Beschäftigte in Nagelstudios sind nicht immer angestellt, sondern immer wieder von Ausbeutung betroffen. In ihrem Kampf gegen den Menschenhandel nimmt die Bundesregierung nun auch Kund:innen in den Fokus.
Beschäftigte in Nagelstudios sind nicht immer angestellt, sondern immer wieder von Ausbeutung betroffen. In ihrem Kampf gegen den Menschenhandel nimmt die Bundesregierung nun auch Kund:innen in den Fokus.
Der Zoll schätzt, dass wer sich regelmäßig die Nägel im Nagelstudio machen lässt, auch schon einmal einer ausgebeuteten Person gegenübersaß. Dies zeigt eindrücklich, wie verbreitet das Problem von Ausbeutung und Menschenhandel in Nagelstudios ist. Das sieht auch die Bundesregierung so: Deshalb hat das Kabinett am Mittwoch einen Gesetzesentwurf beschlossen, der die Strafvorschriften bei Menschenhandel verschärfen soll – und die Kund:innen in die Pflicht nimmt.
Wer weiß, dass der oder die Nageldesigner:in Opfer von Menschenhandel oder Ausbeutung ist, macht sich künftig strafbar. Ein Besuch im Nagelstudio und plötzlich bauen sich Beamt:innen vom Zoll mit Westen und Waffen um einen herum auf. Eine absurde Situation? Das Szenario ist gar nicht so selten, denn Nagelstudios rücken immer mehr in den Fokus der Finanzkontrolle Schwarzarbeit , denn nicht alle der Nageldesigner:innen sind dort wirklich angestellt.
Bisher waren die Behörden nur hinter den Menschenhändler:innen und Schleuser:innen her. Künftig soll aber auch die Kundschaft strafrechtlich belangt werden können. Das ist größtenteils neu.
"Bislang kennt das deutsche Strafrecht eine Nachfragestrafbarkeit in Bezug auf Menschenhandel nur, soweit es um die Inanspruchnahme von sexuellen Dienstleistungen geht", schreibt dieIn einem neuen Tatbestand sollen nach dem Willen der Regierung Kund:innen einer Dienstleistung strafbar machen können, sofern sie wissen, dass die Person ausgebeutet wird oder Opfer von Menschenhandel ist. Damit sind nicht nur Nagelstudios gemeint, sie werden vomDie Betroffenen sind hier oft Menschen aus Vietnam.
Manche Vietnames:innen arbeiten für wenig oder gar kein Geld in den Studios, haben keinen Aufenthaltstitel oder sind Opfer des Menschenhandels und haben ihren Pass an die Kriminellen abgeben müssen. Dabei findet natürlich nicht in jedem vietnamesischen Nagelstudio Ausbeutung statt. Die meisten Inhaber:innen würden Lohnnebenkosten abführen; aber eben nicht alle oder nicht für jede:n Mitarbeiter:in, berichtet die"Freibad-Verbot für Jugendliche?
Neue Regel könnte nach hinten los gehen Aber wie können Kund:innen erkennen, ob die Person, die ihnen die Nägel machen soll, betroffen ist? Ein Indiz dafür ist der Preis.
Dem Verband der Nageldesigner Deutschland zufolge liegt eine angemessene Preisspanne für eine Neumodellage bei 50 bis 65 Euro, die die Kosten für Mitarbeitende, Materialien, Versicherungen, Strom und Miete beinhaltet, berichtet der Wird Kund:innen ein extrem niedriges Preisangebot gemacht, kann dies ein erstes Indiz für Ausbeutung sein , sagt die Expertin für Menschenhandel Dr. Dorothea Czarnecki dem Sender. Weitere Hinweise könnten Czarnecki zufolge aber auch männlich-gelesene Nageldesigner sein, da die Branche in Vietnam als"Frauen-Job" gilt.
Auch versteckte Hinterräume und abgeschlossene Studios während der Behandlung sind auffällig. Noch ist das Gesetz nicht verabschiedet. Nachdem ein Gesetzesentwurf vom Kabinett beschlossen wurde, wird er erst an den Bundesrat und dann an den Bundestag übersandt.
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