Trotz Freigabe von Ölreserven durch die G7 bleiben die Energiepreise hoch. Experten warnen vor anhaltender Belastung für Autofahrer und Haushalte.
Die Energiepreise in Deutschland bleiben angesichts des Iran-Krieg s und der angespannten Lage in der Straße von Hormus auf einem hohen Niveau. Autofahrer hoffen auf sinkende Spritpreise, Millionen Haushalte zittern vor der nächsten Heizöl-Rechnung. Zwar wollen die G7-Staaten mit der Freigabe von Öl- und Dieselreserven gegensteuern, doch Experten dämpfen die Hoffnung auf eine schnelle Entlastung.
G7-Freigabe von Ölreserven mit begrenzter Wirkung
Die Freigabe der Reserven kann Autofahrern nach Einschätzung der IW-Ökonomin Samina Sultan allenfalls kurzfristig helfen. Sultan sagt, es könne eine Weile lang etwas abfedern, aber die grundlegende Problematik bleibe weiterhin bestehen. Die Expertin vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht die Maßnahme daher nur als begrenzt wirksam an.
Das Problem: Durch die Lage in der Straße von Hormus sind nicht nur Ölexporte eingeschränkt, sondern auch wichtige Raffinerien vom Weltmarkt abgeschnitten. Immerhin gaben die Spritpreise zunächst leicht nach. Nach Angaben der Vergleichs-App Tankerkönig kostete Super E10 an diesem Samstag im bundesweiten Schnitt rund 2,10 Euro je Liter – etwas mehr als zwei Cent weniger als am Vortag. Diesel verbilligte sich um rund vier Cent auf 2,21 Euro je Liter.
Die G7-Staaten hatten beschlossen, über vier Monate insgesamt 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel aus den bereits im März beschlossenen Reserven freizugeben. Für eine dauerhafte Normalisierung der Energiepreise ist laut Sultan jedoch entscheidend, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Dort waren in den vergangenen Tagen erneut Tanker unter Beschuss geraten, wie die britische Behörde für Sicherheit in der Schifffahrt (UKMTO) mitteilte.
Sultan warnt: Wenn wir gleichzeitig eine weitere Eskalation in der Straße von Hormus haben und da nichts mehr durchgeht, dann ist auch die Reserve nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Heizölpreise erreichen Rekordniveau
Nicht nur an der Tankstelle müssen Verbraucher tief in die Tasche greifen. Auch für Haushalte mit Ölheizung wird der Start in die Heizperiode zum Kostenschock. Bei einer Bestellmenge von 3000 Litern kosteten 100 Liter Heizöl am Donnerstagnachmittag im bundesweiten Durchschnitt mehr als 168 Euro. Zum Vergleich: Am 1. Oktober des Vorjahres lagen sie bei knapp 91 Euro je 100 Liter. Damit hat sich Heizöl binnen eines Jahres nahezu verdoppelt.
Christina Wallraf, Energiemarktexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, rät zu einer bedachten Bestellung. Sie empfiehlt Haushalten, so wenig wie nötig zu tanken, aber genug, um über den kommenden Winter zu kommen.
Warnung vor betrügerischen Online-Shops
Neben den hohen Preisen droht Verbrauchern eine weitere Gefahr: betrügerische Online-Shops. Wallraf warnt eindringlich, dass diese aktuell wieder Hochsaison haben. Verdächtig seien extrem niedrige Preise, fehlende Impressumsangaben oder Anbieter, die ausschließlich Vorauskasse akzeptieren.
Angesichts der angespannten Lage in der Straße von Hormus und der anhaltenden Unsicherheit auf den Energiemärkten bleibt die Belastung für Verbraucher hoch. Ob die Freigabe der Reserven eine spürbare Entlastung bringt, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der geopolitischen Krise ab.
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