Die Gütersloher Familie hatte ihr Haus erst vor Kurzem aufwendig sanieren lassen. Jetzt musste das Solardach nach einem Brand komplett abgerissen werden.
Gütersloh . Viel ist nicht mehr übrig. Der gesamte Dachstuhl ist abgetragen, vom Obergeschoss ist nur noch ein Rumpf zu erkennen, und auch das Erdgeschoss hat stark gelitten.
Das Einfamilienhaus in einer Siedlung in Avenwedde, am Wochenende Schauplatz eines Brandes, ist vermutlich nicht zu retten. Der Schaden fällt auch deswegen so gravierend aus, weil es die Feuerwehr so schwer hatte, die Glutnester zu löschen. Sie kam nur schlecht heran. Erst nach anderthalb Tagen konnte die Feuerwehr ihren Einsatz beenden.
Am Samstag war sie gegen 13.20 Uhr eingetroffen, am Sonntag rückte sie gegen 18 Uhr wieder ab. Während all dieser Stunden sahen sich die Einsatzkräfte vor allem vor die Herausforderung gestellt, unters Dach zu gelangen, die Dämmung zu löschen. Immer wieder flammten Glutnester auf. Bei der Suche nach den Ursachen lautet nun eine der Fragen, ob die besondere Dachkonstruktion des Hauses den Brand begünstigt hat.
Mehr dazu: Gütersloher Feuerwehrmann erleidet Stromschlag: Stundenlanger Einsatz nach gefährlichem Brand Seltene Dachkonstruktion in der Region Denn: Das Haus hatte ein komplettes Solardach. Es war eines der wenigen in der Region, die nicht mit herkömmlichen Dachpfannen, sondern mit Solarschindeln gedeckt sind. Diese sind gewissermaßen ein Kombi-Produkt aus Ziegel und Solarpaneel und ersetzen die Pfannen. Sie bilden die Dachhaut.
Direkt unter den Schindeln kommen schon Sparren und Dämmung. Eine solche Bauweise ist bislang ungewöhnlich. Große heimische Solarfirmen wie Ewenso bieten dieses Produkt nicht an.
„Wir vermuten, dass der Marktanteil von Solarschindeln auch in Zukunft gering sein wird“, so ein Firmensprecher. Grund sei aber nicht eine Brandgefahr, sondern die hohen Vorlaufkosten; es dauere, bis sich die Investition amortisiert habe. Der heimische Dachdeckerbetrieb hingegen, der das Dach bei dem Brandhaus in Avenwedde deckte, beobachtet inzwischen eine steigende Nachfrage.
„In manchen Fällen scheint das eine vernünftige Option zu sein“, so der Betriebsinhaber. Familie hatte Haus vor zwei Jahren sanieren lassen Das Brandhaus in Avenwedde stammt aus 1995. Vor gut zwei Jahren hatte es die Familie umfassend sanieren lassen und dabei auch das Dach vollständig erneuert. Die Familie ist auf vielen Ebenen bemüht, klimaneutral zu leben.
Die Photovoltaik, die Warmwasseranlage, die Klimaanlage, die Autos, die elektrischen Geräte im Keller: Fast alles läuft über Sonnenstrom. Die Inbetriebnahme des Solardaches sei im Januar 2024 erfolgt, so der Dachdecker. Weil das Haus groß sei, das Walmdach viel Fläche biete und auch die Gauben bestückt wurden, liefere die Anlage die für ein Einfamilienhaus bemerkenswerte Leistung von 33 Kilowatt. Zum Vergleich: Nach Angaben der Gütersloher Stadtwerke liegen die üblichen PV-Anlagen meistens zwischen 10 und 20 KW.
