Eine Studie zeigt: 147 Abgeordnete aus 22 EU-Ländern sind Opfer sexualisierter Deepfakes. 119 EU-Parlamentarier fordern schärfere Maßnahmen.
Eine neue Studie der Berliner Denkfabrik Agora Digitale Transformation zeigt, dass 147 Abgeordnete nationaler Parlamente in 22 EU-Ländern Opfer sexualisierter Deepfakes geworden sind. Die Forschenden durchsuchten bekannte Deepfake-Seiten nach den Namen von 5.872 Abgeordneten aus allen 27 EU-Staaten. Im EU-Parlament machen 119 Abgeordnete Druck für schärfere Maßnahmen gegen sexualisierte Deepfakes.
Hintergrund und Methodik der Studie
Für die Studie durchleuchteten die Forschenden unter anderem bekannte Deepfake-Seiten. Dort suchten sie nach den Namen von 5.872 Abgeordneten der nationalen Parlamente aller 27 EU-Staaten.
In 38 Fällen stießen sie direkt auf gefälschte sexualisierte Bilder oder Videos der Abgeordneten. Darüber hinaus suchten sie nach Spuren bereits entfernter Inhalte sowie nach Deepfake-Werkzeugen, die dazu einladen, sexualisierte Aufnahmen der Betroffenen zu erstellen.
Insgesamt konnten die Forschenden auf diese Weise ermitteln, dass 147 Abgeordnete aus 22 EU-Ländern zum Ziel nicht-einvernehmlicher, sexualisierter Deepfakes geworden sind.
Die Ergebnisse der Studie zeigen außerdem, dass weibliche Abgeordnete von sexualisierten Deepfakes deutlich häufiger betroffen sind als männliche. Von den 147 Betroffenen waren 138 Frauen und neun Männer.
Betroffene und Reaktionen
Auch die aus Österreich stammende EU-Abgeordnete Lena Schilling (Grüne) wurde Ziel von sexualisierten Deepfakes. Sie sagte, man habe sie gegen ihren Willen ausgezogen.
Die Studie rückt die Frage nach der Wirksamkeit bestehender Regelungen in den Blick. In manchen der 22 Länder gibt es bereits Gesetze gegen Deepfakes. Den Autorinnen und Autoren zufolge hatte das jedoch keine sichtbare Wirkung auf die Zahl der betroffenen Abgeordneten.
In ihrem offenen Brief fordern die 119 Abgeordneten des EU-Parlaments unter anderem klare Vorgaben und ausreichend ausgestattete Behörden, damit das kommende EU-weite Verbot sogenannter Nudifier-Apps tatsächlich durchgesetzt werden kann.
Die Abgeordneten machen jedoch deutlich, dass ein Verbot allein nicht ausreiche. Ein Verbot auf dem Papier schützt niemanden, solange es nicht durchgesetzt wird, heißt es in dem Brief.
Unterzeichnet wurde der Brief partei- und länderübergreifend, unter anderem von den deutschen Abgeordneten Alexandra Geese (Grüne), Tiemo Wölken (SPD), Martin Schirdewan (Die Linke) und Dennis Radtke (CDU).
Weiter heißt es in dem offenen Brief über sexualisierte Deepfakes, dies sei geschlechtsspezifische digitale Gewalt. Ihr Zweck sei die Demütigung und Kontrolle über die Körper von Frauen. Jede junge Frau, die eine politische Karriere in Betracht ziehe, müsse heute einkalkulieren, dass ihr so etwas passieren könnte.
Forderungen und Empfehlungen
Auch Agora Digitale Transformation hat Forderungen gegen sexualisierte Deepfakes. Die Autorinnen und Autoren empfehlen unter anderem, Suchmaschinen stärker in den Blick zu nehmen.
Selbst wenn Deepfakes bereits offline sind, könnten Suchmaschinen noch entsprechende Suchergebnisse anzeigen, was sich auf den Ruf und auf die Psyche der Betroffenen auswirke.
Die Studie und der offene Brief unterstreichen die Dringlichkeit, bestehende Gesetze zu verbessern und deren Durchsetzung zu gewährleisten, um Betroffene wirksam zu schützen.
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