Im April ist das dritte Album der deutsch-britischen Musikerin und Schauspielerin Christin Nichols erschienen. Darin steckt auch ein Stück Ostwestfalen.
Im April ist das dritte Album der in Bünde geborenen deutsch-britischen Musikerin und Schauspielerin Christin Nichols erschienen. Darin steckt auch ein Stück Ostwestfalen. Das Album ist das erste mit durchgängig deutschsprachigen Texten und zugleich das erste, das bei der Universal Tochter PIAS, einem Major Label, erscheint.
Es trägt den schlichten Titel „Christin Nichols“ und bringt Sound und Haltung der Künstlerin auf den Punkt. Das Album bewegt sich zwischen Indie-Rock, Post-Punk, Alternative Rock und NDW, getragen von markanten Gitarren und großen Popmelodien. Inhaltlich kreisen die Songs um Selbstzweifel, Identität und den Versuch, sich in einer widersprüchlichen Welt zu behaupten.
In persönlichen Songs wie „Keine Kontrolle“ singt sie fast hypnotisch über PMDS, eine Form des prämenstruellen Syndroms, mit drastischen Auswirkungen bis zum Suizid, und schafft so Aufmerksamkeit für ein wichtiges, aber wenig beachtetes Thema. Viele Songs verbinden Persönliches und Politisches. So ruft sie in „Andere Frauen“ zu Solidarität unter Frauen auf und prangert zugleich patriarchale Strukturen an. Songs wie „Cheerleader“ oder „Unsterblich“ verbinden Verletzlichkeit mit Stärke, und „Chelsea Boots“ beschreibt eine Nacht, in der es Nichols richtig gut geht.
Die erste Zeile des Empowerment-Statements „Heute ist mal wirklich alles gut“ ist ihr so wichtig, dass sie der Titel der Konzerttour zum Album ist. Nichols lebte vor dem Abitur in Bünde einige Jahre auf Mallorca und ist nicht nur Musikerin – ab 2015 als Stimme der Elektro-Punkband „Prada Meinhoff“ und ab 2022 mit den Alben „I’m Fine“ und „Rette, sich wer kann“ solo –, sondern auch Schauspielerin mit Abschluss von der Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin.
Sie spielt Theater und ist in TV-Rollen zu sehen, unter anderem in der ZDF-Serie „Lena Lorenz“. Die Neugier auf die Welt und die Menschen jenseits der Kleinstadt Bünde stand als Motivation vor dem Schauspielstudium.
„Musik war als Beruf zunächst keine Option, auch wenn ich immer Musik-Fan – besonders deutscher Hip Hop, später Punk und Hardcore – war. Bass spiele ich schon recht lange, Gitarre seit ein paar Jahren“, sagt sie. Seit 2024 hatte Nichols mit ihrem Kreativpartner Stefan Ernst an dem Album gearbeitet. Der Song „Ich weiß“ entstand gemeinsam mit Steffen Israel .
Im Song „Noch wach?
“ geht es um eine zarte neue Liebe. Immer wieder findet sie von Selbstzweifeln und dem Hadern mit sich und der Welt zu Hoffnung, Selbstbehauptung und Liebe und bleibt dabei kompromisslos persönlich. Da passt es, dass sie ihre Musik als „Hopecore“ bezeichnet.
„Das Album bin genau ich, und zwar an genau diesem Punkt meines Lebens“, sagt sie über sich und das Album. Das kommt rauer und direkter als seine Vorgänger mit mehr Bass und Gitarren und weniger Synthesizer daher. Bezüge zu deutschem Pop gibt es kaum, stattdessen zu Post-Punk oder Alternative-Rock, ohne vor großen Popmelodien zurückzuschrecken.
„Mir war es wichtig, noch handgemachter zu werden in dem, was ich da mache“, sagt Nichols. Ein Webabo bietet Zugriff auf alle Artikel.
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