Lena Kupke, erfolgreiche Stand-up-Comedienne, landet mit ihrem Debütroman 'Pause' auf der Bestsellerliste. Das Buch erzählt traurig und lustig zugleich von Hannas Neuanfang in Lüneburg - und trifft den Millennial-Nerv.
Hanna hatte einen Zusammenbruch. Als sie wieder zu sich kommt, hat sie nur einen Gedanken: So schnell wie möglich raus aus dem Krankenhaus. Problem: Ihr Freund ist bei der Arbeit und auch keiner aus dem Freundeskreis kann kommen.
Ich muss hier weg! Wer kann mich bloß abholen?
Schließlich bleiben meine Gedanken an zwei Menschen hängen: meinen Eltern. Es tutet genau einmal. Es ist der 6. Juli, und ich stecke mit sechsunddreißig in einem zu kleinen Nachthemd meiner Mutter in dem Zimmer, das mal mein Kinderzimmer war, neben einem übergroßen Drucker und habe immer noch meinen vollgepinkelten ausgeleierten String an.
Was für ein Tag.
"Pause" ist Lena Kupkes Romandebüt - als Comedienne steht sie eigentlich eher auf der Bühne. Das merkt man dem Buch an: Von locker bis lakonisch, von trocken bis traurig - die Klaviatur der Gefühle hat Lena Knupke drauf. Ihre Protagonistin Hanna charakterisiert sie so:"Sie ist so in gewisser Weise eine typische Millennial-Frau, sehr gut im Funktionieren und auf ein Mal klappt das alles nicht mehr.
Ich habe ihr den Roman gewidmet, weil ich so berührt davon bin, dass sie sich immer so bemüht, sie will sich selber helfen, aber kommt an Grenzen.
"Job verloren, Beziehung kriselt: Hannas Welt steht still Zurück bei ihren Eltern muss sich Hanna erst einmal an Hausschuhe und den streng durchgetakteten Alltag gewöhnen. Doch dann kommt es noch schlimmer: Sie verliert ihren Job als Illustratorin in Berlin und auch mit ihrem Freund Paul läuft es nicht gut. Weißt du was? Lass mich einfach!
Ich will nicht mehr.
" Paul ist vollends in seiner Eiszeit. "Ich will auch nicht!! Ich will einen Freund, der für mich da ist, du bist immer nur im Einzelmodus! ""Ja, endlich sagst du mal, was du wirklich denkst!
Ist gut! Dann lassen wir das jetzt. Bleib bei deinen Eltern, kannst deine Sachen irgendwann abholen.
" "Was? Meinst Du das jetzt ernst? Machst du jetzt gerade am Telefon Schluss?
""Ja! "Hannas bisheriges Leben - ein Scherbenhaufen. Was die Ursache für ihre Schwierigkeiten ist, wird auf über 300 Seiten nicht ein einziges Mal ausgesprochen. Als Leserin ahnt man: Hanna und Paul haben ein Kind verloren.
Eine Erfahrung, die auch Lena Kupke gemacht hat. In einem ihrer Bühnenprogramme klang das so: Ich habe mich wirklich gefühlt wie eine Geheimniskrämerin. Erst wurde mir gesagt: Pssst - erzähl niemandem von der Schwangerschaft und dann bei der Fehlgeburt - psst - erzähl niemandem von der Fehlgeburt. Denn da spricht niemand drüber, das ist ein Tabu.
Und es ist auch eine Zumutung für die Leute und es ist wichtiger, wie es anderen geht als dir selber. Also habe ich mich total allein gefühlt und isoliert und dachte, wo sind denn die anderen Frauen, denen das passiert ist? Diese Sprachlosigkeit ist ein zentrales Thema in"Pause". Denn auch mit ihren Eltern und ihrer Schwester Sara kann Hanna ihre Trauer und die Hilflosigkeit nicht besprechen.
Am Ende des Romans glimmt aber dann doch noch ein Hoffnungsschimmer auf.
"Ich glaube, Hanna steht auch für eine Frau, der man nicht ansieht, wie stark sie ist. Und das fand ich so spannend zu zeigen, dass sie wirklich sehr resilient ist und man das vielleicht nicht von ihr gedacht hätte", so Lena Kupke.
"Pause" trifft mit Ton und Thema einen Nerv - vor allem bei Leserinnen, die im selben Alter sind wie Hanna - also Mitte dreißig. Lena Kupke beschreibt realistisch, eindringlich und zum Teil komisch, was passiert, wenn einem Menschen plötzlich der Boden unter den Füßen wegzogen wird. Und sie erzählt es so, als ob man einer guten Bekannten zuhört. Vielleicht muss manchmal alles kaputtgehen, damit man etwas Neues bauen kann.
Das hier wird meine Auszeit, nur für mich. Endlich ist sie da. Meine lang ersehnte: Pause. Margaret Atwoods Tochter erzählt in ihrem Band Geschichten über Täuschung, Rache und das Unheimliche - klug, spannend und mit schwarzem Humor.
Auf diese Bücher freut sich die NDR Kultur Literaturredaktion: Neues gibt es etwa von Siri Hustvedt und Anja Jonuleit. Eine Vorschau. NDR Buch des Monats:"KiezBlues" von Tim Sohr Hamburgs Kiez in den 70ern und 80ern: Tim Sohrs Thriller taucht tief ein in den harten Alltag von St. Pauli.
Rubbel die nächste Story frei
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