Laut den Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums soll Süddeutschland beim Gaskraftwerksausbau bevorzugt werden. Doch eine Fraunhofer-Studie warnt vor Doppelförderung.
Vor allem Süddeutschland soll vom Gaskraftwerksausbau profitieren - der Rest der Republik könnte schon bald in die Röhre schauen. Seit Mittwoch beraten die Energieminister der Länder auf Norderney zur vom Bundeswirtschaftsministerium geplanten Energiewende und insbesondere zum Neubau von Gaskraftwerken.
Während Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche krankheitsbedingt nicht anwesend ist und sich von einem Staatssekretär vertreten lässt, stoßen ihre Pläne vor allem inGrund dafür ist der „Südbonus“: Demzufolge soll vor allem Süddeutschland beim Kapazitätsausbau bevorzugt werden. Einegibt Reiches Kritikern nun recht. Darin warnten diese bereits Anfang Mai vor einer Doppelförderung beim geplanten Zubau neuer Gaskraftwerke in Süddeutschland. Der von der Bundesregierung vorgesehene sogenannte Südbonus könnte die Standortwahl stärker in den Süden lenken als politisch beabsichtigt, heißt es in der Untersuchung.
Die Bundesregierung will bis 2030 den Bau von bis zu 20 Gigawatt neuer Gaskraftwerksleistung anreizen. Zwei Drittel der ausgeschriebenen Kapazität sollen im sogenannten netztechnischen Süden entstehen, wo Engpässe im Stromtransport besonders häufig sind. Laut Studie soll der Südbonus als fester Abschlag auf die für die Gebotsreihung entscheidende Kennziffer wirken, in einer Größenordnung von 200 bis 300 Euro je Kilowatt installierter Leistung. Bereits bestehender Standortvorteil im Süden Die Forscher verweisen darauf, dass Südstandorte bereits heute von der sogenannten Werteverbrauchsvergütung profitieren.
Diese anteilige Fixkostenerstattung erhalten Kraftwerke, die zur Netzstabilisierung ungeplant mehr Strom einspeisen müssen. Über die Lebensdauer einer Anlage erreiche diese Vergütung in einzelnen süddeutschen Regionen bereits ähnliche Größenordnungen wie der geplante Bonus. Für eine Modellregion um Schwaben weist die Studie bei niedrigeren Investitionskosten 208 Euro je Kilowatt aus; bei höheren Investitionskosten reicht die Spannweite von 125 bis 399 Euro je Kilowatt.
Preisen Betreiber diese zusätzlichen Erlöse bereits bei der Gebotsabgabe ein, könnten Südstandorte noch attraktiver werden als vom Gesetzgeber beabsichtigt, schreiben die Autoren. Würden die Erlöse nicht eingepreist, drohten später überhöhte Zahlungen und Mehrkosten für die Allgemeinheit. Auch nkönnten benachteiligt werden, obwohl sie für die Versorgungssicherheit ebenfalls wichtig seien. Als Lösungswege schlagen die Forscher vor, neu ausgeschriebene Anlagen von der anteiligen Werteverbrauchsvergütung auszunehmen oder erhaltene Zahlungen über einen Rückforderungsmechanismus zu verrechnen.
Bestehende und geplante Fördermechanismen müssten sorgfältiger aufeinander abgestimmt werden, sagte der Projektleiter laut Studie. Sonst könne auch der Kraftwerkszubau im Norden behindert werden. Institutsleiter Mario Ragwitz erklärte, neue Kapazitäten sollten dort entstehen, „wo sie das Energiesystem wirklich stärken“. Den Angaben zufolge dürfte der Bedarf an Redispatch-Maßnahmen langfristig zurückgehen, sofern der Netzausbau voranschreitet.
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