Es ist eine unfassbare Bluttat: Ein 32-jähriger Bundeswehrsoldat ist dringend verdächtig, vier Menschen getötet zu haben, darunter ein Kind. Nur acht
Es ist eine unfassbare Bluttat: Ein 32-jähriger Bundeswehrsoldat ist dringend verdächtig, vier Menschen getötet zu haben, darunter ein Kind. Nur acht Minuten sind es mit dem Auto von Scheeßel bis nach Bothel im Landkreis Rotenburg/Wümme – das sind die beiden Tatorte.
Noch steht das Motiv des mutmaßlichen Täters nicht zweifelsfrei fest. Möglicherweise hat er sich aber an seiner Ex-Freundin rächen wollen, die sich von ihm getrennt hat. Doch sie selbst hat er leben lassen. Er folgte dabei, so vermuten die Ermittler, einem teuflischen Plan. Noch steht das Motiv des mutmaßlichen Täters nicht zweifelsfrei fest. Möglicherweise hat er sich aber an seiner Ex-Freundin rächen wollen, die sich von ihm getrennt hat. Doch sie selbst hat er leben lassen. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern, und die ersten Frühlingsblüher sprießen im Garten vor dem Backsteinhaus im niedersächsischen Scheeßel. Ein paar Bälle liegen auf dem Rasen, daneben stehen eine Schaukel und ein großes Trampolin. Eine Idylle – wären da nicht das Polizeiabsperrband und ein Polizeiwagen mit Blaulicht in der Einfahrt. Ein Kätzchen streift ums Haus. Beamte der Spurensicherung versuchen, sie zu verscheuchen, damit Aufnahmen einer 3D-Kamera nicht gestört werden. Ein Beamter der Spurensicherung am Tatort in Scheeßel. Im Garten liegen Bälle, ein Trampolin ist aufgebaut.Ein Beamter der Spurensicherung am Tatort in Scheeßel. Im Garten liegen Bälle, ein Trampolin ist aufgebaut. Ein Nachbar in Scheeßel erzählt, dass mitten in der Nacht, etwa um halb vier am Freitagmorgen, seine Eltern aus dem Schlaf hochgeschreckt seien. Mehrere Schüsse fielen. „Man denkt, wenn man so was hört, dass das total weit weg ist“, sagt der 22-Jährige. „Aber dann aus dem Fenster zu gucken, wenn das so zwei Meter von einem entfernt ist – das ist natürlich ein ganz anderes Gefühl.“ Stunden später die traurige Gewissheit: Eine 55-jährige Frau und ein 30 Jahre alter Mann im Nachbarhaus sind tot. Auch in Bothel fielen Schüsse, wohl nur Minuten später. Eine 33-jährige Mutter und ihr dreijähriges Kind verloren dabei ihr Leben. Ein Bundeswehrsoldat soll an den beiden Tatorten zur Waffe gegriffen haben. Er folgte dabei, so vermuten die Ermittler, einem teuflischen Plan: Demnach hat er erst in Scheeßel den neuen Partner seiner Ex und dessen Mutter erschossen, dann ist er mit dem Auto nach Bothel gefahren, um dort in dem beschaulichen Neubaugebiet nicht etwa seine Ex-Partnerin zu erschießen, sondern deren beste Freundin. Ihr Kind tötete er gleich mit. Grausam: Direkt nebenan wohnen die Eltern bzw. Großeltern der Opfer.Ein Nachbar glaubt die Erklärung zu kennen: „Er wollte seiner Ex-Partnerin das Leben zur Hölle machen“, sagt der Mann, der im Haus neben dem Tatort wohnt. „Das Schlimmste, was du jemandem antun kannst, ist, ihm das wegzunehmen, was ihm lieb ist.“ In diesem Fall die beste Freundin. Die Ex-Partnerin, die nur eine Straße weiter wohne, müsse jetzt damit fertig werden, dass ihretwegen die beste Freundin und deren Kind sterben mussten. Sämtliche Anwohner, auch wenn sie keinen direkten Kontakt zur getöteten Frau hatten, sind schockiert. Ein Mann, der schräg gegenüber wohnt, sagt: „Ich wollte gerade zur Arbeit, dann war da überall nur Polizei.“ Eine andere Nachbarin habe ein „mulmiges Gefühl“, sagt sie. Es sei erschreckend zu wissen, dass so etwas im direkten Umfeld passieren könne. Die Frau hält ihre Tochter im Arm und sagt: „Unsere Kinder haben zusammen gespielt. Es ist einfach nur furchtbar.“In dieser Doppelhaushälfte wohnte die Frau mit ihrem Kind. Nebenan leben ihre Eltern. Nach den beiden Taten fuhr der Beschuldigte zurück zur Von-Düring-Kaserne in Rotenburg, wo unter anderem das Jägerbataillon 91 untergebracht ist, dem er angehört. Dort hat er sich dann gestellt und sich widerstandslos festnehmen lassen, so ein Polizeisprecher. Die Staatsanwaltschaft beantragte U-Haft.Als die Polizei das vor der Kaserne abgestellte Fahrzeug des mutmaßlichen Täters durchsuchte, steckte in der Fahrertür ein Molotowcocktail. Im Kofferraum lagen neben einem Bundeswehr-Rucksack Patronen. Was der Soldat damit vorhatte? Das müsse erst noch herausgefunden werden, so ein Polizeisprecher. Die Ermittler prüfen auch, ob die Tatwaffe von der Bundeswehr stammt. Der Wagen des Soldaten wurde vor der Kaserne sichergestellt – in den Kreisausschnitten sind der Molotow-Cocktail in der Fahrertür und die Munition auf dem Gehweg zu sehen.Der Wagen des Soldaten wurde vor der Kaserne sichergestellt – in den Kreisausschnitten sind der Molotow-Cocktail in der Fahrertür und die Munition auf dem Gehweg zu sehen. Zum Hintergrund und zu den Beziehungsverhältnissen zwischen dem Verdächtigen und den Toten sagte die Staatsanwaltschaft nichts. Ein Sprecher räumte aber ein: „Eine Motivlage im familiären Umfeld kann nicht ausgeschlossen werden.“ Der Tatverdächtige soll nach MOPO-Informationen kampferfahren und als Scharfschütze für die Bundeswehr im Einsatz gewesen sein, darunter mehrfach in Afghanistan. Vor einigen Monaten hatte sich seine Freundin von ihm getrennt, so erzählen Bekannte. Das alles soll ihn fertiggemacht und seiner „ohnehin angeknacksten Psyche den Rest gegeben“ haben.
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