Viertklässler lernen bei einem Aktionstag des Heimatvereins, wie aufwendig die Herstellung von Nahrungsmitteln früher war.
Viertklässler lernen bei einem Aktionstag des Heimatverein s, wie aufwendig die Herstellung von Mehl früher war. Die Kinder erleben, welche Arbeit in unseren Nahrungsmitteln steckt. Mit einer alten Handdrehmühle mahlen die Viertklässler der Katholischen Grundschule Stukenbrock beim Aktionstag des Heimatverein s selbst Getreide zu Mehl.
| © Sigurd Gringel Schloß Holte-Stukenbrock. Heute ist es selbstverständlich, Mehl, Brot, Brötchen und verschiedene Backvariationen fertig zubereitet im Geschäft zu kaufen. Welche Arbeit dahinter steckt, ist mitunter gar nicht bekannt. Noch diffuser wird das Wissen darüber, welche Mühe die Erzeugung von Nahrungsmitteln vor dem Einsatz großer Erntemaschinen in der Landwirtschaft den Menschen bereitet hat.
Oft erinnern sich nur die Älteren. Viertklässler der Katholischen Grundschule Stukenbrock staunen daher bei einem Aktionstag an den Heimathäusern, wie viele arbeitsintensive Schritte einst nötig waren, um aus dem Getreidekorn Mehl herzustellen. Anleitung finden sie bei engagierten Lokal-Historikern. Dieser Ausschnitt der jüngeren Geschichte steht nicht auf dem Lehrplan von Grundschulen, sagt Klassenlehrerin Valerie Kramme.
Sie ist mit Kindern der 4c zu Gast am Pastorat. Tage zuvor waren bereits die Parallelklassen da. Das Angebot des Heimatvereins nimmt die Schule gern wahr. Der Weg ist nah und der Unterricht abwechslungsreich.
Steinzeit, ja, davon haben die Kinder schon mal gehört. Allerdings ist die Steinzeit als Epoche zeitlich so umfangreich, dass nur Ausschnitte schlaglichtartig behandelt werden können. Den überwiegenden Teil der Menschheitsgeschichte verbrachte Homo sapiens umherziehend. In der Mittelsteinzeit, nach dem Rückzug des Eises aus Europa nach Norden, waren Jäger und Sammler mit einfachen schnell ab- und wieder aufbaubaren zeltartigen Hütten auch in der Senne unterwegs.
Erst in der Jungsteinzeit – in Mitteleuropa in etwa ab dem 6. Jahrtausend v. Chr. – brachten Einwanderer aus dem Donauraum und Südosteuropa die Kulturtechniken des Ackerbaus und der Viehzucht mit.
Das ist in der Anthropologie wissenschaftlicher Konsens.
„Von Korn zum Mehl“ heißt der Aktionstag, den der Heimatverein – unterstützt vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe – zum dritten Mal anbietet. Und eigentlich ist auch er nur ein Ausschnitt, sagt der ehemalige Grundschullehrer und Projektleiter Heribert Faupel. Denn ohne die richtige Bodenbearbeitung gedieh auf den Sandäckern nicht viel. Die Vorfahren wendeten Plaggenwirtschaft an.
Sie stachen das Heidekraut mitsamt dem Wurzelhorizont ab, ließen das Vieh im Stall darauf ihr Geschäft erledigen und trugen das Gemisch wieder als Dünger auf die Äcker auf. So entstand der Plaggenesch als Bodenschicht. Dennoch war meist nur der Anbau des genügsamen Roggens möglich. Das vermittelt Faupel den Kindern in einem Vortrag und anhand von historischen Ackergeräten im Spielzeugformat.
Die Sammlung ist dem Heimatverein vor Jahren zur Verfügung gestellt worden und befindet sich unter dem Dach. Gerd Sieweke, der zusammen mit seiner Frau Gabi den Pensionär Heribert Faupel unterstützt, zeigt den Kindern, wie per Hand die Getreidekörner gesät – vielmehr geworfen – wurden. Nicht wenige Körner landen zur Belustigung der Kinder in ihren Haaren. Um nicht den Wuchs und die Ernte abwarten zu müssen, stehen einige Getreidebündel schon bereit.
Und jetzt sind die Kinder dran. Mit Dreschflegeln schlagen sie auf die Ähren. Dann gilt es, die „Spreu vom Weizen“ zu trennen. Heribert Faupel zeigt, wie das einst mit einer großen Wanne vor dem Bauch erledigt wurde.
Alles wird kurz in die Luft geworfen, die schwereren Körner fallen zurück in die Wanne, die leichten Spelzen packt der Wind. Und weil die Menschen erfinderisch sind, haben sie später eine Windfege gebaut, um mit einer Kurbel selbst einen Luftzug zu erzeugen, falls es mal windstill sein sollte. Dann geht es an verschiedene Arten des Mahlens. Stampfend mit einem Mörser oder drehend mit einer römischen Handdrehmühle.
„Puh, das ist ganz schön schwer“, stöhnt Danil und lässt sich gern von seinen Mitschülerinnen ablösen. Dann ist’s geschafft. Die Kinder probieren noch ihr selbst gemahlenes Mehl und stecken sich übrig gebliebene Getreidekörner in die Hosentaschen für zu Hause.
„Schmeckt gut“, bestätigt Annika. Den letzten Arbeitsschritt kann der Heimatverein nicht zeigen. Zum Brotbacken fehlt ein geeigneter Ofen. Die Kinder nehmen dennoch viel Heimatwissen mit nach Hause. Ein Webabo bietet Zugriff auf alle Artikel.
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