Zu Überversorgung und Medikalisierung kommt es im Praxisalltag häufig. Woran das liegen könnte, diskutierten Kolleginnen und Kollegen beim DEGAM-Kongress – und überlegten, wie Hausärzte gegensteuern können.
Zu Überversorgung und Medikalisierung kommt es im Praxisalltag häufig. Woran das liegen könnte, diskutierten Kolleginnen und Kollegen beim Kongress – und überlegten, wie Hausärzte gegensteuern können.
„Machen wir unsere Patientinnen und Patienten krank? “ Diese Frage stand im Workshop zur Medikalisierung beim Kongress „Gesundheit gestalten“ der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin in Göttingen im Raum. Medikalisierung – oder auch Medizinalisierung – ist ein Prozess, durch den nicht-medizinische Probleme als medizinische Probleme definiert und behandelt werden, meist in Begriffen von Krankheit oder Störung. Medikalisierung von Erfahrungen und Lebensphasen: Wann werden Trauer, Angst oder Neurodiversität zur Störung?
Überversorgung und Medikalisierung sei ein häufiges Thema im Praxis- und Klinikalltag, sagte Hausarzt Professor Stefan Wilm, einer der Leiter des Workshops. Er berichtete von einer Befragung der Initiative „Gemeinsam Klug Entscheiden“. Darin gaben 44,5 Prozent der Internistinnen und Internisten aus Praxis und Klinik an, dass es bei ihnen mehrmals pro Woche zu Überversorgung komme. Bei 28,5 Prozent der Teilnehmenden sogar täglich.
Und das, obwohl die Befragten auch angaben, durchaus die Gefahr für negative Folgen von Überversorgung zu sehen. 93,2 Prozent antworteten in der Befragung, dass dadurch Gesundheitsausgaben steigen, 67,2 Prozent stimmten zu, dass Patienten potenziell verunsichert werden, und 63,4 Prozent bejahten sogar die Aussage, dass Patienten potenziell Schaden zugefügt wird. Zudem habe Überversorgung auch Folgen für das Image der Ärzte allgemein, sagten 44,9 Prozent der Teilnehmenden.
Die „medizinische Rahmung“ von Symptomen/Erfahrungen könne Leid sichtbar machen, Sicherheit geben und Zugang zu einer wirksamen Therapie geben, sagte Dr. Juan Franco, Hausarzt und ebenfalls Leiter des Workshops. Aber sie könne auch normale Variationen pathologisieren und so Übertherapie und Überdiagnostik begünstigen. Medikalisierung erschaffe ein verzerrtes Selbstbildnis der Patienten – „Ich bin krank“ –, verunsichere und mache Angst. Möglich sei eine „unnötige Fokussierung auf ein nicht vorhandenes Problem“, gab ein Kollege zu bedenken.
Hinzu kämen natürlich erhöhte Kosten, ein erhöhter zeitlicher Aufwand für die Ärztinnen und Ärzte und das Risiko für mögliche Nebenwirkungen und Schäden durch eine Therapie. Doch warum kommt es dann in unserem Gesundheitswesen offenbar so häufig zu Medikalisierung und Überversorgung? Letztlich, betonte Hausarzt Stefan Wilm, seien alle an der Medikalisierung beteiligt: Ärztinnen und Ärzte, Patientinnen und Patienten, die Krankenkassen, die Gesellschaft, die Politik. Einen „Schwarzen Peter“ wolle er niemanden zuschieben.
Auf Seiten der Patienten: Druck aus der Gesellschaft, Wunsch nach der besten Versorgung Auf Seiten der Ärzte: wirtschaftliches Arbeiten , Angst vor Behandlungsfehlern, eigene Unsicherheit, Wortwahl im Patientengespräch , der Wille, Patienten keine Leistungen vorzuenthalten, der Wille, die Patienten mit ihren Anliegen „zu sehen“Medikalisierung und Überversorgung zu reduzieren sei daher für Kolleginnen und Kollegen in der Praxis schwierig, aufgrund der vielen Rahmenbedingungen.
