Ein Gremium schlägt den 59-Jährigen bei einem Treffen doch noch nicht als DOSB‑Präsidentschaftskandidaten vor – offiziell aus formalen Gründen. Doch hinter den Kulissen werden erneut Vorbehalte laut. data-manual=googleTeaserText
Nahe dran an der Macht: Michael Mronz könnte im kommenden Dezember Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds werden. Der 59-jährige Sportmanager soll als neuer Präsident des DOSB durchgeboxt werden.
Doch der Plan gerät ins Stocken: Auf einer Sitzung wehren sich einflussreiche Verbände dagegen. m Freitagnachmittag, rund fünf Stunden, nachdem die ersten Sitzungen des Tages angebrochen waren, hatten sich nicht ganz die Ritter der Tafelrunde zusammengefunden, dafür aber wichtige Vertreter des organisierten deutschen Sports – und hielten Rat. Vor dem Eingang der Sportschule Oberhaching, vor verglasten Fenstern, hellem Holz und grauem Himmel, waren unter anderem anwesend: Alfons Hölzl, Präsident des Deutschen Turner-Bundes sowie Sprecher der Spitzenverbände; Hanns-Michael Hölz, Präsident von Snowboard Germany und Vertreter der Arbeitsgruppe Wintersport; der Baden-Württemberger Jürgen Scholz als Sprecher der Landessportbünde; sowie Michael John vom Boccia-, Boule- und Pétanque-Verband und als solcher auch Repräsentant der nichtolympischen Verbände.
Und als schließlich zwei Gesandte hervortraten, verkündeten sie zwar noch keine große Freude, aber immerhin eine Botschaft des Tages. Und die lautete: Die Suche nach einem neuen Präsidenten für den Deutschen Olympischen Sportbund , als einzigen Kandidaten empfehlen, der im Dezember auf Thomas Weikert als DOSB-Präsident folgen soll. Das Ganze galt als fein eingefädelt, verschiedene Funktionäre hatten zuletzt Pressemitteilungen angedacht, Mronz sprach am Freitag in Oberhaching vor, auch Weikert und Otto Fricke, der DOSB-Vorstandsvorsitzende, glitten über die Flure der Sportschule.
Doch nachdem alle getagt hatten – die Landessportbünde an der Sportschule, die Spitzenverbände am Tennisstützpunkt die Straße gegenüber –, verkündeten ihre Abgesandten Hanns-Michael Hölz und Jürgen Scholz sinngemäß: Man vertage sich. Eine offizielle gemeinsame Empfehlung gebe es nicht, diese folge allenfalls Anfang November, wenn die Bewerbungsfrist für Präsidiumskandidaten verstrichen ist. Sollte der Plan mancher Protagonisten also umfasst haben, das Treffen von Oberhaching schon zur Vorentscheidung zu nutzen, dann wäre er kolossal gescheitert.
Ein kurzer Rückblick: Im März hatten Vertreter diverser Mitgliedsverbände im DOSB eine Kommission geformt, die nach einem künftigen Präsidium fahnden sollte. Derenmit den gewaltigen Aufgaben begründet, die der deutsche Sport vor der Brust habe: Spitzensportreform, Olympiabewerbung, Regelwerke für sexualisierte und andere Gewalt, nur als kleine Auswahl. Da sollte geeignetes Personal rechtzeitig angeworben werden. Zugleich hatten Interessengruppen dem diensthabenden DOSB-Präsidenten Thomas Weikert längst übermittelt, dass sie ihn nicht mehr unterstützen würden, sollte Weikert nochmals kandidieren.
Erst am Donnerstag hatte der 64-Jährige dann bekanntgegeben, dass er sich zurückziehen werde, wobei er vor allem persönliche Gründe anführte. So rollte ein recht informeller Prozess eines informellen Gremiums los. Dem Vernehmen nach sprachen in dieser Findungskommission für das Präsidentenamt auch nur zwei Funktionäre vor: Michael Mronz – und Martin Engelhardt, derzeit DOSB-Vize und Präsident der Deutschen Triathlon Union.
Engelhardt hat sich seit Jahren einen Ruf als recht eigenständiger Kopf erarbeitet, der sich als einer der wenigen Sportpolitiker nicht scheut, die Missstände im eigenen Betrieb klar zu benennen, auch öffentlich. Er kennt sich auch auf den Fluren der nationalen Verbandspolitik gewiss besser aus als Mronz. Dem Vernehmen nach wollten einige Vertreter ihn erneut zu einer Kandidatur überreden, wie schon 2018 in der Ära von Alfons Hörmann.
