Jorge Martin rettet sich ins Ziel und Francesco Bagnaia muss aufgeben - Zerfurchte Laufflächen im Sprint alarmieren Michelin vor dem langen Hauptrennen am Sonntag
Jorge Martin rettet sich ins Ziel und Francesco Bagnaia muss aufgeben - Zerfurchte Laufflächen im Sprint alarmieren Michelin vor dem langen Hauptrennen am Sonntag-Sprint in Motegi waren die Reifen das große Gesprächsthema im Paddock.
Einige Fahrer hatten über die Distanz von zwölf Runden große Probleme mit dem Hinterreifen, bei anderen wiederum war der Verschleiß kein großes Thema. Die Motegi-Rennstrecke wurde neu asphaltiert. Da es vorab keine Testfahrten gab, erweiterte Michelin das Reifenkontingent und brachte einen zusätzlichen Hinterreifen mit, den am Freitag und Samstag aber niemand verwendete. Beim Vorderreifen konnten die Fahrer zwischen Soft, Medium und Hard wählen.
Diese Reifen haben die gleiche Steifigkeit wie im Vorjahr, als in Motegi noch auf dem alten Asphalt gefahren wurde. Der harte Vorderreifen besteht allerdings aus einer verstärkten Karkasse. Beim Hinterreifen wechselte Michelin bei Soft, Medium und Hard auf steifere Reifen als im Vorjahr, um beim neuen Asphalt auf der sicheren Seite zu sein. Der weiche und der Medium-Hinterreifen haben die Standard-Karkasse, während der harte Hinterreifen die verstärkte Karkasse hat, wie sie zuletzt auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg zum Einsatz kam.
Wie bereits erwähnt, hatte kein Fahrer diese Mischung im Vorfeld erprobt. Für den Sprint wählten bis auf zwei Fahrer alle den weichen Hinterreifen. Nurauf. Am Ende der vorletzten Runde stellte er seine Ducati vor der Box ab.
Der Hinterreifen war völlig verschlissen. Auf der Lauffläche waren Stücke herausgebrochen.
"Leider habe ich ab Rennmitte starke Vibrationen gespürt und musste am Ende komplett zurückstecken, weil ich schlichtweg überhaupt kein Gefühl mehr für das Motorrad hatte", schildert Bagnaia seine Eindrücke aus den letzten Runden. Er glaubt, dass dieser starke Reifenverschleiß auch damit zusammenhängt, dass er, so wie bei den vergangenen Rennen, auch in Motegi keinen Grip spürte und sich seine üblichen Probleme fortsetzten.
"Sobald ich ans Gas gehe, neigt das Motorrad zum Rutschen, dadurch erhitzt sich der Reifen noch stärker", erläutert Bagnaia. "Und diese Überhitzung führt letztlich zu den Problemen mit dem Reifen. " Der Vorjahressieger betont, dass es in den Trainings keine Vorzeichen für diesen Verschleiß gab:"Wenn du in den Trainings immer wieder rausfährst, anhältst, wieder rausfährst und vor allem alleine unterwegs bist, treten solche Dinge kaum auf.
" "Wenn du hingegen im Pulk fährst, heizen sich sowohl das Motorrad als auch die Reifen viel schneller auf, und dann nimmt die Kettenreaktion ihren Lauf", sagt Bagnaia. Auch Martin spürte keinerlei Vorzeichen für seine Probleme in den letzten Runden.
"Nein, überhaupt nichts. Nicht ein einziges Anzeichen für dieses Problem", so der Aprilia-Fahrer.
"Für morgen ist das natürlich besorgniserregend. " Bastianini fuhr in der letzten Runde direkt hinter Martin und konnte sehen, wie sehr der Spanier zu kämpfen hatte:"Ich habe an seinem Motorrad einige merkwürdige Bewegungen bemerkt. "Als einziger Fahrer im Spitzenfeld wählte Marco Bezzecchi den Medium-Hinterreifen für den Sprint, weil er im Vormittagstraining vor dem Qualifying damit ein sehr gutes Gefühl und eine gute Pace hatte.
