Am Tag der offenen Moschee öffnen über 1.000 Moscheen ihre Türen. In Bayern gibt es Führungen und traditionelle Spezialitäten. Der Aktionstag fördert den interreligiösen Dialog.
Am Samstag, dem 3. Oktober, öffnen mehr als 1.000 Moscheen in Deutschland ihre Türen zum Tag der offenen Moschee. Auch in Bayern beteiligen sich viele muslimische Gemeinden mit Führungen und traditionellen Spezialitäten. Der Aktionstag findet bereits zum 30. Mal zeitgleich zum Tag der Deutschen Einheit statt und soll Begegnung und Austausch zwischen den Religionen fördern.
Vorbereitungen in der Pasinger Moschee
In der türkisch-islamischen Gemeinde in München-Pasing laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. In der Küche werden Makrelen gewaschen, die am Samstag als Steckerlfisch serviert werden. Der Vorsitzende der Moschee, Dursun Tosun, sagt, der Fisch sei bei Besuchern sehr beliebt. Viele kämen aus Neugier, aber auch, um Wissen zu erwerben und für das leibliche Wohl.
Im großen Gebetsraum saugt eine Frau noch schnell den Teppichboden. Die Gemeinde erwartet am Wochenende rund 200 Gäste zu den Moscheeführungen. Die Pasinger Moschee gehört zum Dachverband Ditib, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion. Im Halbstundentakt werden die Besucher am Samstag durch das Gotteshaus geführt.
Freiwillige für die Führungen zu finden, war im Vorfeld die schwierigste Aufgabe, erzählt Tosun. Alle seien ehrenamtlich tätig und hätten wenig Zeit. Doch aus der Ditib-Jugend haben viele eine kleine Ausbildung zum Moscheeführer absolviert, sodass das Problem rechtzeitig gelöst werden konnte.
Ziel: Abbau von Vorurteilen und Dialog
Der Tag der offenen Moschee findet seit 30 Jahren statt. Das Ziel ist, Begegnung und Austausch zwischen den Religionen zu fördern. Moschee-Vorsteher Tosun betont, es gehe darum, Vorurteile abzubauen, etwa die Annahme, Islam sei gleich Terror. Besucher könnten sehen, wie Muslime leben. In Pasing wurde 1999 erstmals eingeladen. Anfangs war das Interesse gering, doch es wurden immer mehr Leute neugierig. Manche stünden vorsichtig vor der Tür und fragten, ob sie hereinkommen dürften. Die Antwort laute: Das ist Gottes Haus, jederzeit seid ihr eingeladen.
Auch kommunale Politiker und Vertreter der beiden großen Kirchen werden am 3. Oktober in der Moschee erwartet. Das Miteinander von Muslimen, anderen Religionen und der Politik sei in Pasing gut, so Tosun. Das Bayerische Innenministerium sieht im Tag der offenen Moschee einen wichtigen Beitrag zum interreligiösen Dialog. Ein Sprecher sagte, es sei immer besser, miteinander statt übereinander zu sprechen. Oft sei es das fehlende Wissen über andere Kulturen und Religionen, das empfänglich mache für Intoleranz und Hetze. Der Austausch zwischen Bürgern aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen fördere Integration, Demokratie und Frieden.
Langfristige Wirkung und Integration
An manchen Orten hat der Aktionstag in Bayern im Lauf der Jahre weitere Initiativen inspiriert, sagt Aykan Inan, der über 13 Jahre lang Geschäftsführer des Ditib-Verbands in Südbayern war. Beim Tag der offenen Moschee seien viele Bekanntschaften und Projekte entstanden, sodass sich die Moscheen besser in die Stadtgesellschaft integriert hätten. Zum Beispiel bei Nachbarschaftshilfen habe es immer wieder Leute gegeben, die nicht wussten, wie man die Muslime erreicht. Dann hätten sie zufällig in der Zeitung gelesen, dass eine Moschee in ihrer Nähe am Tag der offenen Moschee teilnehme, und diese besucht.
In diesem Jahr luden mehr als 700 Gotteshäuser zu Führungen und Gesprächen ein. Der Tag der offenen Moschee ist damit eine der größten interreligiösen Veranstaltungen in Deutschland. Er bietet die Gelegenheit, Muslime kennenzulernen und Fragen zu stellen. Die Gemeinden hoffen auf zahlreiche Besucher und einen regen Austausch.
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