Kleine Pointe: Die Findungskommission schlug Engelhardt am Freitag dann auch vor – als Vize in einem künftigen Kabinett von Mronz. Doch während sich die Landessportbünde in den Sitzungen in Oberhaching dem Vernehmen nach eher zurückhaltend gaben, ging es bei den Spitzenverbänden offenbar krachender zur Sache.
Manchen stieß offenbar auf, dass sich die Findungskommission vor Bewerberfrist überhaupt positionieren wolle; anderen, dass das Gremium anscheinend ein vollwertiges Personaltableau ersonnen hatte – neben Mronz als Präsident und den aktuellen DOSB-Vizes Engelhardt und Kerstin Holze noch Silke Renk-Lange, Gewichtheberpräsident Florian Sperl sowie Fritz Joussen, eine langjährige Führungskraft aus der Wirtschaft, unter anderem beim Touristikkonzern Tui. Silke Renk-Lange werden zumindest die Landessportbünde im Dezember für das künftige DOSB-Präsidium vorschlagen, das beschlossen ihre Vertreter am Freitag.
Zugleich erklangen offenbar Vorbehalte gegen Mronz selbst: nicht unbedingt wegen dessen Rolle während der Olympiabewerbung, bei der manche eine Nähe von Mronz zur Kampagne von „KölnRheinRuhr“ wahrgenommen hatten . Doch da das IOC-Mitglied vor allem international ausgerichtet ist – sein offizieller Auftrag lautet, die Interessen des IOC in seiner Heimat zu vertreten –, fürchten manche, dass unter Mronz die klassische Verbandsarbeit zu kurz kommen könnte, in der es von der Spitzensportreform bis zu Safe-Sport-Initiativen gerade so viele drängende Baustellen gibt.
Gleich mehrere Verbandspräsidenten, so ist zu hören, sprachen sich gegen den Mronz-Plan aus. Rund ein Dutzend der 42 olympischen Spitzenverbände gelten als klare Mronz-Gegner, eine große Zahl hat sich noch nicht positioniert, die Lage ist also ziemlich gespalten. Aus dem Kreis der Opposition ist allerdings vernehmbar: Man möchte am Ende auf jeden Fall einen Gegenkandidaten präsentieren, selbst wenn Engelhardt nicht mag.
Hanns-Michael Hölz, der Snowboardpräsident, sowie Jürgen Scholz, der neben seiner Rolle als LSB-Vertreter auch in der Findungskommission sitzt, schilderten den Tag später vor den Kulissen so: Ja, man hatte sich für diesen Freitag erst etwas anderes vorgenommen. Doch man habe sich „sehr intensiv ausgetauscht“, sagte Scholz, kritische wie wohlwollende Meinungen entgegengenommen. Daraufhin sei man „im Schulterschluss mit den Spitzenverbänden“ so verblieben, dass man die Bewerbungsfrist am 31. Oktober abwarten wolle.
Das werde ja bei „jeder Bürgermeisterwahl“ so gehandhabt, assistierte Hölz. Außerdem habe die Olympiakür in Baden-Baden zuletzt „deutlich gezeigt, dass Sportdeutschland, wenn es gemeinschaftlich auftritt, eine riesige Kraft entfalten kann“. Das ließ nur die bisherigen Pläne, insbesondere auch Mronz’ Auftritt bei Spitzenverbänden und Landessportbünden am Freitag, umso, nun ja, kurioser erscheinen.
„Er hat sich vorgestellt“, sagte Jürgen Scholz, viele Vertreter des Breitensports, also der Landessportbünde, könnten mit dem 59-jährigen Sport- und Event-Manager „ja wirklich noch gar nichts anfangen“. Und alle etwaigen Berichte von Findungskommissionen? Seien als „vorläufig“ zu verstehen, sagte Scholz. Wenn bis Ende Oktober noch jemand Unterlagen einreiche, würde man diese Anfang November auch berücksichtigen.
Dann wolle man sich mit Verbänden, Sportbünden und Sprechergruppen „auf ein Tableau verständigen, das auch gemeinsam zur Abstimmung kommen soll“, sagte Hanns-Michael Hölz. Hatten fachliche Vorbehalte am Freitag eine Rolle gespielt? Nein, nein, beteuerten Hölz wie Scholz. Dass Mronz ohne eine offizielle Empfehlung aus Oberhaching abreiste, war aber so oder so eine herbe Niederlage. Der 59-Jährige selbst wollte sich auf SZ-Anfrage nicht äußern.
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