Ost-Logo, West-Marke: Ungewöhnliche Geschichte eines Oldtimer-Kombis im Kreis Herford

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Ost-Logo, West-Marke: Ungewöhnliche Geschichte eines Oldtimer-Kombis im Kreis Herford
Fahrzeug, Karosserie, Hebrock

In acht Jahrzehnten wurde der betagte Zweitakter durch drei Staatsformen gelenkt, die alle mehr oder weniger tiefe Spuren an dem Fahrzeug hinterlassen haben.

Mehr als 80 Jahre hat unser heutiger automobiler Hauptdarsteller der Serie „Oldtimer-Leidenschaft“ bereits auf dem Buckel. Acht Jahrzehnte in denen der betagte Zweitakter durch drei Staatsformen gelenkt wurde, die alle mehr oder weniger tiefe Spuren an dem Fahrzeug hinterlassen haben.

Obwohl mittlerweile einige Kilometer nördlich zu Hause, ist Dirk Hebrock – hier mit seinem als Werbeträger gedachten DKW – beruflich seinem Geburtsort Bruchmühlen treu geblieben. | © Jörg Militzer Kreis Herford. Schon auf den ersten Blick wirkt der Kombi von Dirk Hebrock aus Bruchmühlen wie aus der Zeit gefallen.

Eine Karosserie, bei der viele Teile noch aus Holz gefertigt wurden, eine Frontpartie, die dem Fahrzeug den Cw-Wert eines Scheunentores verleiht, und ein Antriebsaggregat, das in Leistung und Abmessungen in keinem Verhältnis zur Gesamtgröße zu stehen scheint. So präsentiert sich der Oldtimer bei unserem Fototermin. Und obwohl all diese Attribute schon die Vermutung nähren, dass das Fahrzeug noch vor dem Zweiten Weltkrieg auf seine Räder gestellt wurde, weckt ein kleines Zeichen auf dem Kühlergrill zunächst Zweifel daran.

Ein um 90 Grad verdrehtes, quadratisches Emblem weist die Buchstabenkombinationen „IFA“ und „VEB“ auf und deutet damit eindeutig auf den Kraftfahrzeugbau in der ehemaligen DDR, also nach 1949, hin. Auf den Radkappen hingegen tauchen mit dem Kürzel „DKW“ dann drei weitere Buchstaben auf, die uns als Fahrzeugmarke in unserer Serie schon mal begegnet sind und von 1950 bis Mitte der 60er Jahre in Westdeutschland an Produkten der Auto Union GmbH zu finden waren.

Obwohl auf den ersten Blick als Relikte zweier deutscher Staaten – zwischen Kommunismus und Kapitalismus – nicht vereinbar, gibt es gemeinsame Wurzeln. Originalgetreu, nach historischem Vorbild und mit einer schicken Zweifarbenlackierung präsentiert sich der 1942 – Mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges – gebaute DKW F8. | © Jörg Militzer Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ist die Auto Union AG, als Zusammenschluss von vier sächsischen Automobilherstellern, gegründet worden.

Symbolisiert durch vier ineinandergreifende Ringe als Erkennungszeichen wurden ab 1932 die Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer Teil der neuen Gesellschaft mit Sitz in Chemnitz. Doch nach wie vor wurden Kraftfahrzeuge unter den einzelnen Markennamen, zum Teil bis in den Krieg hinein, weiterproduziert. Als nach 1945 die Produktionsanlagen im Osten die Keimzelle der erwähnten IFA und im Westen eine neue Auto Union als GmbH gegründet wurde, griffen beide Unternehmen auf die gleichen Vorkriegsentwicklungen zurück.

Dies gipfelte darin, dass ab 1950 im Osten mit dem IFA F9 bzw. ab 1953 dann im Westen mit dem DKW F91 zwei nahezu identische, auf einem für 1940 geplanten DKW basierende, Fahrzeuge angeboten wurden. Bereits 1949 nahm der volkseigene Betrieb in Zwickau jedoch schon wieder die Produktion des bereits 1938 vorgestellten DKW F8 wieder auf, der dann als IFA F8 noch bis 1955 weiterproduziert wurde. Soweit die Theorie.

Wenn jetzt, wie bei dem hier vorgestellten Fahrzeug, ein vermeintlicher DKW F8 mit einem IFA-Logo am Grill daherkommt, dann bedarf es allerdings einer etwas genaueren Prüfung der Herkunft. „Da wo es heiß ist, dort ist der Motor! “ hieß es früher gern, wenn etwas spöttisch auf den kompakt gebauten, aus dem Motorradbau abgeleiteten Zweitakter hingewiesen wurde.

| © Jörg Militzer Glücklicherweise findet sich noch heute die Fahrgestellnummer an Dirk Hebrocks Kombi und so lässt sich eindeutig feststellen, dass das Fahrgestell – der DKW hat ein separates Chassis, auf dem die Karosserie aufgeschraubt ist – im Februar 1942 in Zwickau entstanden ist. Da kriegsbedingt in dieser Zeit jedoch fast ausschließlich Lieferwagen gebaut wurden, also mit einer Karosserie ohne die hier gezeigten, hinteren Seitenscheiben, wären wir bei einer weiteren Unwägbarkeit bei diesem Fahrzeug.

