Netanjahu selbstkritisches Selbstbild: Fortschritt, aber stärkere Kriegsteilnehmer?

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Netanjahu selbstkritisches Selbstbild: Fortschritt, aber stärkere Kriegsteilnehmer?
Israel, Netanjahu, Iran

Drei Jahre nach dem 7. Oktober 2023 analysiert der Berliner Recherchist die Siegesserien Israels, die Auswirkungen auf die Abraham‑Abkommen, die amerikanische Nachfrage und die Erschwerte Bewertung der Fronten."

Wenn es nach Benjamin Netanjahu geht, ist die Bilanz drei Jahre nach dem 7. Oktober 2023 eindeutig: Israel wurde gedemütigt, schlug danach aber zurück - und ist heute stärker und sicherer.

Militärische Erfolge und Irans ungeklärte Bilanz

Seine Geschichte beginnt mit dem schlimmsten Terrorangriff in Israels Geschichte und endet mit einer Serie militärischer Erfolge: Die Hamas in Gaza wurde schwer getroffen. Die Hisbollah verlor große Teile ihrer Führung. Und schließlich traf es auch den Iran: Erst wurde sein Atomprogramm ausgeschaltet, dann im Februar 2026 nahezu die gesamte Staatsspitze. Und gerade beim Iran ist die Bilanz alles andere als klar: Das alte Regime wurde enthauptet, aber die Revolutionsgarden haben ihre Macht ausgebaut.

Der Iran verfügt weiterhin über große Mengen hoch angereicherten Urans und kontrolliert mit der Straße von Hormus neuerdings einen neuralgischen Punkt der Weltwirtschaft. Noch schwerer wiegt jedoch, was außerhalb der verschiedenen "Schlachtfelder" geschehen ist. Die Hoffnung der Abraham-Abkommen auf eine schrittweise Normalisierung ist in weite Ferne gerückt. Und im Westen ist die Unterstützung für den jüdischen Staat massiv eingebrochen.

Besonders dramatisch ist diese Entwicklung in den USA. Laut einer Gallup-Umfrage sympathisieren zum ersten Mal seit Jahrzehnten mehr Amerikaner mit den Palästinensern als mit Israel. Unter den 18- bis 34-Jährigen liegt das Verhältnis bei 53 zu 23 Prozent. Selbst unter Republikanern ist die Unterstützung für Israel schwächer geworden - und in Teilen der Maga-Bewegung verbinden sich mittlerweile offener Antisemitismus mit der Forderung nach einem Ende amerikanischer Hilfe.

Israels Sicherheit und amerikanische Unterstützung

Für Israel ist das nicht nur ein Imageproblem. So stark seine Streitkräfte auch sind: Israel bleibt ein kleines Land in einer überwiegend feindlichen Nachbarschaft. Seine wichtigste Rückversicherung sind die Vereinigten Staaten. Und diese Rückversicherung funktioniert auf Dauer nur, wenn sie auch gesellschaftlich getragen wird.

Netanjahu argumentiert, dass Israels Gegner heute schwächer sind. Aber strategische Sicherheit bemisst sich nicht nur daran, wie viele Feinde man schlagen kann. Sondern auch daran, wie viele Freunde man dabei verliert.

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