Superreiche in der Schweiz: Tina Turner, Roger Federer und Co.: Die illustre Nachbarschaft an der Goldküste
trägt. Hier scheint die Abendsonne besonders schön auf die privaten Seezugänge und strahlt mit Luxuslimousinen um die Wette. Hier kommen gute Lage und viel Geld zusammen. Der See ist klar, die Berge sind nah, die Steuern sind tief, das Verhalten ist diskret und die Großstadt ganz in der Nähe.
Auch viele Superreiche aus dem Ausland fühlen sich am Zürichsee wohl – neben Schweizer Nationalheiligen wie Roger Federer.Der Tennisspieler soll einst selbst einen Blick auf das Landgut geworfen haben, das Tina Turner und ihr Mann gekauft haben. Federer verfolgt aber inzwischen eigene, sehr große Pläne wenige Kilometer weiter südlich in Rapperswil-Jona. Er erwarb die letzte große Parzelle mit direktem Seezugang in der Kempratner Bucht. Ein "extrem rares Gut", wie der Zürcher "Tagesanzeiger" damals schrieb. Auf 16.000 Quadratmetern lassen die Federers jetzt bauen. Juli 2021: Blick auf die Baustelle des rund 16.000 Quadratmeter großen Grundstücks von Tennisspieler Roger Federer am ZürichseeAuch bekannte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft leben hier am rechten Ufer des Zürichsees. Darunter Christoph Blocher, Großunternehmer, Milliardär und Doyen der SVP, der Partei, die immer wieder Stimmung gegen Ausländer macht und im Schweizer Parteienspektrum rechts steht. Ebenso SVP-Nationalrat Roger Köppel, der nicht nur Politiker, sondern als Verleger und Chefredakteur der rechtskonservativen Wochenzeitung "Weltwoche" auch publizistisches Sprachrohr seiner Partei ist. Köppel wohnt mit seiner Familie in einer renovierten Villa aus dem Jahr 1920 in Küsnacht – der Gemeinde, in der bislang auch Tina Turner und ihr Mann leben. Auch Franz Humer, der ehemalige Chef des Pharmagiganten Roche, lebt an der Goldküste.Dass nicht alles Gold ist, was an der Goldküste glänzt, erarbeitete Mitte der 1970er Jahre Fritz Zorn literarisch. So nannte sich der Millionärssohn und Gymnasiallehrer, der jung an Krebs erkrankte und eine schonungslose Abbrechnung mit dem bürgerlichen Milieu dieser Gegend verfasste, die nach seinem Tod unter dem Titel "Mars" erschien. "Ich bin jung und reich und gebildet; und ich bin unglücklich, neurotisch und allein. Ich stamme aus einer der allerbesten Familien des rechten Zürichseeufers, das man auch die Goldküste nennt." So beginnt "Mars". Und so geht es weiter und löste damals einen Skandal aus."In Wirklichkeit gibt es die unterschiedlichsten Typen an der Goldküste", schrieb Till Rippmann 2016 in einem Artikel für "Vice" über seine Kindheit und Jugend in den Neunzigern in. "Das Spektrum reicht vom leimschnüffelnden Amateur-Schwulenpornodarsteller über die alleinerziehende Sekretärin, den Tanga-Nazi mit den Wolfskindern, bis hin zum neureichen Broker im gelben Ferrari. Ja, die habe ich alle dort kennengelernt." Die Geschichte der Gemeinde Küsnacht beginnt in einer Zeit lange vor diesen Lebenswelten mit Seeufersiedlungen in der Jungsteinzeit 4500 bis 2300 vor Christus. Die heute prominente Gemeinde am Zürichsee wurde schließlich Weinbauerndorf, heimgesucht von verheerenden Überschwemmungen des Dorfbachs in den Jahren 1778 und 1878. Mit dem Bau der Seestrasse und der rechtsufrigen Eisenbahnlinie im 19. Jahrhundert habe eine unaufhaltsame Entwicklung begonnen, heißt es auf der Internetseite der Gemeinde: "Aus Küsnacht, der einst grössten Rebbaugemeinde des Kantons Zürich, entstand die wohlhabende Vorortsgemeinde der Stadt Zürich, wie wir sie heute kennen." Gegenüber der Goldküste liegt übrigens die Pfnüselküste – die Schnupfenküste – wie sie in der Mundart hier scherzhaft genannt wird. Denn während die Goldküste mit ihrem Südhang ordentlich Sonne abbekommt, muss das gegenüberliegende Ufer mit mehr Schatten auskommen. Pfnüselküste ist allerdings schönes Schweizer Understatement. Eine Bezeichnung wie Silberküste würde es deutlich besser treffen.
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