Da in der mangelgeplagten DDR solche Autos – oft sogar mit Austauschkarosserien – jahrzehntelang genutzt wurden, scheint fraglich, wann der hier gezeigte Aufbau entstand. Ob und inwieweit das Auto damit noch eine Karosserie aus der Zeit des NS-Staates trägt, war dem gelernten Kfz-Mechaniker auch ziemlich gleichgültig.

Nachdem der mittlerweile 58-Jährige sich bereits ab 1990 dem Handel mit Fahrzeugteilen verschrieben hatte und 2003 den Sprung in die Selbstständigkeit wagte, war er auf der Suche nach einem möglichst auffälligen Werbeträger für seine – im Nordrheinwestfälischen Teil Bruchmühlens ansässige – Firma. Da ihm Marke und Modell eigentlich egal waren, betrachtete er immer mal wieder das Angebot der einschlägigen Internetportale und wurde im 2008 dann schließlich in Rüthen bei Lippstadt fündig.

Ein Relikt aus DDR-Zeiten ist das Markenzeichen, wobei die Buchstabenkombinationen „IFA“ für den „Industrieverband Fahrzeugbau“ und „VEB“ für „Volkseigener Betrieb“ stehen. | © Jörg Militzer Was Dirk Hebrock dort vorfand, war dann genau genommen ein DKW F8-700, der im Februar 1942 – als einer von nur 125 Wagen in diesem Monat – gebaut wurde.

Der Zweizylinder-Zweitakt-Motor mit 684 ccm Hubraum leistete 20 PS und trieb damit – worauf das F in der Typenbezeichnung verweist – die Vorderräder an. Drei Gänge wurden mittels einer aus dem Armaturenbrett ragenden „Krückstock“-Schaltung eingelegt und vermochten es, das etwa 870 Kilogramm wiegende Fahrzeug auf rund 75 km/h zu beschleunigen. Doch so präzise diese Angaben überliefert, so unklar sind die ersten 16 Jahre der Nutzung dieses Wagens. Erst mit der Anmeldung auf den Namen F. L. Schenker am 15.

Januar 1958 wird die Geschichte des Lieferwagens, der heute dank der hinteren Verglasung getrost als Kombi bezeichnet werden darf, wieder greifbar. Schenker betrieb Am Graben 19 in Reichenbach im Vogtland eine Lebensmittelhandlung und nahm mit dem Kennzeichen TG 03 63 bis zum Nikolaustag des Jahres 1990 mit dem DKW am Straßenverkehr teil.

Was danach mit dem Wagen passierte, liegt dann wiederum im Dunkel der KFZ-Geschichte verborgen und erst ganze 11 Jahre später kommt wieder etwas Licht in die Historie des DKW-Front, wie die gesamte Baureihe aufgrund des Frontantriebs auch genannt wurde. Obwohl mittlerweile einige Kilometer nördlich zu Hause, ist Dirk Hebrock – hier mit seinem als Werbeträger gedachten DKW – beruflich seinem Geburtsort Bruchmühlen treu geblieben.

Ein Relikt aus DDR-Zeiten ist das Markenzeichen, wobei die Buchstabenkombinationen „IFA“ für den „Industrieverband Fahrzeugbau“ und „VEB“ für „Volkseigener Betrieb“ stehen.

„Da wo es heiß ist, dort ist der Motor! “ hieß es früher gern, wenn etwas spöttisch auf den kompakt gebauten, aus dem Motorradbau abgeleiteten Zweitakter hingewiesen wurde. Obwohl 2008 beim Kauf fahrbereit, hatte der Zahn der Zeit doch arg an der historischen Substanz genagt.

Zwar fuhr Hebrock anlässlich des Herbstfestes damit noch durch Bruchmühlen und nahm an dem von ihm initiieren und heute noch alljährlich ausgerichteten Oldtimer-Treffen teil, doch als Mann vom Fach gönnte er dem Auto alsbald eine „Frischzellenkur“. Bis auf Lackierung und Beschriftung wurden dabei alle Arbeiten während der Leerlaufzeiten im eigenen Betrieb ausgeführt. Doch der betriebliche Leerlauf wurde geringer und die Restaurierung stockte. Der DKW fiel erneut in einen Dornröschenschlaf und wartet bis heute auf den erlösenden Kuss eines oldtimeraffinen Prinzen. Engeraner fährt einen echten „Hausfrauenporsche“

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