Sport-Investments werden zum Hedge gegen KI-Risiken

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Die Transaktionsaktivität am US-Sportmarkt nimmt stark zu. Dabei sind Investments in Ligen und Franchises aufgrund ihrer geringen Korrelation zu anderen Assets inzwischen auch bei einem breiteren Wealth-Publikum gefragt.

Die Transaktionsaktivität am US-Sportmarkt nimmt stark zu. Dabei sind Investments in Ligen und Franchises aufgrund ihrer geringen Korrelation zu anderen Assets inzwischen auch bei einem breiteren Wealth-Publikum gefragt.

Luka Doncic ist der Star im Kader des Los Angeles Lakers, die jüngst für eine Rekordsumme den Besitzer gewechselt haben. Luka Doncic ist der Star im Kader des Los Angeles Lakers, die jüngst für eine Rekordsumme den Besitzer gewechselt haben. Die Transaktionsaktivität am US-Sportmarkt nimmt stark zu. Dabei sind Investments in Ligen und Franchises für Multimilliardäre keine reine Hobby-Veranstaltung mehr, sondern aufgrund ihrer geringen Korrelation zu anderen Assets inzwischen auch breiter gefragt.

Amerikas Sportmarkt hat äußerst geschäftige Monate hinter sich. Mit dem Fußballclub Sporting Kansas City, den Basketball-Teams Los Angeles Lakers, Portland Trail Blazers und Minnesota Timberwolves, den Baseball-Franchises Los Angeles Angels und San Diego Padres, dem Eishockey-Vertreter Pittsburgh Penguins sowie den American-Football-Champions Seattle Seahawks haben 2026 bisher acht Marken der „Big Five“-Sportligen Nordamerikas die Besitzer gewechselt. Laut der auf Sport-Deals spezialisierten Investmentbanking-Boutique Game Plan summiert sich das Gesamtvolumen der acht Transaktionen auf 41,2 Mrd. Dollar.

Das ist der mit Abstand größte jährliche Umfang. Besondere Aufmerksamkeit hat dabei der Rekord-Verkauf der Lakers auf sich gezogen. Mitte August sicherte sich eine Investorengruppe um Ex-Disney-CEO Bob Iger und Josh Kushner, den Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, das nach den Boston Celtics erfolgreichste Franchise der National Basketball Association für 12,5 Mrd. Dollar.

Dabei hatte es erst ein Jahr zuvor den Besitzer gewechselt: US-Milliardär Mark Walter hatte die Lakers 2025 für 10 Mrd. Dollar von der Familie Buss gekauft, die das Team über 46 Jahre als Eigentümer zum Aushängeschild des amerikanischen Basketball-Booms formte. Doch Walter, bekannt als CEO des Finanz-Konglomerats Guggenheim, geriet unter Liquiditätsdruck, nachdem das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC Untersuchungen wegen mutmaßlich falsch ausgewiesener Private-Equity-Finanzierungen in den Portfolios zweier seiner Versicherungsunternehmen aufgenommen hatten.

Laut Game Plan veranschaulichen die jüngsten Besitzerwechsel eine Verschiebung im Markt hin zu einer neuen Gruppe von Eigentümern, die nicht dem alten Geldadel entstammen, sondern ihr junges Vermögen im Tech-, Medien- oder Finanzsektor aufgebaut haben. Damit ergäbe sich die Aussicht auf eine höhere Transaktionsfrequenz – und wie schnell sich tiefe Kapitalpools formierten, wenn solche Assets verfügbar würden, unterstreiche, wie hoch die Nachfrage ausfalle. Doch bieten Sport-Investments längst nicht mehr nur eine Spielwiese für Multimilliardäre.

Für die Privatbanker von JPMorgan Chase bieten sie auch großes Potenzial für ein breiteres Wealth-Publikum – gerade in einer Zeit, in der Marktteilnehmer zunehmend nach alternativen Anlagen zu den allgegenwärtigen KI-Investments suchten. Denn wie das führende US-Geldhaus und andere Institute gegenüber vermögenden Individualkunden betonen, mögen lernfähige Systeme künftig zwar den Betriebsablauf der Franchise-Organisationen und zum Beispiel über dynamische Preissetzungen auch das Ticketing beeinflussen – das Kernprodukt Sport bleibe davon aber weitgehend unbeeinflusst.

Die New York Yankees, so spitzen Investmentbanker gerne zu, seien mit 1000-fach größerer Wahrscheinlichkeit in 100 Jahren noch im Geschäft als jedes Software-as-a-Service-Unternehmen. Im Vergleich zu anderen Anlagen, die nicht mit dem KI-Boom korrelierten oder höchstens indirekt von diesem profitierten – darunter lokale Versorger – seien Sportinvestments zudem aufgrund des Glamour- und Identifikationsfaktors attraktiver.

Doch auch die Deutsche Bank betont, dass der Markt nicht länger nur ein Segment darstelle, in dem sich Superreiche auf der Suche nach persönlichen Trophäen tummelten, sondern neben Staatsfonds auch Private-Equity-Vehikel und über Family Offices auch mittelständische Unternehmer.