Wichtig sei es, das eigene Handeln zu reflektieren, waren sich die Kongressbesucher im Workshop einig. Man müsse sich bewusst machen, was das Label „Krankheit“ für einen Patienten bedeute und dieses Label nicht vorschnell vergeben. Auch sei es relevant, sich seiner Machtposition in der Arzt-Patienten-Beziehung bewusst zu sein. Mit diesem Newsletter erhalten Sie praxisnahe Berichte, Tipps, Einordnungen und relevante Neuigkeiten aus dem Spektrum der Inneren und Allgemeinmedizin, zusammengestellt für die tägliche Praxis.
:Mit diesem Newsletter erhalten Sie praxisnahe Berichte, Tipps, Einordnungen und relevante Neuigkeiten aus dem Spektrum der Inneren und Allgemeinmedizin, zusammengestellt für die tägliche Praxis. Menschen aller Altersgruppen sind von Einsamkeit betroffen. Daten einer großen BiB-Analyse zeigen zudem: Emotionale und soziale Einsamkeit folgen unterschiedlichen Altersmustern. Permanentes Aufstoßen kann Alltagsaktivitäten erheblich stören und die Lebensqualität beeinträchtigen.
Ab wann Aufstoßen pathologisch ist, welche Differenzialdiagnosen es gibt und wie den Patienten geholfen werden kann. Zum Auftakt des DEGAM-Kongresses in Göttingen skizzierten die Podiumsteilnehmer die Kriterien für ein erfolgreiches Primärarztsystem: Neben gut ausgebildeten Medizinern brauche es auch Patienten, die den Mehrwert der Reform erkennen. Mit FreeStyle Libre konnten Menschen mit Typ-2-Diabetes unter Basalinsulin ihre täglichen Entscheidungen und ihre Glukosewerte signifikant verbessern – ohne ärztliche Therapieumstellung.
Für die Transition braucht es frühe Vorbereitung und Praxen, die Lust auf junge Leute haben. An den Strukturen fehlt es noch, denn 30 Prozent der Jugendlichen sind beim Übergang schlecht versorgt. Ein Diabetes verläuft bei Frauen anders als bei Männern. Das wird in der Versorgung allerdings bislang unzureichend adressiert.
Ein Überblick über geschlechtsspezifische Unterschiede. Vitamin-B12-Mangel ist bei bestimmten Risikogruppen, wie z. B. Personen unter Metformin-Therapie, weit verbreitet und kann unbehandelt schwerwiegende Folgen haben. Daher sollte rasch eine Therapie eingeleitet werden.
Die atopische Dermatitis ist eine häufige chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Etwa ein Drittel der Patientinnen und Patienten weist eine mittelschwere AD auf. Für Erwachsene, deren AD sich durch topische Behandlung mit Glukokortikoiden und ... Die durch das Virus SARS-CoV-2 verursachte COVID-19-Erkrankung hat sich als wiederkehrende, respiratorische Infektion etabliert.
Sie geht insbesondere für ältere Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf und auch für Langzeitfolgen einher. Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin. Permanentes Aufstoßen kann Alltagsaktivitäten erheblich stören und die Lebensqualität beeinträchtigen. Ab wann Aufstoßen pathologisch ist, welche Differenzialdiagnosen es gibt und wie den Patienten geholfen werden kann.
Menschen aller Altersgruppen sind von Einsamkeit betroffen. Daten einer großen BiB-Analyse zeigen zudem: Emotionale und soziale Einsamkeit folgen unterschiedlichen Altersmustern. Nach fünf Jahren sind die europäischen Leitlinien zum Management bei Herzinsuffizienz aktualisiert worden. Änderungen hat es unter anderem in der Klassifikation, Nomenklatur und Therapie gegeben.
Mitsprache, wie weit eine Auswertung rechtmäßig beschlagnahmter Praxisdaten gehen darf, haben Betroffene nicht. Erst recht nicht, wenn der Tatvorwurf Abrechnungsbetrug lautet.
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