"Wegen dieser Pace und dem geringeren Temperaturrisiko habe ich mich letztlich für diese Variante entschieden", erläutert der Aprilia-Fahrer seine Beweggründe für die abweichende Reifenwahl. "Auf dem Papier sah es gut aus, denn am Ende hätte ich die Pace durchziehen können. Natürlich musste ich die ersten zwei, zweieinhalb Runden erst einmal überstehen. Danach war ich jedoch extrem zuversichtlich.
" "Das war also keine Verzweiflungstat nach dem Motto: 'Ich bin zu langsam, also riskiere ich den Medium und hoffe, dass es irgendwie besser läuft. ' Wir haben uns das reiflich überlegt und der Plan war keineswegs verkehrt. " Aber von Beginn an fand Bezzecchi keine konkurrenzfähige Pace, um eine Chance auf das Podest zu haben. Deshalb fiel er auf Platz sechs zurück:"Unterm Strich war ich heute schlichtweg zu langsam unterwegs, etwa eine Sekunde zu langsam.
"Im Nachhinein betrachtet schätzte er die Wahl für den Medium-Hinterreifen doch als falsch ein. Während Bezzecchi mit diesem Reifen keinen extremen Verschleiß hatte, stellte sich die Situation bei Miller anders dar.
"Mein Reifen hatte jede Menge Blasen. Extrem viele Blasen", berichtet der Yamaha-Fahrer.
"Ich habe mich schlichtweg für den Medium entschieden, weil mir die Stabilität mit diesem Reifen gefällt. " "Der Unterschied beim Grip war für uns nicht gewaltig. Aber in der Mitte der Lauffläche war das Ding völlig zerfurcht von Blasenbildung. Richtig extrem.
Nicht ganz so übel wie bei 'Pecco', aber nicht weit davon entfernt.
"Am späten Nachmittag wurde im Paddock darüber diskutiert, ob Michelin für den Grand Prix über die doppelte Distanz des Sprints den harten Reifen mit der verstärkten Karkasse für alle verpflichtend vorschreiben könnte. Miller war bereits unmittelbar nach dem Sprint überzeugt, dass das so kommen würde. Da dieser harte Reifen aber in den Trainings von keinem Team verwendet worden ist, würde das eine Herausforderung darstellen.
"Das gesamte Mapping würde komplett anders sein", verweist Miller auf die Elektronik. "Die gesamte Vorarbeit, die wir das ganze Wochenende über geleistet haben, wäre damit im Grunde für die Tonne. "Nach Diskussionen mit den Teams ergriff Michelin eine Maßnahme, schrieb aber nicht die Verwendung des harten Reifens zwingend vor. Lediglich der weiche Reifen wurde für den Rennsonntag aus dem Kontingent zurückgezogen.
Einige Teams ließen von den Michelin-Ingenieuren harte Hinterreifen auf die Felgen aufziehen. Damit die Teams etwas mehr Zeit haben, diesen Reifen kennenzulernen, wurde das Warm-up vor dem Grand Prix um zehn Minuten verlängert. Michelin emphielt die Verwendung dieses Reifens. Michelin-Manager Piero Taramasso erklärt nach der internen Analyse, warum manche Fahrer im Sprint Probleme hatten und andere nicht.
"Ein wesentlicher Faktor im Sprint ist, dass der Benzinverbrauch keine Rolle spielt. Die Piloten haben die volle Leistung zur Verfügung und fahren wie verrückt mit Vollgas von der ersten bis zur letzten Runde.
" "In so einem Szenario bekommt man extrem viel Energie in den Reifen, und der Schlupf am Hinterrad macht die Sache keineswegs besser", sagt Taramasso. "Unter diesen Bedingungen muss man sich den Reifen erst recht einteilen. " "Manchen Fahrern und Motorrädern gelingt das besser als anderen, denn das oberste Ziel lautet: weniger Energie und Hitze in den Pneu bringen sowie durchdrehende Räder vermeiden.
" "Letztendlich hatten einige Piloten mit massiver Blasenbildung zu kämpfen, darunter zwei Fahrer auf Aprilia und einer auf Ducati. Bei anderen wiederum, wie bei Marc auf der Ducati, gab es absolut gar nichts, der weiche Reifen funktionierte einwandfrei.
" "Bei KTM hatten alle Motorräder keine Probleme, und bei Honda war lediglich ein Bike betroffen. Das Ganze hängt also maßgeblich vom Fahrstil, dem Reifenmanagement und der Abstimmung des Motorrads ab. "
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