Die deutsche Industrie hat im März deutlich mehr Bestellungen an Land gezogen. Ohne Großaufträge ergibt sich dogar das höchste Niveau seit Februar 2023.
Die deutsche Industrie hat im März deutlich mehr Bestellungen an Land gezogen. Ohne Großaufträge ergibt sich dogar das höchste Niveau seit Februar 2023.picture alliance/dpa | Julian StratenschulteDie deutsche Industrie hat im März unerwartet viele Neuaufträge eingesammelt – ohne die volatil ausfallenden Großaufträge sogar so viele wie seit drei Jahren nicht.
Allerdings, so mahnen Ökonomen, sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Denn bei Ausbruch des Iran-Kriegs wurde noch mit dessen schnellem Ende und nur mäßigen Folgen für die globale und die deutsche Wirtschaft gerechnet. Nun wird mit Argusaugen vor allem darauf geachtet, wann die Straße von Hormus wieder problemlos befahrbar sein wird. Für weiteren Gegenwind sorgt die neueste Zolldrohung von US-Präsident Donald Trump.
Laut dem Statistikamt Destatis kletterte der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe preis-, saison- und kalenderbereinigt um 5,0% zum Vormonat. Zudem fiel der Februar etwas besser aus als erwartet: die Statistiker revidierten den Anstieg von 0,9% auf 1,4% nach oben. Bleiben die Großaufträge, die erst im Zeitverlauf produktionswirksam werden, außen vor, ergibt sich für März ein Plus von 5,1%.
„Damit erreichte der Auftragseingang ohne Großaufträge das höchste Niveau seit Februar 2023“, betonen die Statistiker. Weniger günstig zeigt sich der Dreimonatsvergleich: Hier meldet Destatis ein Minus von 4,1% zum Schlussabschnitt 2025.
„Ausschlaggebend für diesen Rückgang war ein sehr hohes Volumen an Großaufträgen zum Jahresende 2025“, erklären die Statistiker mit Blick auf den Vergleich ohne Großaufträge. In dieser Rechnung zeigt sich ein Anstieg im Dreimonatsvergleich um 1,6%. Dass auch die Kerngröße ohne Großaufträge kräftig zugelegt hat, spricht für Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen dafür, „dass vor Beginn des Krieges im Mittleren Osten die allgemein erwartete Belebung der Konjunktur bereits im Gange war“.
„Am Auftrags-Boost hat wohl auch das Fiskalpaket seinen Anteil“, analysiert Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Wichtig sei, dass das Mehr an Aufträgen auch die Produktion steigert.
„Da die Lieferung mit Produktionsmitteln stockt, dürften Unternehmen hier eher langsam vorgehen. “ Die positive Entwicklung der Neuaufträge war breit basiert. Den größten Einfluss hatten laut Destatis das Plus bei Herstellern von elektrischen Ausrüstungen , im Maschinenbau sowie in der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen . Der am 28.
Februar ausgebrochene Iran-Krieg sorgt für große Unsicherheit und wegen der Sperrung der Straße von Hormus sind die Energiepreise in die Höhe gesprungen und Lieferketten gestört. Das schlägt auf die Stimmung durch: Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe hat sich vor allem wegen der sehr pessimistischen Erwartungen im April eingetrübt. Auch der Einkaufsmanagerindex für April hat nachgegeben, geprägt von den Sorgen über die Folgen von höherer Inflation, Lieferkettenunterbrechungen und zunehmender Unsicherheit.
So erreichten die Meldungen über Lieferverzögerungen das höchste Niveau seit Mitte 2022 während die Inflationsrate der Einkaufspreise auf den höchsten Stand seit September 2022 geklettert ist. Die Blockade der Straße von Hormus sorgt für ein boomendes Ölgeschäft in Russland – und entsprechend höhere Steuereinnahmen für den Fiskus. Im April haben sie sich mehr als verdoppelt. In den USA stellen private Firmen wieder mehr Mitarbeiter ein.
Wenn die Erholung am Jobmarkt bei hoher Inflation andauert, dann werden Zinssenkungen dieses Jahr vom Tisch sein. Die EU-Mitgliedsstaaten haben noch sehr unterschiedliche Auffassungen darüber, wie die Aufsicht über große Finanzmarkt-Infrastrukturen wie etwa Börsen organisiert sein soll. Das berichtet der zyprische EU-Ratsvorsitz, mit bemerkenswerter Offenheit. Die EZB steht angesichts des Iran-Kriegs, steigender Inflationserwartungen und schwacher Konjunktur unter Druck.
Ökonom Klaus Adam hält die Markterwartungen aber für überzogen und erwartet nur eine Zinserhöhung im Juni. Neben den Inflationserwartungen achtet die EZB derzeit bei der Steuerung der Geldpolitik besonders auf die Lohnentwicklung. Die prognostizierte Entwicklung der Tariflöhne dürfte der Notenbank aktuell keine Sorgen bereiten.
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