nations League, und gleich sein zweites gegen die Republik Irland.

Politische Debatten überschatten Fußball

Rund um die Duelle zwischen Israel und Irland ging es um vieles, aber nur selten um Fußball. Vom Kneipentisch bis in die höchsten Etagen der Verbands- und Regierungsgebäude wurde stattdessen über Politik, Krieg, den Begriff Genozid und Hass diskutiert. Im Mittelpunkt stand die moralische Verantwortung des internationalen Sports.

Der irische Fußballverband hatte sich im vergangenen Jahr für den Ausschluss Israels aus dem Spielbetrieb der Uefa eingesetzt. Entsprechend groß war der Aufruhr, als beide Länder in der Nations League in dieselbe Gruppe gelost wurden. Schon seit Monaten ruft die irische Kampagne Stop the Game, die von bekannten Politikern, Musikern und Sportlern unterstützt wird, zum Boykott auf.

Bei einer Debatte im Juni stimmten die Abgeordneten im nationalen Parlament Dáil Éireann mehrheitlich gegen eine Austragung der Spiele. Bis zur letzten Minute war nicht klar, ob die Iren beim Hinspiel am vergangenen Sonntag überhaupt antreten würden. Ein Spieler zog sich mit Verweis auf den Mord an unschuldigen Menschen aus dem Kader zurück, die restlichen Spieler trugen schwarze Armbinden. Am Ende war dies ein Kompromiss, der keinem recht war.

Während der israelische Kapitän den Iren Hass vorwarf, waren viele in Irland entsetzt, dass das Spiel überhaupt stattfand. Die Debatte schaffte es sogar bis nach Berlin. Am Montag entschuldigte sich der beliebte Irish Pub The Lir in Tiergarten in einem später gelöschten Beitrag dafür, das Spiel live übertragen zu haben. Wie immer bei diesem Thema gingen die Empfindlichkeiten weit über das Bilaterale hinaus.

Kosovo: Ruhe mit politischem Hintergrund

Umso bemerkenswerter war die relative Ruhe rund um das Spiel in Kosovo Mitte der Woche. Laut Journalisten in Pristina gab es im Vorfeld so gut wie keine Diskussionen über einen Boykott, im Mittelpunkt stand dieses Mal der Sport. Doch auch das war wohl ein Zeichen mit politischem Hintergrund.

Denn wie der Balkanexperte Konrad Clewing erklärt, pflegt das mehrheitlich muslimische Land überraschend gute Beziehungen zu Israel. Diese seien eine Unterfunktion seines Verhältnisses zu den USA, die als Retter im Krieg der 1990er-Jahre und seit 2008 als wichtiger Garant der kosovarischen Unabhängigkeit gelten. Die kosovarische Politik ist sehr stark auf die USA ausgerichtet, noch mehr in mancher Hinsicht als auf Europa, sagt der Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung.

Kosovo unterhalte als einziges Land mit muslimischer Mehrheit eine Botschaft in Jerusalem, habe sich wie Albanien dem Friedensrat von Donald Trump angeschlossen und sich sogar bereit erklärt, eigene Truppen nach Gaza zu schicken. Zwar herrsche in der breiteren Bevölkerung eine größere Sympathie gegenüber den Palästinensern, auch aufgrund der Vergleiche zur eigenen Geschichte. Die Erfahrung kollektiver Gewalt und eigener Hilflosigkeit dagegen verbindet viele in einem Mitleid mit der Bevölkerung in Gaza, sagt Clewing.

Trotzdem gebe es kaum Proteste oder politischen Druck gegen die pro-israelische Linie der Regierung. Das ist nicht untypisch, dass es um diese Frage in Kosovo weniger Diskussionen gibt, sagt der Wissenschaftler. Der Aktivismus sei dort weniger ausgeprägt als in Irland oder Deutschland. Und aktuell sei das Land ohnehin nur mit einem Thema beschäftigt: der Verurteilung des ehemaligen Präsidenten Hashim Thaçi und dreier Mitangeklagter zu 25 Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen im Jahr 1998/99 durch ein Sondertribunal in Den Haag.

Rückspiel in Serbien angesetzt

Für den europäischen Fußball lieferte das Spiel am Donnerstag damit eine kurze Verschnaufpause, ehe es am Sonntag zwischen Israel und Irland weitergeht. Am Mittwoch bestätigte Irlands Trainer Heimir Hallgrimsson, dass seine Spieler auch im Rückspiel antreten würden. Auf Wunsch des irischen Verbands wird das Spiel allerdings nicht in Dublin ausgetragen, sondern – ausgerechnet – in Serbien.

Die Entscheidung, das Rückspiel in Serbien auszutragen, unterstreicht die anhaltenden Spannungen und die Schwierigkeit, eine neutrale und sichere Umgebung für dieses politisch aufgeladene Duell zu finden. Die Nations League wird somit erneut zum Schauplatz geopolitischer Auseinandersetzungen, die weit über den Sport hinausreichen.

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