Ständige Gute-Laune-Parolen können schaden. Toxische Positivität verdrängt negative Gefühle, die wichtige Hinweise liefern.
Ein schlechter Tag, Ärger im Job oder eine enttäuschende Nachricht – manchmal möchte man einfach seine Ruhe haben. Trotzdem kommt schnell der gut gemeinte Rat: „Kopf hoch, das wird schon wieder.
“ Oder: „Sieh doch das Positive. “Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt Öffnen Sie nun Ihr E-Mail-Postfach - hier finden Sie eine E-Mail von uns. Bestätigen Sie Ihre Anmeldung zum Newsletter, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken. Natürlich kann Optimismus helfen, mit schwierigen Situationen umzugehen.
Problematisch wird es aber, wenn daraus eine Erwartung wird: Man soll immer gut gelaunt sein, jede Krise positiv sehen und unangenehme Gefühle möglichst schnell loswerden. Für dieses Muster hat sich der Begriff „Unsere Gefühle sind nicht einfach in „gut“ und „schlecht“ einzuteilen. Auch Emotionen, die sich unangenehm anfühlen, können wichtige Hinweise liefern. Angst kann uns vor einer Gefahr warnen.
Ein ungutes Gefühl kann dazu führen, dass wir eine Situation genauer prüfen oder vorsichtiger werden. Wut wiederum kann zeigen, dass wir uns ungerecht behandelt fühlen oder jemand eine persönliche Grenze überschritten hat. Trauer kann helfen, einen Verlust zu verarbeiten. Auch Scham, Schuld oder Ekel erfüllen bestimmte Funktionen.
Deshalb ist es nicht automatisch besser, eine negative Emotion möglichst schnell wegzuschieben. Wer etwa nach einer ungerechten Behandlung sofort versucht, „wieder positiv zu denken“, überspringt möglicherweise einen wichtigen Schritt: sich zunächst klarzumachen, was eigentlich passiert ist und was einen daran stört. Genau hier liegt das Problem der toxischen Positivität. Sie vermittelt den Eindruck, negative Gefühle seien unnötig oder sogar ein persönliches Versagen.
Wer traurig ist, obwohl eigentlich alles gut sein sollte, fragt sich dann vielleicht: Was stimmt mit mir nicht? Warum bin ich nicht glücklich? Warum schaffen es andere, positiv zu bleiben?können unterdrückte Gefühle unter anderem Schuldgefühle und Scham verstärken.
Außerdem besteht die Gefahr, dass Menschen Probleme herunterspielen, statt sich Unterstützung zu holen.. Unter Hashtags wie #goodvibesonly sieht man vor allem glückliche Gesichter, schöne Reisen, Erfolge und besondere Momente. Das Problem daran: Solche Beiträge zeigen immer nur einen Ausschnitt.weist darauf hin, dass daraus Selbstzweifel entstehen können: Während alle anderen glücklich wirken, scheint man selbst nicht mithalten zu können. Dabei weiß niemand, wie es einem Menschen hinter dem Foto tatsächlich geht.
Das bedeutet nicht, dass Optimismus schlecht ist. Eine positive Grundhaltung kann dabei helfen, Krisen zu bewältigen. Sie sollte aber nicht dazu führen, dass unangenehme Seiten einer Situation einfach ausgeblendet werden. Auch die AOK unterscheidet deshalb zwischen echtem Optimismus und toxischer Positivität.
Positives Denken bedeutet nicht, sich eine rosarote Brille aufzusetzen. Wut, Enttäuschung und Trauer gehören zum Leben dazu. Entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen. Hilfreicher kann deshalb eine einfache Frage sein: Was fühle ich gerade eigentlich – und warum?
Wer sich diese Frage stellt, nimmt die eigenen Gefühle zunächst ernst. Vielleicht steckt hinter der Wut eine verletzte Grenze. Hinter der Angst eine konkrete Sorge. Hinter der Trauer ein Verlust, der noch verarbeitet werden muss.
Auch im Umgang mit anderen kommt es darauf an, nicht jedes Problem sofort wegreden zu wollen. Wer einem traurigen Freund sagt: „Denk positiv“, meint es wahrscheinlich gut. Doch manchmal wäre etwas anderes hilfreicher: zuhören, nachfragen und zeigen, dass die Gefühle des anderen in Ordnung sind. Die Barmer empfiehlt deshalb, bei Problemen nicht sofort mit positiven Floskeln zu reagieren.
Ein Satz wie „Deine Gefühle sind nachvollziehbar – wie kann ich dir helfen?
“ kann mehr bewirken als ein schnelles „Das wird schon wieder“. Gefühle ernst zu nehmen bedeutet allerdings auch nicht, sich dauerhaft in ihnen festzusetzen. Es geht darum, sie wahrzunehmen, ihre Ursache zu verstehen und dann nach einem guten Umgang damit zu suchen. Sie haben vermutlich einen Ad-Blocker aktiviert.
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