Auch zum Herbst führt der Rhein in NRW weiterhin deutlich zu wenig Wasser - mit enormen Auswirkungen auf die Wirtschaft.
Auch zum Herbst führt der Rhein in NRW weiterhin deutlich zu wenig Wasser - mit enormen Auswirkungen auf die Wirtschaft. Vor rund zwei Monaten haben wir bereits über die Auswirkungen des niedrigen Rheinpegels auf die im Neusser Hafen gelegene Produktion der Ölmühle C. Thywissen berichtet.
In einem aktuellen Interview mit"WDR5 - das Wirtschaftsmagazin" erklärt Geschäftsführer Timo Windhopf, wie das Unternehmen wirtschaftlich mit dem Dauerniedrigwasser klarkommt. Die Lage ist unverändert zu dem Zeitpunkt, wo wir uns das letzte Mal unterhalten haben. Sogar noch etwas schlimmer. Die Pegel sind auf ein Rekordniedrigniveau gefallen, und wir kämpfen immer noch mit den gleichen Problemen und Sorgen wie damals.
Und das ist ja, unsere Ölmühle mit Waren zu versorgen und unsere Produkte wieder auszuliefern. Sie müssen sich vorstellen, dass ein Binnenschiff jetzt nur noch ein Viertel von der Menge, die wir sonst transportieren, tragen kann. Und das heißt natürlich, dass wir das Vierfache an Schiffsraum benötigen. Und das ist eine immense Belastung für Mensch und Maschine, weil die Schiffe müssen alle geplant, gebucht werden.
Die müssen fakturiert werden, die müssen verladen werden, die müssen entladen werden. All das erhöht den Aufwand im Moment extrem , natürlich ganz vorneweg auch die Kosten. WDR: Wie kann man sich das vorstellen? Heißt es, dass der Neusser Hafen überfüllt ist, weil mehr Schiffe ankommen für weniger Ware?
Das ist genau so. Wir versuchen natürlich trotzdem so zu planen, dass der Hafen nicht rappelvoll ist. Aber unter dem Strich ist es so, dass wir das Vierfache an Schiffsraum brauchen - wenn wir ihn überhaupt finden. Das ist natürlich die Schwierigkeit.
Die Binnenschifffahrtsindustrie kann natürlich nicht für solche Engpasssituationen den Schiffsraum vorhalten. Das heißt, die Frachten gehen auch nach oben und es findet ein großer Wettbewerb um den Schiffsraum statt. Und was man dann auch versucht: das mit einer Verlagerung auf Straße und Schiene zu kompensieren. Was aber nur begrenzt möglich ist, weil auch da die Kapazitäten schon ausgenutzt sind.
Dank der guten Mitarbeiter haben wir es geschafft, die Produktion am Laufen zu halten. Normalerweise planen wir etwa sechs Wochen nach vorne unsere Produktion. Jetzt ist es so, dass wir eigentlich täglich die Produktion anpassen und zumindest wöchentlich nur wissen, ob wir es schaffen weiterzulaufen oder nicht. WDR: Für Sie als Unternehmen: Welche Konsequenzen hat das jetzt wirtschaftlich?
Müssen Sie dann die Preise erhöhen oder sind da Verträge nicht bedienbar? Ja, zuerst geht es zu Lasten unseres Unternehmens, weil unsere Kunden in der Regel Kontrakte haben für die nächsten drei bis sechs Monate. Insofern bleibt der Schaden kurzfristig bei der Firma C. Thywissen. Mittelfristig ist es aber natürlich so, dass das in die Preise einkalkuliert wird und dann auch beim Endkonsumenten ankommen wird.
WDR: Die Waren jetzt über die Straße zu bekommen oder über die Schiene - das geht nicht so einfach, das funktioniert nicht? Was ist da das Problem? Sie müssen sich vorstellen, wir transportieren zwei Millionen Tonnen Produkt im Jahr. Davon 70 Prozent per Binnenschiff, also 1,4 Millionen Tonnen circa.
Das kann man nicht einfach auf die Straße oder auf die Schiene verlagern. Wir tun das teilweise, wir erhöhen unsere Kapazitäten bis ans Möglichste, aber auch da sind mehrere Grenzen gesetzt. Zum einen Grenzen der Verladekapazitäten, aber auch Grenzen der Verfügbarkeit von LKW. Und das Gleiche gilt auch für die Bahn.
Da ist das gleiche Thema, dass die Infrastruktur nicht vorhanden ist, um das eins zu eins auszugleichen. Hier werden auch deutliche Investitionen perspektivisch notwendig. WDR: Wenn es die nächsten Wochen trocken bleibt, wie werden Sie darauf reagieren? Haben Sie dafür schon Pläne in der Tasche?ir werden das tun, was wir die letzten Wochen und Monate getan haben.
Wir werden weiter so viel wie möglich Schiffe befrachten und LKW und Züge befrachten, um die Produktion am Laufen zu halten. Kurzfristig ist es so, dass wir jetzt keine Maßnahmen in der Infrastruktur ergreifen können. Wir haben schon die letzten Jahre in Siloraum investiert. Aber auch in Tankraum, um nicht ganz so anfällig zu sein beziehungsweise um die Produktion auch bei langsamer Anlieferung entsprechend lang laufen lassen zu können.
Aber das sind alles Sachen, die wir schon getan haben und wo wir auch die Möglichkeiten schon genutzt haben. Wir können das jetzt nicht auf den den Euro sagen, aber was wir im Moment schon sagen können, ist, dass es allein für unser Unternehmen in die Millionen geht. Für die Online-Version wurde das Interview leicht gekürzt und für eine bessere Lesbarkeit angepasst, ohne den Inhalt zu verändern.
Das vollständige Gespräch als Audio gibt es hier unten zum Nachhören:Du willst mehr Beiträge vom WDR direkt oben in der Suche bei Google sehen? Dann füge uns jetzt als"Bevorzugte Quelle" hinzu. Tankrabatt verpufft an Grenze Heute sollten in Aachen die Sprit-Preise purzeln. Günstiger war es auch. Aber warum zahlen wir immer noch mehr als in Belgien.
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