Oman: Sultan Kabus bin Said hat seinen Nachfolger per Testament bestimmt. Der tritt kein leichtes Erbe an.
Haitham bin Tarik al Said bei seiner ersten Rede als SultanWas seine Nachfolge anging, wollte der omanische Sultan Kabus bin Said nichts dem Zufall überlassen. Und so hatte der jüngst an Darmkrebsschon vor Längerem in die Verfassung schreiben lassen, dass im Falle seines Todes die Familie seines Onkels Tariq bin Taimur drei Tage Zeit bekommen sollte, um aus ihren Reihen einen Nachfolger zu küren.
Sollte dies nicht gelingen, sei ein versiegeltes Testament des Verstorbenen zu öffnen, in dem bin Said seinen Nachfolger posthum bestimmen wollte. Doch es kam anders: Die Herrscherfamilie verzichtete von vornherein. Und so wurde bereits am Samstag, während der Trauerfeier in der Großen Moschee von Muscat, der letzte Wille des Verstorbenen verlesen und sein Cousin Haitham bin Tarik al Said, der bisherige Kulturminister, alsDer 65-Jährige übernimmt ein reiches, aber auch kompliziertes Erbe. Innenpolitisch könnte der Machtübergang Konflikte an die Oberfläche bringen, die bislang durch die paternalistische Herrschaft und den Personenkult um Kabus bin Said unter der Decke gehalten wurden. Politische Parteien, in denen Bürger alternative Ideen artikulieren könnten, gibt es im Oman nicht. Erst während des Arabischen Frühlings 2011 war es – erstmals seit Jahrzehnten – zu Demonstrationen gekommen, in der Hafenstadt Sohar sogar zu gewalttätigen Ausschreitungen.Außenpolitisch war der Oman bisher eine Insel der Stabilität, obwohl es gegenüber dem Iran an der Straße von Hormus liegt und das Bürgerkriegsland Jemen zum Nachbarn hat. Doch wie kein anderer Herrscher der Arabischen Welt verstand es der Verstorbene, sein Land aus regionalen Turbulenzen herauszuhalten und als angesehener Friedensvermittler zu wirken. So waren unter anderem die Kontakte zwischen Washington und Teheran im Vorfeld des inzwischen aufgekündigten Atomabkommens von 2015 über die"Schweiz des Nahen Ostens" gelaufen. Auch zahlreiche Geiseln verdanken den Unterhändlern des Sultans ihre Befreiung. Im Oktober 2018 besuchte gar Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Oman. Im Familienkrach zwischen den Golfstaaten Saudi-Arabien, den Emiraten und Katar trat das Sultanat ebenfalls als Vermittler auf. 1940 in Salalah geboren, hatte Sultan Kabus bin Said als junger Mann die renommierte britische Militärakademie in Sandhurst besucht. Anschließend war er bei einem britischen Infanterieregiment in Deutschland stationiert. 1970 putschte er gegen seinen Vater Sultan Said bin Taimur und übernahm ein bitterarmes Land, in dem obendrein ein Bürgerkrieg tobte. Mithilfe iranischer Truppen, die ihm Schah Mohammed Reza Pahlevi überließ, konnte er die Lage befrieden. Geschickt nutzte Kabus in der Folge die relativ geringen Ölvorkommen von 5,5 Milliarden Barrel, um aus seiner ramponierten Heimat mit damals zehn Kilometer geteerter Straße und einer Handvoll Grundschulen einen modernen Staat zu formen. Heute liegt das jährliche Pro-Kopf-Einkommen im Oman bei 17.000 Dollar, seine Einwohner leben schon fast seit zwei Generationen in Frieden. Ob sein Nachfolger an diese Erfolge anknüpfen kann, muss er nun beweisen.
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