Rechte Fans: Das können Vereine gegen Rechtsextreme in der Kurve tun

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Rechte Fans: Das können Vereine gegen Rechtsextreme in der Kurve tun
Fußball, Rechtsextremismus, Fanprojekte

Das Stadion ist ein beliebter Rekrutierungsort von Rechtsextremen. Doch es gibt Strategien gegen deren Vereinnahmungsversuche.

Das Stadion ist ein beliebter Rekrutierungsort von Rechtsextremen. Doch es gibt Strategien gegen deren Vereinnahmungsversuche. Die wurden auf einer Tagung im Kölner Stadion diskutiert. Hitlergruß im Gästeblock, die Androhung massenhafter Abschiebungen durch Fangesänge, Hakenkreuzsticker auf den Stadiontoiletten - dass Fußball fans rechtsextremes Gedankengut äußern oder offen dafür sind, ist kein neues Phönomen.

Das meint auch Peter Farhangian vom Kölner Fanprojekt.

"Aber ich glaube, dass es durch den Rechtsruck in der Gesellschaft heute offener ausgelebt wird. " Hitlergruß im Stadion: Wie Rechte die Fußballkurven erobernHitlergruß im Stadion: Wie Rechte die Fußballkurven erobern Das Kölner Fanprojekt möchte solchen Entwicklungen entgegentreten. Deshalb kamen Kolleginnen und Kollegen aus Jugendarbeit und Fanprojekten aus ganz NRW diese Woche im Kölner Stadion zusammen, um über den Umgang mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen zu sprechen.

Die zentrale Frage dabei: Was können Sozialarbeitende in der Fanarbeit tun, bevor es zu spät ist? Bei dem Treffen wurde deutlich: Viele merken in ihrer Arbeit, dass rechtes Gedankengut unter Jugendlichen zunimmt. Auch der Verfassungschutz NRW beobachten diesen Trend: 2025 ordnete er 4.446 Personen dem rechstextremen Spektrum zu, 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Anzahl an Straftaten stieg um 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Zahl der Tatverdächtigen zwischen 14 und 17 Jahren nahm ebenfalls zu: Waren es 2023 noch 100 Personen, zählte der Verfassungsschutz NRW im vergangenen Jahr 299 Personen. Das Kölner Fanprojekt hatte auch einen Experten für Rechtsextremismusbekämpfung eingeladen. Der möchte seinen Namen aufgrund der Bedrohungslage durch die gewaltbereite Szene nicht öffentlich nennen. Er betont, dass die Dunkelziffer an Aktivitäten im rechtsextremen Milieu über den Zahlen des Verfassungsschutzes liegen dürfte.

Viele Jugendliche kommen demnach über die sozialen Medien in Kontakt mit rechtsextremem Gedankengut.bietet dafür gute Voraussetzungen", so der Referent. Die Kurve sei ein emotionaler Ort, vermittle ein Kollektivgefühl und eine"Wir-gegen-die"-Mentalität.

Außerdem kämen hier Jugendliche aus unterschiedlichen sozialen Milieus zusammen. Der Referent betont, wie wichtig genau deshalb die Arbeit der Fanprojekte sei.

"Sie leisten Präventionsarbeit an einr Schnittstelle zu Jugendlichen, die sonst kaum eine staatliche oder zivilgesellschaftliche Stelle erreicht. Wenn Fanprojekte demokratische Werte und Zivilcourage vermitteln, können sie verhindern, dass ganze Jugendkulturen ins rechtsextreme Milieu abgleiten.

" Wichtig sei, das Gespräch mit Jugendlichen zu suchen, die sich offen für rechtsextremes Gedankengut zeigen. Dabei sollten die Sozialarbeitenden nicht belehrend auftreten, sondern in erster Linie Fragen stellen. Dabei gelte: Die Person annehmen, die Position nicht. Fragen wie"Was genau meinst du damit?

" oder"Wie passt das dazu, dass du Spieler, die nicht aus Deutschland kommen, in der Mannschaft feierst? " könnten helfen, Ambivalenzen zu stärken, die die Jugendlichen selbst in sich tragen. Der Experte glaubt, dass das dazu führen kann, dass die Jugendlichen selbst an rechtsextremen Narrativen zweifeln. Wenn jugendliche Fans allerdings bereits Kontakte in die rechtsextreme Szene haben, sollten sich Sozailarbeitende an externe Fachstellen wenden, empfiehlt der Referent.

So eine Stelle ist zum Beispiel die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen. Dort arbeitet Dominik Schumacher.

"Wenn ein Fanprojekt auf uns zukommt, machen wir zunächst eine Problemanalyse. " Die Mobile Beratung kennt rechtsextreme Strukturen in NRW und kann helfen, die Gefahrenlage einzuschätzen. "Dann erforschen wir gemeinsam, welche Handlungsschritte jetzt folgen müssen", so Schumacher. Unter Umständen unterstützt die Beratunsgstelle einen solchen Prozess über Jahre.

Auch Schumacher betont, wie wichtig die Fanprojekte in diesem Kontext seien, denn sie würden die Schnittstelle zwischen Verein und Fans bilden. Doch auch das Verhalten des Vereins sei entscheidend, so Schumacher.

"Der Verein legt die Rahmenbedingungen fest. Das Wichtigste ist, dass er rechtsextreme Fans in den eigenen Reihen überhaupt erst einmal als Problem anerkennt.

" Immer wieder würden Vereine das Thema lieber unter den Teppich kehren, weil sie Angst vor einen schlechten Ruf hätten. Stattdessen sollte ein Verein jedoch Fan-Initiativen, die sich aktiv gegen Rechstextremismus in der Kurve engagieren, fördern und unterstützen, so Schumacher. Ich erinnere mich an Schulungen für Ordner, die ich selbst gegeben habe, bei denen Teilnehmer in Naziklamotten saßen. Wichtig sei außerdem, Ordnerinnen und Ordner zu schulen, damit diese rechtsextreme Symbole erkennen und den Zugang zum Stadion entsprechend verweigern könnten.

Schon bei der Einstellung müssten die Vereine wachsam sein.

"Ich erinnere mich an Schulungen für Ordner, die ich selbst gegeben habe, bei denen Teilnehmer in Naziklamotten saßen", so Schumacher. Die Wirkung der Ordnerinnen und Ordner in die Kurve hinein, sei nicht zu unterschätzen. Auch Werbung und Fanartikel könnten einen großen Effekt haben, meint Schumacher.

"Wenn die Fan-Identität zum Beispiel besagt: Ich bin antirassistisch, weil ich Borusse bin, dann ist das auf einer Massenebene wahnsinnig wirksam. " Auf dieser Ebene ist also der Verein gefragt. Im direkten Vier-Augen-Gespräch auf der Busfahrt zum Auswärtsspiel, kommt es auf die Sozialarbeitenden der Fanprojekte an. Besuch Fachtag"Haltung zeigen, im Spiel bleiben" Umgang mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen

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