Die Ausstellung Tanzflächen der Wiedervereinigung zeigt ab 3. Oktober in Berlin über 30 Beiträge zur Clubkultur und Wiedervereinigung. Ein Projekt der Clubcommission.
Die Ausstellung Tanzflächen der Wiedervereinigung der Berliner Clubcommission ist vom 3. Oktober bis zum 9. November im Kraftwerk Berlin in der Köpenicker Straße 70 zu sehen. Sie versammelt mehr als 30 Beiträge aus Berlin und Ostdeutschland und hinterfragt, welche Geschichten der Club- und Jugendkultur rund um 1989 im kulturellen Gedächtnis geblieben sind und welche nicht. Kuratorin Katharin Ahrend sagte dem Tagesspiegel, die sich wiederholenden Narrative der wilden 90er und der Technokultur hätten ihre Berechtigung, seien aber nur ein Teil einer vielstimmigen Geschichte. Viele Menschen, Subkulturen und Orte, die ebenfalls relevant gewesen seien, kämen darin nicht vor.
Vielfältige Perspektiven auf die Clubkultur
Ihre Kollegin Lisa We ergänzte, man wolle keine Kritik leisten, sondern die Erzählung erweitern und sichtbarer machen, dass nicht nur positive Geschichten zu hören seien. Der Mauerfall sei auch mit Strukturverlust und Existenzängsten verbunden und nicht nur mit dem Hedonismus der Feierkultur. Man wolle diese Vielstimmigkeit abbilden und zeigen, dass auch dies die Jugend geprägt habe und letztlich Menschen, die in der Club- und Subkultur in Sachsen und Sachsen-Anhalt groß geworden seien.
Die Ausstellung findet in den unterirdischen Katakomben des Kraftwerks Berlin statt, die unter dem Projektnamen SOURCE erstmals für ein solches Projekt geöffnet werden. Man betritt sie durch den Club Tresor und erhält damit einen Einblick in sonst verschlossene Räume, die unter dem Fundament der Berliner Clubgeschichte liegen. Fotografieren und Filmen sind strengstens verboten. Der Weg dorthin ist Teil der Inszenierung: Zunächst läuft man durch eine beeindruckende Sound- und Lichtinstallation, die nichts für Klaustrophobiker ist, da die Räume eng, dunkel und intensiv bespielt sind. Gleichzeitig gelingt es der Installation, eine elektrisierende, mystische Stimmung zu erzeugen, die jeder kennt, der schon einmal einen Berliner Techno-Club von innen erlebt hat.
Glücklicher Zufall und Förderung
Dass die Ausstellung ausgerechnet in diesen Gewölben stattfinden darf, ist ein glücklicher Zufall. Ahrend erzählte, die Idee habe schon lange existiert, ein passender Ort sei aber noch nicht gefunden worden. Anfang des Jahres, als die Förderung feststand, traf sie Dimitri Hegemann, einen der Gründer des alten Tresors, auf einen Kaffee. Sie habe ihm von der Idee der Ausstellung erzählt und er ihr von den Kellergewölben.
Die Ausstellung ist ein Projekt der Berliner Clubcommission anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens. Gefördert wird das Projekt unter anderem von der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte.
Herausforderungen der Ausstellung
Nach dem atmosphärischen Auftakt verändert sich der Charakter der Ausstellung deutlich. Die Schau kann sich nicht recht entscheiden, ob ihr Fokus ein künstlerischer oder ein zeitdokumentarisch-didaktischer sein soll. Sie will möglichst viele Geschichten sichtbar machen und möglichst viele Stimmen zu Wort kommen lassen, wodurch sie überladen wirkt. Wirklich jede noch so kleine Subkultur hat ihren Platz mit Fotografien, Filmen, Sounds, Zeitzeugenstimmen, künstlerischen Arbeiten und anderen Exponaten bekommen. Historisch ist das nachvollziehbar, als Ausstellungserlebnis aber schwer zu bewältigen. Wer die mehr als 30 Beiträge und die Fülle an Informationen tatsächlich durchdringen will, sollte Zeit mitbringen.
Die Ausstellung läuft vom 3. Oktober bis zum 9. November im Kraftwerk Berlin in der Köpenicker Straße 70. Sie ist ein Projekt der Berliner Clubcommission anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens und wird unter anderem von der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte gefördert.
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