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USA: Der Rachefeldzug – wie Trump seine Kritiker ausschaltet

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USA: Der Rachefeldzug – wie Trump seine Kritiker ausschaltet
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Die Umfragewerte des US-Präsidenten sind schlecht, auch bei den Republikanern wächst die Kritik. Umso mehr Druck übt er auf parteiinterne Kritiker aus, wie die neuesten Vorwahlen zeigen.

In anderen Zeiten wären die republikanischen Vorwahlen im 4. Kongressdistrikt des US-Bundesstaats Kentucky wohl eher Stoff für die Lokalnachrichten gewesen. In der Region leben nur rund 780.000 Menschen, und politisch ist sie kaum umkämpft: Der Distrikt gilt als „rubinrot“, bei den Zwischenwahlen im November ist der Sitz damit praktisch sicher für die Dieses Mal war das anders.

Selbst die „New York Times“ verfolgte den Ausgang des Duells zwischen den Republikanern Thomas Massie und Ed Gallrein aufmerksam. Der Libertäre Massie zählt zu den schärfsten parteiinternen Kritikern Trumps. An seiner Iranpolitik, den hohen Staatsausgaben und weiteren Fragen hatte er sich wiederholt gerieben, mehrfach war er darüber mit dem Präsidenten aneinandergeraten. Als Folge ätzte Trump in den vergangenen Monaten immer wieder gegen Massie , unterstützte stattdessen Gallrein.

Am Ende mit Erfolg: „Ed Gallrein Wins“, postete Trump auf der Plattformam Dienstagabend . Massie verlor die Wahl, bei der nur registrierte Republikaner ihre Stimme abgeben durften. Gallrein bekam rund 55 Prozent der Stimmen, Massie nur rund 45 Prozent. Für Trump ein großer Erfolg.

Ihm war die Personalie so wichtig, dass er sogar einen Tag vor der Wahl US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in die Kleinstadt Hebron in Kentucky schickte – mitten im Krieg gegen denHegseth machte unverblümt klar, dass er gekommen war, um Massie zu verhindern.

„Sie können einen Kämpfer entsenden, der den Präsidenten in unserem gemeinsamen Kampf gegen die radikale Linke unterstützt“, rief er den Zuschauern zu, „oder Sie können einen Querulanten entsenden. “Der massive Kampf gegen Massie ist Teil von Trumps Rachefeldzug gegen seine parteiinternen Kritiker. Der US-Präsident will zeigen, dass nur diejenigen Macht gewinnen, die ihm loyal verbunden bleiben. Und er will beweisen, dass seine Politik innerhalb der Partei weiterhin Zustimmung findet – trotz schlechter Umfragewerte, die anderes aussagen.

Die Zurschaustellung seiner Dominanz in der Partei lässt er sich viel Geld kosten. Das Duell Massie gegen Gallrein gilt als die teuerste Vorwahl zum US-Repräsentantenhaus in der Geschichte. Massies Debakel ist kein Einzelfall: Nur ein paar Tage zuvor musste der republikanische Senator und Trump-Kritiker Bill Cassidy eine herbe Niederlage bei den Vorwahlen in Louisiana einstecken.

Noch kurz vor der Wahl beschimpfte der US-Präsident seinen Parteikollegen auf Truth Social als „Widerling“: Cassidy sei „ein furchtbarer Mensch, der schlecht für Louisiana ist“, befand Trump wörtlich. Der Grund für seinen Groll gegen Cassidy: Der Republikaner hatte vor fünf Jahren bei einem Amtsenthebungsverfahren im Zuge der Ausschreitungen im Kapitol für eine Verurteilung Trumps gestimmt. Der US-Präsident hatte deswegen Cassidys republikanische Herausforderin Julia Letlow unterstützt. Die Botschaft dahinter ist klar: Wage es nicht, Trump anzutasten, sonst verlierst du dein Amt.

Auch die Zahlen zeigen, wie groß der Einfluss einer Trump-Empfehlung in den Vorwahlen ist. Nach Daten der US-Nichtregierungsorganisation Ballotpedia gewannen 2024 rund 89 Prozent der von Trump unterstützten Kandidaten ihre republikanischen Vorwahlen. 2022 lag die Quote bei 83 Prozent, 2020 bei 78 Prozent. Massie und Cassidy sind zwar nicht die einzigen Republikaner, die Trump öffentlich kritisieren – aber zwei der wenigen, die weiterhin geplant hatten, öffentliche Ämter zu gewinnen.

