Im Testspiel gegen Marseille gibt Niklas Süle vom FCBayern sein Comeback neuneinhalb Monate nach seinem Kreuzbandriss. Trainer Flick spricht dazu warme Worte - doch der Weg zurück in die Startelf ist weit.
Es war einer dieser Momente, die durch die sogenannten Geisterspiele sehr klein wirken. Für Süle, 24, und alle, die sich mit ihm freuten, war es aber ein sehr großer Moment. Größer jedenfalls als jene seltenen, in denen der Innenverteidiger vor seiner schweren Knieverletzung Tore erzielt hatte.
"Ich bin unheimlich froh, mit meinen Kollegen wieder auf dem Platz zu stehen", sagte Süle später. Seit dem 19. Oktober 2019 oder 286 Tage hatte er darauf warten müssen. Damals hatte er in der Anfangsphase des Bundesligaspiels beim FC Augsburg die Ruptur des vorderen Kreuzbandes erlitten. In einem Sprint und ohne gegnerische Einwirkung war er plötzlich zusammengesackt. Die Sorgen beim FC Bayern und DFB um den deutschen Nationalspieler waren nach der umgehenden Operation damals auch deshalb besonders groß, weil sich Süle bereits zum zweiten Mal einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen hatte. Beim ersten Mal im Dezember 2014 hatte er noch für Hoffenheim gespielt. Damals benötigte er deutlich mehr als ein halbes Jahr, um seinem Beruf wieder nachgehen zu können. Diesmal dauerte es noch länger, nachdem Süle im Aufbautraining im April von einem Ödem im Knie zurückgeworfen worden war. Auch deshalb verlieh Hansi Flick nun der Freude besonderen Nachdruck."Was Niklas betrifft, sind wir alle, sind wir alle sehr zufrieden", sagte der Trainer,"ich denke, der ganze Verein hat aufgeatmet." Und weil Süle sehr hart für diesen Moment der Rückkehr gearbeitet habe in der langen Reha, auch zuletzt während des Urlaubs der Kollegen,"hat er es sich mehr als verdient, dass er wieder auf dem Platz steht." Es sei"für ihn und uns ein schöner Tag", befand Flick. Die besonders gute Nachricht für den Trainer und alle Münchner dabei war, dass Süle gleich wieder die gewohnte Präsenz und Präzision in seinem Spiel ausstrahlte. Statistiker hatten 41 Pässe von ihm gezählt, nur einer davon kam nicht beim Adressaten an. Und auch sonst wirkte der wuchtige Innenverteidiger abgesehen von einem missratenen Zweikampf schon wieder sehr wettkampftauglich, wenngleich er in seiner halben Stunde Spielzeit beim souveränen 1:0 -Sieg gegen Marseille durch Serge Gnabrys Tor aus der 19. Minute nicht wirklich voll gefordert worden war. Wenn es nach Süle geht, darf sich das aber bald ändern.



