Zum Tag der Deutschen Einheit zeigt der Blick auf die Daten: Die frühere Grenze prägt Ost und West bis heute – etwa bei Arbeitslosigkeit und Bevölkerung. Bei manchen Faktoren liegen beide gleichauf.
Auf der Karte ist sie noch zu sehen, die frühere Grenze. Bei der Arbeitslosigkeit trennt sie Deutschland bis heute in Ost und West – auch wenn die Kluft kleiner geworden ist.
Wenn man auf die Kreise blickt, stellt sich die Lage differenzierter dar: Abgesehen von den besonders niedrigen Quoten im Süden und Südwesten Deutschlands gibt es sowohl im Osten wie auch im Westen zahlreiche Regionen, in denen die Arbeitslosigkeit über dem bundesweiten Durchschnitt liegt. Und obwohl Menschen ohne Arbeit dastehen, fehlen Betrieben im Osten die Fachkräfte. Denn viele Menschen sind nach der Wende weggezogen, und es sind deutlich weniger Migranten in die östlichen Bundesländer gezogen als in den Westen.
Die Bevölkerung ist also geschrumpft, bei steigendem Durchschnittsalter. In den ersten 20 Jahren nach der Wiedervereinigung zogen Menschen innerhalb Deutschlands fast nie von West nach Ost. Doch mittlerweile hat sich das ein Stück weit geändert. Zwischen 2017 und 2024 siedelten sogar erstmals mehr Menschen von West nach Ost um als umgekehrt.
Auch wenn das noch keine große Trendwende einläutet, so zeigt es doch, dass sich Menschen offenbar wieder bewusst für den Osten entscheiden. Aber obwohl Ostdeutsche im Schnitt mehr Stunden pro Woche arbeiten als Westdeutsche, entsteht nicht der Eindruck von einem generellen wirtschaftlichen Aufschwung: "Nach der zügigen ökonomischen Entwicklung Anfang der 90er Jahre erscheinen die derzeitigen kleinen Trippelschritte langsam", sagt Transformations-Forscher Raj Kollmorgen, Professor für Sozialwissenschaften an der Hochschule Zittau/Görlitz.
"Aber strukturelle Umwälzungen benötigen 30, 50 oder sogar 100 Jahre. " Er geht deshalb nicht davon aus, dass der Osten in den nächsten zehn Jahren vollständig das West-Niveau erreichen wird. Müssen sich Ost und West in allen Bereichen komplett angleichen?
"Nein", meint Sozialwissenschaftler Raj Kollmorgen. Zwischen Nord- und Süddeutschland gebe es ebenfalls teilweise erhebliche Unterschiede. Und der Osten habe ganz andere Voraussetzungen als der Westen: Er sei deutlich ländlicher geprägt und auch hinsichtlich der Altersstruktur sowie des Anteils an Migranten ganz anders als der Westen.
"Wenn man sich diese strukturellen Indikatoren anschaut, wird klar, dass man ganz sicher nicht nur das Erbe der DDR für die aktuellen Probleme im Osten verantwortlich machen kann", so Kollmorgen. Auch wenn die Bruttoeinkommen in Ost und West deutlich voneinander abweichen, liegen die Nettoinkommen viel näher beieinander.
Nicht die Preise gleichen die Unterschiede zwischen den Regionen aus, sagt Eric Seils vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung:"Viel wichtiger ist der Umverteilungseffekt durch Steuern und Transfers und durch Pendler, die beispielsweise in Städten arbeiten, aber in Landkreisen leben.
" Bei der Kaufkraft in den jeweiligen Kreisen gibt es kaum noch Unterschiede. Der wesentliche Punkt sind die Mieten: Sie fallen je nach Region sehr unterschiedlich aus, während die Preise für Konsumgüter innerhalb Deutschlands sehr ähnlich sind. Das Ergebnis: Zahlreiche Kreise in Ostdeutschland haben eine gleich hohe oder sogar höhere Kaufkraft als Regionen im Westen. Zum Beispiel übersteigt die Kaufkraft des Kreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern die seiner benachbarten Kreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen.
Wenn die Einwanderung weiterhin von vielen Menschen in Ostdeutschland so kritisch gesehen werde,"dann wird man mit dem Mangel an Fachkräften in der Industrie und in der Pflege leben müssen", sagt Soziologe Raj Kollmorgen. Wichtig für eine positive wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland ist es aus Kollmorgens Sicht, mehr Forschungseinrichtungen dort anzusiedeln und mehr in Innovation zu investieren.
Außerdem verspricht er sich positive Effekte für beide Seiten, wenn mehr Ostdeutsche in Spitzenpositionen großer Firmen kämen, die ihren Sitz bisher fast alle im Westen haben.
"Ungleich vereint": Steffen Mau über Ost- und WestdeutschlandMit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 ändert sich für die Ostdeutschen alles. Ihr Alltag ist meist Neuland, wie ein Blick zurück zeigt. Am 3.
Oktober 1990 tritt die DDR der Bundesrepublik bei, die Wiedervereinigung ist vollendet. Um das Datum gab es viel Streit. Galeria wieder insolvent: Fassungslosigkeit in Hamburg In den drei verbliebenen Hamburger Filialen der Warenhauskette gibt es rund 400 Beschäftigte. Wie es für sie weitergeht, ist unklar. NDR Info auf WhatsApp - wie abonniere ich die norddeutschen News?
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