Auch andere republikanische Amtsträger positionieren sich regelmäßig gegen den US-Präsidenten und seine Politik, etwa sein Vorgehen im Irankrieg. Die republikanische Senatorin Lisa Murkowski aus dem US-Bundesstaat Alaska und der republikanische Senator Thom Tillis aus North Carolina etwa sind zwei Kritiker des Präsidenten. Nur: Sie treten nicht mehr zur Wahl an. Auch Marjorie Taylor Greene, einst glühende Trump-Verehrerin und heute eine seiner schärfsten Kritikerinnen, gab ihr Mandat als Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus in Washington im vergangenen Jahr zurück.

Trump hatte sieals „Verrückte“ und „schimpfende Geisteskranke“ bezeichnet und damit gedroht, dass die Republikaner sie bei den Vorwahlen abwählen würden. Taylor Greene hatte unter anderem die Freigabe der Akten über die Machenschaften des inzwischen toten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein gefordert, als Trump dies noch nicht wollte. Für Trump und seine MAGA-Bewegung geht es bei den „Midterm Elections“ – die so heißen, weil sie immer in der Mitte der Amtszeit des Präsidenten liegen – um viel.

Denn das komplette Repräsentantenhaus und Teile des Senats werden Anfang November neu gewählt.im Repräsentantenhaus ist ohnehin hauchdünn, auch im Senat ist sie nicht sehr groß. Traditionell verliert die regierende Partei Sitze bei den Zwischenwahlen. Und Trumps Beliebtheitswerte sinken immer weiter. Eine am Dienstag veröffentlichte Ipsos-Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters zeigt, wie stark Trumps Rückhalt bröckelt.

Demnach billigen nur noch 35 Prozent der Amerikaner seine Amtsführung. Zum Amtsantritt im Januar des vergangenen Jahres lag der Wert noch bei 47 Prozent. Auch unter Republikanern sinkt die Zustimmung: Inzwischen unterstützen ihn dort 79 Prozent, zu Beginn seiner Amtszeit waren es noch 91 Prozent. Jeder fünfte befragte Republikaner gab an, von Trumps Amtsführung enttäuscht zu sein – im Januar 2025 hatten das erst fünf Prozent gesagt.

Anhaltender Kritikpunkt ist Trumps Umgang mit der Wirtschaft. Aufgrund des Irankriegs waren die Benzinpreise auch in den USA zuletzt stark gestiegen.22 Prozent der Republikaner für falsch. Und was für die Zwischenwahlen im November noch bedeutender ist: 73 Prozent derjenigen, die sich als „unabhängig“ bezeichnen, also weder eine klare Präferenz für die republikanische noch für die demokratische Partei haben, lehnen den Feldzug ab. Genau diese Wählergruppe wird für die Zwischenwahlen im November besonders wichtig.

Eines ist sicher: Das Duell in Kentucky wird nicht das letzte dieser Art gewesen sein. Am selben Tag, an dem Massie die Wahl verlor, entschied sich Trump für einen der beiden konkurrierenden republikanischen Kandidaten bei den Vorwahlen zur Senatswahl in Texas – einem Bundesstaat, bei dem sich die Demokraten erstmals wieder Chancen ausrechnen. Seine Wahl fiel auf Ken Paxton, einen Mann mit sehr vielen Skandalen in der Vergangenheit, und gegen den Amtsinhaber John Cornyn.

Trump gab sich wenig Mühe, die Beweggründe für seine Entscheidung zu verbergen.

„John Cornyn ist ein guter Mensch, und ich habe gut mit ihm zusammengearbeitet, aber in schwierigen Zeiten hat er mich nicht unterstützt“, schrieb Trump auf Truth Social. „Ken ist ein echter MAGA-Kämpfer. “ Bekannte Republikaner kritisierten den Schritt. „Ich glaube, dass dieser Sitz dadurch in Gefahr gerät“, sagte die republikanische Senatorin Lisa Murkowski auf Nachfrage von Reportern.

Die Demokraten haben mit James Talarico einen Kandidaten aufgestellt, der als vielversprechend gilt. Auch Lindsey Graham, Senator aus South Carolina und langjähriger Trump-Unterstützer, kritisierte den Schritt. Er gehe davon aus, dass der Wahlkampf um den Senatssitz in Texas mit Paxton als Kandidaten nun wahrscheinlich teurer und umkämpfter werde. „Wir müssen jetzt viel mehr Geld sammeln“, sagte Graham.

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