Notfall-Vorbereitung: „Bei mir steht immer ein gepackter 80-Liter-Rucksack bereit“

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Notfall-Vorbereitung: „Bei mir steht immer ein gepackter 80-Liter-Rucksack bereit“
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Mit Sprengstoff bestückte Drohnen, Blackouts – die Bedrohung habe eine „neue Qualität“, sagt der Malteser-Präsident. Die Bürger müssten selbst vorbeugen, damit Deutschland krisenfest werde.

Martin Schelleis ist seit dem Sommer Präsident der katholischen Hilfsorganisation Malteser Hilfsdienst und blickt auf eine 46‑jährige Bundeswehrkarriere zurück. Als Generalleutnant derNur ein Viertel der Deutschen sorgt für den Katastrophenfall vor.

Dabei sollte jeder Einzelne darauf vorbereitet sein, dass die „Feuerwehr nachts um drei“ klingeln könnte, sagt Schelleis, der auch die Amtshilfeeinsätze der Bundeswehr in der Coronapandemie sowie bei der Flutkatastrophe 2021 verantwortete. Wie gut ist Deutschland auf den Ernstfall vorbereitet, und was muss noch geschehen? Die Bedrohung hat definitiv eine neue Qualität, auch wenn ich hoffe, dass wir uns nicht dauerhaft daran gewöhnen müssen.

Und ich halte es für problematisch, wenn Vorfälle wie der mit derkritische Infrastruktur auf beiden Seiten der Landesgrenze von Berlin und BrandenburgIn Fällen wie dem Blackout in Berlin kommt es auf den staatlichen Bevölkerungsschutz an. Doch nach einer Malteser-Umfrage halten ihn zwei Drittel der Deutschen für nicht ausreichend krisenfest. Wie alarmierend ist dieser Befund? Die Bürger sollen sich selbst helfen?

Sie sollten jedenfalls nicht allein auf die Rettungskräfte setzen. Beim Berliner Blackout hatten viele Menschen keine stromunabhängige Licht- oder Wärmequelle in ihrer Wohnung. Bei niedrigen Außentemperaturen waren sie deshalb sofort auf externe Hilfe angewiesen. Und ohne ein batteriebetriebenes oder mit Kurbel versehenes Radio wissen Sie im Zweifel nicht mal, was los ist.

Wenn die eigene Wohnung nicht mehr nutzbar ist, sollte man zudem wissen, zu welchen Freunden oder Verwandten man ausweichen kann. Der 1959 geborene Generalleutnant a. D. blickt auf eine 46-jährige Bundeswehrkarriere zurück. Er war Tornado-Pilot und Fluglehrer, kommandierte die Einsatzverbände der Luftwaffe und leitete von Oktober 2015 bis zu seiner Pensionierung im Mai 2024 als Inspekteur die Streitkräftebasis.

Als Nationaler Territorialer Befehlshaber verantwortete Schelleis auch die Amtshilfeeinsätze der Bundeswehr in der Coronapandemie und bei der Flutkatastrophe 2021. Seit August 2024 engagiert sich Schelleis als ehrenamtlicher Bundesbeauftragter für Krisenresilienz, Sicherheitspolitik und zivil-militärische Zusammenarbeit der Malteser. Im Juni 2026 wurde er zum Präsidenten der katholischen Hilfsorganisation mit ihren 41.000 hauptamtlichen und fast 60.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewählt. 2016 wurde der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière noch heftig kritisiert, als er den Bürgern riet, Vorräte anzulegen.

Sind wir bei der Eigenvorsorge inzwischen weiter? Thomas de Maizière hat damals einen schlimmen Shitstorm erlebt, ihm wurde Kriegstreiberei vorgeworfen. Heute ist die Bereitschaft der Bevölkerung aus meiner Sicht größer. Viele Menschen erwarten geradezu, dass der Staat sagt, was sie machen sollen.

Deshalb wären Informationskampagnen sinnvoll – etwa nach dem Vorbild der schwedischen Katastrophenschutzbroschüre, die regelmäßig an alle Haushalte verschickt wird. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz hat Checklisten auf seiner Internetseite. Sollte es auch Broschüren verschicken? Warum nicht?

Die Stadt Essen hat eine an die örtlichen Bedingungen angepasste Vorsorgebroschüre an alle rund 300.000 Haushalte verschickt und kein negatives Feedback erhalten. Das ist bemerkenswert. Auch kleinere Gemeinden haben ähnliche Initiativen gestartet. Wir haben Wasser und Konserven zu Hause, aber zum Glück auch einen Keller mit viel Platz.

Außerdem steht bei mir immer ein gepackter 80-Liter-Rucksack mit den wichtigsten Sachen bereit. Kleidung, Wasser, ein Handy, eine Powerbank, ein Kurbelradio und Lebensmittel für zwei Tage. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er benötigt, wenn die Feuerwehr nachts um drei Uhr klingelt. Wichtig ist nur, auf solche Fälle vorbereitet zu sein.