„Der Eintritt professionell verwalteten Kapitals hat die Evolution des Sektors beschleunigt und zugleich die Governance und Effizienz im Betriebsablauf gestärkt sowie neue Gelegenheiten zur Wertschöpfung eröffnet“, heißt es bei dem Frankfurter Geldhaus. Dies sei nirgendwo so klar ersichtlich wie in Nordamerika. Franchises über mehrere Sportarten hinweg punkteten mit einer „Kombination begehrter Investment-Charakteristika“.

Denn sie stellten knappe Assets dar: In der National Football League , der National Basketball Association , der National Hockey League und der Major League Baseball spielten zusammengenommen nur 124 Mannschaften. Zwar komme es hin und wieder zu Expansionen, dafür gebe es jedoch hohe Hürden. So müssen die Eigentümer der Bestandsteams zwischen einem kurzfristigen Geldregen, der ihnen durch Beitrittsgebühren der neuen Franchises blüht, und einer langfristigen Verwässerung ihrer Einnahmen aus Medien- und Sponsoring-Vereinbarungen abwägen.

Auch fürchten sie, die Spielqualität aufzuweichen und das Produkt so für den Zuschauer unattraktiver zu machen.picture alliance / AP Photo/Stephen Brashear | Stephen Brashear Während die NHL mit den Seattle Kraken 2021 ein vollkommen neues Franchise aufnahm, liegen Erweiterungen in den drei anderen Top-Sportarten deutlich länger zurück. In der MLB kam es letztmals 1998 dazu, in der NFL 2002 und in der NBA 2004.

Die Basketball-Liga diskutiert derzeit mit drei verschiedenen Investorengruppen über ein neues Team in Las Vegas, das gemäß ursprünglicher Hoffnungen in der Saison 2028/29 den Spielbetrieb aufnehmen sollte. Nun häufen sich aber Insiderberichte, gemäß denen sich der Start um mindestens ein Jahr verschiebt. Auch die Rückkehr der Seattle Supersonics – das ursprüngliche Franchise zog 2008 um und ist seither unter dem Namen Oklahoma City Thunder erfolgreich – wird hoffnungsvoll diskutiert, gilt aber keineswegs als ausgemacht.

Die Deutsche Bank hebt als weiteren zentralen Vorteil neben der Knappheit hervor, dass die Ligen und ihre Franchises über starke Marken, ein globales Publikum und eine enorme Preissetzungsmacht verfügten und in der Folge robuste wiederkehrende Erlöse aus dem Verkauf von Übertragungsrechten, dem Sponsoring, Merchandise und dem Ticketing erzielten. Jenseits des Atlantiks steche die Premier League positiv hervor. Die höchste englische Fußball-Spielklasse verfüge über Clubs mit globalem Wiedererkennungswert, stark steigenden Erlösen und vor allem einer großen internationalen Fangemeinschaft.

Auch in Großbritannien ist jüngst wieder deutlich mehr Bewegung in den Markt gekommen. Mehr als die Hälfte der Vereine in der Premier League sind inzwischen in amerikanischer Hand, und ein US-Milliardär machte in den vergangenen Jahren besonders auf sich aufmerksam: Todd Boehly führte 2022 eine Investorengruppe an, zu der auch Lakers-Kurzzeiteigentümer Walter gehörte und die den Chelsea Football Club nach der Invasion in der Ukraine vom russischen Milliardär Roman Abramowitsch übernahm.

In den Folgejahren pumpte der Verein in beispiellosem Tempo Geld in die Verpflichtung neuer Spieler und Trainer, der sportliche Erfolg blieb aber aus. In diesem Sommer war dann Schluss: Boehly und Walter verkauften ihre Chelsea-Anteile an die US-Investmentgesellschaft Clearlake Capital. Auch wenn es auf beiden Seiten des Atlantiks zuletzt also häufiger zu Eigentümerwechseln kam, hebt die Deutsche Bank doch die grundsätzlich langfristige Natur von Sport-Beteiligungen hervor.

Für Private Equity seien diese interessant, weil die Assets in der Regel über Jahre stabil aufwerteten und selbst Abschwünge durch Extremereignisse wie die Corona-Pandemie nur von kurzer Dauer gewesen seien. Zudem korreliere ihre Wertentwicklung kaum mit der traditioneller Anlageklassen wie Gold, Aktien, Immobilien oder Fixed Income. Wealth Manager wollen in einer Welt, in der Künstliche Intelligenz nahezu alle Assets beeinflusst, darin ihre nächste große Vermarktungschance erkannt haben. Auf den ersten Blick ähneln die Probleme: Marge, China, E-Mobilität.

Aber BMW und VW gehören nicht in den gleichen Topf. Brüssel ist nicht billiger als Tirana oder Warschau, aber – wenn man das ortsübliche Gehalt berücksichtigt – mit Abstand erschwinglicher für die Menschen, die dort leben. Trotzdem lohnt es sich für die, die aufs Geld achten, vor der Anreise noch einmal in einer Drogerie Halt zu machen. Es gibt viele Gründe dafür, warum die EU-Kommission ständig Vereinfachungen in der Regulierung ankündigt, aber Unternehmen davon wenig spüren.

Zumindest bei einem Grund könnte die EU-Kommission recht zügig Abhilfe schaffen. Die Tarifneuverhandlungen bei VW sind nur ein kleiner Hebel zur Senkung der Konzernkosten. Sie sind aber ein Lackmustest für den Zukunftsplan des Vorstands.

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