Eine Umfrage in Russland zeigt: Erstmals seit Februar 2022 wünschen sich mehr Russen Frieden als Krieg mit der Ukraine
Eine Umfrage in Russland zeigt: Erstmals seit Februar 2022 wünschen sich mehr Russen Frieden als Krieg mit der Ukraine. Doch unter welchen Bedingungen?der unabhängigen Forschungsgruppe Russian Field weist auf einen gewissen Sinneswandel hin: 48 Prozent der Befragten befürworten einen Übergang zu Friedensverhandlungen, während 39 Prozent der Befragten sich eine Fortsetzung der Kämpfe wünschen.
Der Rest hat sich enthalten. Der Anteil der Befürworter von Friedensverhandlungen hat zum ersten Mal in der gesamten Forschungsperiode von Russian Field zu diesem Thema – seit Februar 2022 – den Anteil derjenigen überstiegen, die eine Fortsetzung der „militärischen Sonderoperation“ begrüßen. Männer und Personen über 45 Jahre befürworten deutlich häufiger eine Fortsetzung des Krieges, Frauen und Personen unter 45 Jahren sprechen sich dagegen für Verhandlungen aus.Alle Befragten – sowohl die Befürworter von Verhandlungen als auch die Kriegsunterstützer – wurden zudem gefragt: Wie sollten die Friedensverhandlungen aussehen, damit Sie diese unterstützen? Diese Frage war offen, d. h. die Befragten konnten mehrere Antworten selbst angeben – wurden am häufigsten mit jeweils zehn Prozent die Rückkehr zum friedlichen Leben bzw. ein Ende des Blutvergießens sowie die Anerkennung der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk als Russlands Territorium genannt. Sieben Prozent der Befragten wollen darüber hinaus die Anerkennung der Gebiete Cherson und Saporischschja als Teil Russlands, sechs Prozent den „Anschluss“ bzw. die Annexion anderer Gebiete, ebenfalls sechs Prozent eine Kapitulation der. Weitere jeweils drei Prozent der Befragten befürworteten Frieden unter allen Bedingungen, eine Rückkehr zu den Grenzen von 1991 und den Abzug der Truppen aus der Ukraine.47 Prozent der Befragten sind jedoch der Auffassung, dass die Menschen in ihrem Umfeld die „Sonderoperation“ überwiegend unterstützen würden, während nur 33 Prozent die gegenteilige Meinung vertreten; 8 Prozent glauben, dass beide Positionen ungefähr gleich häufig vorkommen, der Rest konnte die Frage nicht beantworten. Von den meisten Gegnern der Kriegsführung sehen sich die Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahren umgeben. Frauen haben mehr Bekannte, die den Krieg nicht unterstützen als Männer .Russian Field nennt sich das erste Unternehmen in Russland, das Fundraising nutzt, um unabhängige soziologische Forschung durchzuführen. Man sei weder von der Politik noch von Großunternehmen noch von den ausländischen Fonds abhängig,. Die Umfrage wurde vom 21. bis 29. Oktober telefonisch durchgeführt. Daran nahmen 1611 Personen teil. Bei der Stichprobe handelte es sich um eine Quotenstichprobe, die nach Geschlecht und Alter repräsentativ war. Auf ein Ergebnis würden 4,34 Absagen entfallen, verweisen die Forscher. Das bedeutet: Lediglich bei knapp 18,7 Prozent der Anrufe wurde eine Antwort auf die Fragen registriert, in 74,3 Prozent der Fälle legten die Befragten den Hörer auf. Die Ergebnisse solcher Umfragen bieten eine Orientierungshilfe, müssen jedoch vorsichtig interpretiert werden. Der russische Politologe Abbas Galljamow, der sich in den Jahren von einem einstigen Redenschreiber für Putin zu einem seiner renommiertesten Kritiker entwickelte,darauf hin, dass dies im Krieg keine repräsentativen Ergebnisse einer Meinungsuntersuchung in der gesamten Bevölkerung seien. Es seien eher Resultate der Befragungen bei Gruppen, die im Kern loyal gegenüber Putin und seinem Kriegskurs sind, denn die anderen würden sich aus Angst vor Repressionen eher weigern, an Interviews teilzunehmen, oder die Meinungsforscher offen anlügen, merkte der Politologe an. Fast alle russischen Meinungsforscher hätten das inzwischen in persönlichen Gesprächen zugegeben, egal ob sie staatliche oder unabhängige Forschungsinstitute vertreten, erzählte Galljamow. Denn noch kurz vor dem Krieg hatten die meisten Russen in anderen Umfragen angegeben, Angst vor der Rückkehr der Massenrepression bzw. vor der Willkür der Behörden zu haben.
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