Die Anlage in Avenwedde stammte vom Unternehmen SolteQ , dem Marktführer auf diesem Gebiet. 2012 hatte SolteQ die ersten Dächer in Deutschland mit seinen speziellen Schindeln belegt. Brandursache ist noch immer unklar Damit das Dach einheitlich aussah, verlegte der Dachdecker auch einige Blindschindeln. Deren Anteil habe bei etwa 30 Prozent gelegen. Um die elektrische Verkabelung habe sich ein Installateur eines anderen Unternehmens gekümmert.
Über die Ursache des Brandes könne er nur spekulieren. Möglicherweise habe das Zusammenspiel der vielen Kabel eine Rolle gespielt, möglicherweise die starke Sonneneinstrahlung am Samstag, möglicherweise habe ein Kurzschluss das Feuer ausgelöst, möglicherweise eine Kombination von mehreren Faktoren, möglicherweise seien am Ende Mäuse schuld. Lesen Sie auch: Hausbewohnerin nach folgenschwerem Brand in Rietberg gestorben Auch die Feuerwehr hält sich mit Aussagen zur Brandursache zurück. Dazu gebe es bisher keine Erkenntnisse, so Einsatzleiter Edgar Leingang.
Dass sich das Löschen des Feuers so schwierig gestaltete, habe unter anderem an der schlechten Erreichbarkeit der Gebäuderückseite, der eigentlichen „Brandseite“ gelegen.
„Nur unter großer Anstrengung war es möglich, von außen oder innen an die eigentliche Brandquelle zu kommen“, berichtet Leingang. Feuerwehrmann erleidet einen Stromschlag Wegen der flächendeckenden Photovoltaik schied aus, das Dach über Steckleitern zu besteigen. Die Feuerwehr hatte daher Spezialisten der Höhenrettung hinzugezogen. Abgeseilt und gesichert über eine Drehleiter, trugen sie in mühsamer Hand- und Kleinarbeit die Solarschindeln ab, um an die Brandherde zu kommen.
Ihre Vorsicht war begründet. Beim Versuch, das Dach zu öffnen, hatte einer der Feuerwehrmänner einen Stromschlag erlitten. Er konnte das Krankenhaus laut Leingang aber nach wenigen Stunden ohne bleibenden Schaden verlassen. Hintergrund: Brandgefahr durch Photovoltaik: Wie sicher ist meine Solaranlage?
Als problematisch erwies sich die Art der Dämmung. Sie bestand aus mehreren Schichten - eine Aufsparrendämmung, die unter anderem aus gepresstem Holzmaterial und der klassischen Mineralwolle besteht. Sie bewirkt, dass eine Dach-Holzkonstruktion bestens isoliert ist, gilt zudem als schwer entflammbar. Passiert es dennoch, ist das Material allerdings schwer zu löschen.
So war es offenbar bei dem Haus in Avenwedde der Fall.
„Der Einsatz mehrschichtiger Dämmungen kann dazu führen, dass das Auffinden und Ablöschen von Glutnestern mit mehr Aufwand verbunden ist“, berichtet Leingang. Aktuelle News erhalten Sie täglich über den Whatsapp-Kanal der NW Gütersloh Familie bemühte sich, Hab und Gut zu sichern Wie kompliziert der Brand in Avenwedde war, zeigt sich auch daran, dass die Feuerwehrleute mehrfach anrückten. Immer wieder glimmte das Feuer auf, so nachts um 3 Uhr, zwölf Stunden nach dem ersten Entfachen und nach etlichen Stunden des Löschens.
Am Ende entschied man sich, die Abbruchfirma Hagedorn anzurufen, um das komplette Dach abzutragen. Die Familie bemühte sich derweil, Hab und Gut zu sichern. Doch der Schaden ist immens. .responsive23-72pDEN2qlArzcuPf-choro-ausbau-der-solarenergie-in-owl { width: 100%; padding-top: 100%; } @media { .responsive23-72pDEN2qlArzcuPf-choro-ausbau-der-solarenergie-in-owl { padding-top: 100%; } } @media { .responsive23-72pDEN2qlArzcuPf-choro-ausbau-der-solarenergie-in-owl { padding-top: 142.86%; } }
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