Platz 12 beim Heim-GP auf dem Sachsenring war das beste Ergebnis für Philipp Öttl in der Saison 2014. Mit SPEEDWEEK.com sprach er über die Rückschläge 2014 und Hoffnungen für 2015.
Philipp Öttl hatte seit Anfang der Saison 2014 mit enttäuschenden Ergebnissen und der Abstimmung seiner Kalex-KTM zu kämpfen, nachdem er 2013 mit vier Top-10-Platzierungen in den letzten sechs Rennen geglänzt hatte.
Beim Saisonfinale in Valencia blieb Öttl ein versöhnlicher Abschluss des Jahres verwehrt. Das Rennen war kurz, aber schmerzvoll. Der 18-Jährige wurde nach einem Rennunfall über seine Kalex-KTM geschleudert und prellte sich die Hüfte – WM-Rang 24. 2015 erhält der Bayer eine reinrassige KTM. Durch diesen Wechsel und intensive Vorbereitung verspricht man sich wieder mehr Erfolg in der kleinsten Klasse. Nur Öttl hält in der Moto3-Klasse 2015 die deutsche Flagge hoch. Er muss sich jedoch im Vergleich zu 2014 stark steigern, wenn er nach drei Moto3-Jahren wie geplant in die Moto2-WM aufsteigen will. Philipp, du wirst 2015 eine KTM mit Gitterrohrstahlrahmen statt der Kalex-KTM fahren. Wie groß schätzt du den Unterschied ein? Es wird auf jeden Fall einen Unterschied geben. Ich bin schon eine solche KTM gefahren, aber das war 2012 die Rookies-Cup-Version. Damals fühle es sich für mich sehr gut an, sehr stabil. Inwieweit das mit der aktuellen Version vergleichbar ist, weiß ich nicht. Ich freue mich schon auf meine neue Maschine. Die Kalex war immer etwas schwierig abzustimmen. In dieser Hinsicht sollte es einfacher werden, denn KTM hat fast nur Top-Fahrer. Es wird einfacher, ein Set-up zu finden. Doch ich muss mich erst mit der Maschine anfreunden, dann kann ich mehr sagen. 2014 hast du eine schwierige Saison mit einigen Rückschlägen erlebt. Konntest du daraus deine Lehren ziehen? Wir haben ein paar Sachen gelernt. Der Ablauf in der Box war immer gut, den können wir aber natürlich noch verfeinern. Doch meine Mannschaft arbeitet immer gut. Man kann immer noch Details verbessern, aber das haben wir ziemlich ausgereizt. Ich denke, die gravierendsten Veränderungen kann ich bewirken. Die letzte Saison war sehr schwierig, aber ich habe viel gelernt. Das ist schwer zu beschreiben, denn es waren nicht alle Rennen schlecht. Von Jerez bis zum Sachsenring war ich in sechs Rennen fünfmal in den Punkten. Dieser Abschnitt war nicht schlecht. Davor und danach lief es nicht gut. Die Tests waren solide. Es war nicht alles schlecht in der vergangenen Saison. Das Gute wollen wir beibehalten. Was sich im Vergleich zu 2013 verschlechtert hat, sind die Trainingsleistungen. Beim Qualifying in Valencia lag ich auf Rang 32. Also erwartet im Moment keiner ein Wunder. Bei den Tests ist jeder Platz gut, den wir weiter vorne liegen. Es ist sehr schwer einzuschätzen, wie es bei den Tests aussehen wird. 2013 hast du vier Top-10-Plätze erzielt. Hast du dir die Saison 2014 danach zu einfach vorgestellt? Waren die Erwartungen zu hoch? Im Winter habe ich mir vorgestellt, dass 2014 ähnlich wird wie 2013. Top-10-Plätze wären gut gewesen, hätten aber zur Normalität werden sollen. Unser Ziel war es, in jedem Rennen in die Punkte zu fahren. So sah meine Vorstellung aus. Sie waren im Winter wahrscheinlich etwas zu hoch. Nach dem Saisonfinale 2013 war das noch nicht so, aber als ich die Rennen noch einmal ansah, wurde mir klar, dass alles leichter geworden war in den letzten Rennen. Da mir beispielsweise der Startplatz in der zweiten Reihe in Aragón so leicht von der Hand ging, sah ich nur noch das Gute. Im Rennen von Aragón war ich zwar Sechster, aber ich lag auch 21 Sekunden hinter dem Sieger. Das Ganze hat etwas geblendet. Die Ergebnisse waren gut, aber der Rückstand auf den Ersten war da. 2014 wurde die Klasse dichter, daher kamen mehr Fahrer in diese Zeitspanne von 18 oder 20 Sekunden hinein. Es war unser Fehler, dass wir uns von den guten Platzierungen blenden ließen. 2015 wird das nicht passieren.Ja, das ist korrekt. Die Bikes sind ausgereifter und auch die Konkurrenz ist besser. Das hat die gesamte Klasse stärker gemacht. Wie schwer fiel es dir, mit den Problemen, den Fragen der Journalisten und der Kritik in dieser schwierigen Saison umzugehen? Es ist in jedem Sport so, dass die Journalisten wissen wollen, wie das Rennen gelaufen ist. Damit muss man umgehen können. Aus Fehlern oder Reaktionen nach einem Rennen oder Training kann man lernen. Es war schwierig, ruhig zu bleiben, weil die Resultate einfach nicht gekommen sind. Die Kritik war gerechtfertigt. Es ist nur die Frage, wie man die Kritik formuliert, doch es war immer Kritik, die man annehmen kann. Mit konstruktiver Kritik muss man umgehen können. Man sollte nicht auf jeden hören, aber wenn mein Vater oder mein Chefmechaniker etwas sagen, dann ist das wichtig. Diese Leute haben eben Ahnung.Wir können nicht erwarten, dass wir gleich beim ersten Rennen unter die Top-10 fahren. Orientieren müssen wir uns an den Ergebnissen aus 2014 und arbeiten uns dann nach vorne. Ich weiß derzeit nicht, wie ich mich einschätzen soll, kann oder darf. Im Moment bin ich ein Überraschungspaket. Erst am Anfang der Saison wird sich zeigen, wo wir stehen. Selbst für mich ist die Situation derzeit sehr schwer einzuschätzen.
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