Einer Umfrage zufolge wissen 75 Prozent der Deutschen, dass sie selbst vorsorgen müssen. Nur etwa ein Viertel tut es tatsächlich. Ein weiteres Viertel sagt, sich irgendwann darum kümmern zu wollen. Und rund die Hälfte macht nichts.

Seit der verheerenden Ahrtal-Flut sind fünf Jahre vergangen. Haben wir aus den Fehlern von damals gelernt? Bei der baulichen Vorsorge wird aus meiner Sicht nicht konsequent genug gehandelt. Manche Menschen bauen erneut in unsicheren Zonen und argumentieren, dass sie kein anderes Grundstück hätten.

Das kann man tun, man darf sich dann aber nicht wundern, wenn man erneut betroffen ist. Beim konkreten Katastrophenmanagement hatDas stimmt. Während der Pandemie habe ich erlebt, dass manche Krisenstäbe nur auf dem Papier existierten und nie eingeübt worden waren. Die Malteser stützen sich auf rund 60.000 ehrenamtliche Helfer.

Macht sich der Staat hier nicht einen schlanken Fuß, weil er so hoheitliche Aufgaben abtreten kann? Das Ehrenamt ist ein großer Schatz unseres Landes, und dieses System sollte grundsätzlich erhalten bleiben. Aber wer seine Freizeit im Dienst als Ehrenamtlicher verbringt, sollte dann wenigstens ein funktionierendes Fahrzeug haben, eine Halle, in die es nicht hereinregnet, und zumutbare Sanitäranlagen. Das ist gut und richtig.

Unter anderem sollen drei Milliarden Euro in das Technische Hilfswerk investiert werden. Das wird damit begründet, dass der Bevölkerungsschutz zu 90 Prozent von Ehrenamtlichen getragen wird und diese eine angemessene Infrastruktur benötigen. Das gilt aber doch für die Hilfsorganisationen genauso, die ebenfalls Kräfte und Mittel für den Zivilschutz bereitstellen, oder? Genau.

Aber der Bund verweist die Feuerwehren und Hilfsorganisationen, die im Auftrag von Ländern und Kommunen tätig sind, auf deren Finanzierung. Vom Pakt haben wir Malteser so gut wie nichts. Und zu allem Überfluss müssen wir weiter Spendengelder für hoheitliche Aufgaben verwenden. Beispielsweise werden die Kosten, die uns für die Bereitstellung eines Zivilschutzfahrzeugs entstehen, nur teilweise erstattet, der Rest muss aus Spenden gedeckt werden.

Für unsere Organisation macht das einen einstelligen Millionenbetrag pro Jahr aus. Das ist vielleicht nicht viel Geld, aber ich empfinde es dennoch als skandalös, dass Kernfunktionen staatlicher Daseinsvorsorge seit Jahren nicht vollständig aus staatlichen Mitteln finanziert werden. Zurück zum Ausgangspunkt – würde aus einer hybriden Bedrohung der Ernstfall, wäre Deutschland eine Drehscheibe für den Durchzug alliierter Truppen. Bundeswehr, Blaulichtorganisationen und Privatwirtschaft müssten dann gut zusammenwirken, so, wie es der Operationsplan Deutschland vorsieht.

Wie weit sind wir damit? Als ich mich vor einigen Jahren bei der Bundeswehr selbst mit diesem Thema beschäftigt habe, gab es starke Vorbehalte – andere Themen waren wichtiger. Inzwischen reist Generalleutnant André Bodemann intensiv durchs Land, um den Operationsplan bei der Wirtschaft und anderswo bekannt zu machen. Aber es gibt auch originär zivile Verantwortlichkeiten, die im Operationsplan nicht abgedeckt sind. Medizinische Versorgung, logistische Unterstützung, Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung. Im Juni hat die Innenministerkonferenz der Länder den Bund aufgefordert, einen Fahrplan für die zivile Verteidigungsfähigkeit zu erstellen und zu definieren, worauf wir uns überhaupt vorbereiten sollen.

Wir brauchen dringend einen konzeptionellen Neuansatz, weil das bestehende Konzept im Wesentlichen aus den 1960er-Jahren stammt. Die zivile Verteidigung liegt aktuell beim Bundesinnenminister. Aber dem kann man schlecht die Gesundheitsversorgung überlassen. Auch Fragen der Lieferketten, der Versorgung oder der Personalbereitstellung fallen in die Zuständigkeit anderer Ressorts.

Insofern wäre es gut, den Nationalen Sicherheitsrat ein Konzept entwickeln zu lassen und danach regelmäßig einen Soll-Ist-Vergleich anzustellen.

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