Eine groß angelegte europäische Studie mit 51.532 Teilnehmenden aus 15 Ländern wies aus, dass Raucher über die Jahre im Vergleich zu Nichtrauchern ein stärkeres und wachsendes Gefühl von Einsamkeit erleben, während die Daten eine Ursache-bedingte Erklärung nicht eindeutig belegen.
Rauchen und Einsamkeit: Eine große europäische Studie mit mehr als 51.000 Probanden hat ergeben, dass Menschen, die im Alter und nach 70 Jahren noch rauchen, sich im Vergleich zu Nichtrauchern besonders einsam fühlen und dieses Gefühl im weiteren Verlauf stärker zunimmt.
Das Ergebnis wurde auf dem diesjährigen Kongress der European Respiratory Society in Barcelona vorgestellt und wirft neue Fragen zur psychosozialen Gesundheit älterer Menschen auf. Die Untersuchung stützt sich auf die Daten der langjährigen Beobachtungsstudie "Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe" (SHARE). Dort wurden 51.532 Personen aus 15 europäischen Ländern 2013 erfasst - zentralisiert war das Alter von 44 bis 80 Jahren, mit einem Durchschnitt von 67 Jahren.
Umfangreiche SHARE-Studie zeigt Einsamkeit bei Rauchern
In diesem Jahr gaben 22 Prozent der Befragten an, in den vergangenen 12 Monaten gezielt geraucht zu haben. Kurz darauf, im Jahr 2015, wurden die gleichen Personen erneut mithilfe der UCLA Loneliness Scale befragt, die ein Spektrum von drei bis neun Punkten auf einer Skala misst. Erster Befund der Studie: Über den Zeitraum von zwei Jahren verzeichneten Raucher im Schnitt 0,092 Punkte mehr auf dem Einsamkeitsindex als ihre Nichtraucher.
Obwohl der Unterschied statistisch signifikant ist, bleibt er mit einen kleineren Effektwert verhältnismäßig gering. Noch signifikanter wird das Ergebnis aber bei der Entwicklung über die Zeit: Beim Raucher die Einsamkeit im Durchschnitt um 0,049 Punkte pro Jahr zunimmt, während der Anstieg bei Nichtrauchern deutlich flacher verläuft. Diese Veränderungen konnten nicht durch klassische Korrelationen mit Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, Vermögen, depressive Symptome oder chronischen Krankheiten erklärt werden - die Daten bleiben in beiden Gruppen unterschiedlich.
Was das Studienpublikum von Dr. Keir Philip versteht, ist, dass die Ergebnisse zwar die Richtung einer möglichen Verbindung zwischen Rauchen und Einsamkeit belegen, aber weder rasch noch eindeutig die Ursache zeigen. Evidenz aus der Studie legt nahe, dass gesundheitliche Einschränkungen - etwa COPD und Herz-Kreislauf‑Erkrankungen - die soziale Teilhabe behindern könnten. Auch gesetzliche Entwicklungen wie generelle Raucherverbote und die zunehmende Beschränkung von rauchfreien Bereichen können soziale Verträglichkeiten verkümmern lassen.
Gesundheitspolitische Maßnahmen müssen psychische Gesundheit beachten
Letztendlich besitzt das Rauchen in der Kombination aus gesundheitlichen Einschränkungen und gesellschaftlichen Zwängen die Fähigkeit, isolierte Lebensräume zu schaffen - sei es in der Wohnung, im Alltag oder im privaten Umfeld. Für die Fachgesellschaft heißt es, die Studienlage sei ein klarer Hinweis, dass gesundheitspolitische Maßnahmen nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit berücksichtigen müssen.
Politische Institutionen könnten stärker auf das Wohlbefinden bei älteren Raucherinnen und Rauchern setzen, etwa durch gezielte Angebote in Gemeindezentren oder mobile Gesundheitsprogramme, die nicht nur die Rauchertrinkpolitik, sondern auch die Beteiligung an sozialen Aktivitäten fördern. Einige Experten warnen jedoch vor einer Überinterpretation. Da die Studie Beobachtungsdaten aus zwei hintereinanderfolgenden Jahren nutzt, gilt sie als robust, aber nicht kausativ. Die durchschnittliche Befragtensperson war 67 Jahre alt, was die Übertragbarkeit auf jüngere Populationen reduziert.
Weiterhin könnte ein verzerrter Rückrufeffekt bestehen, wenn Raucher eher dazu neigen, ihre eigenen Gefühle zur Einsamkeit zu berichten. Für die Zukunft wird empfohlen, auch Untersuchungen in jüngeren Studiengruppen durchzuführen und zusätzlich qualitative Befragungen einzubinden, um die Mechanismen besser zu verstehen. Insgesamt liefert die Studie einen wichtigen Hinweis: Selbstmilder Signifikanz bedeutet nicht, dass die Einsamkeit nicht relevant ist.
Offene Forschungsfragen zu Rauchabbruch und sozialen Puffern
Für viele Senioren, die noch ein Tabakprodukt nutzen, könnte das Thema Muttersprache und gesellschaftliche Isolation ein ernsthaftes Risiko darstellen, das im Sinne einer ganzheitlichen Gesundheitsförderung berücksichtigt werden muss. Anhaltende Forschungsfragen sind die Frage, ob ein Rauchabbruch tatsächlich das Risiko der späteren Einsamkeit senkt, sowie welche Rolle Pufferfaktoren (z. B. soziales Netz, regelmäßige Bewegung) dabei spielen.
Bis dahin liegt der Schwerpunkt bei Politik und Praxis auf einer Warnung, die Risikogruppen gezielt zu unterstützen und ganzheitliche Programme anzubieten, die sowohl rauchfrei als auch sozial integrativ ausgerichtet sind.
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