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'Vatertage' von Anne Berest: Eine berührende Spurensuche in der Geschichte ihrer Familie

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'Vatertage' von Anne Berest: Eine berührende Spurensuche in der Geschichte ihrer Familie
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Nach dem Erfolg von 'Die Postkarte' begibt sich Anne Berest in 'Vatertage' auf eine persönliche Reise in die Bretagne. Entstanden ist ein Roman über Herkunft, Verlust, Sprachlosigkeit und die schwierige Nähe zwischen Vater und Tochter.

Einige Hefte ihres Großvaters Eugène mit persönlichen Aufzeichnungen dienen Anne Berest dieses Mal als Ausgangspunkt für ihre Reise in die Vergangenheit. Die auch eine Reise in den äußersten Westen der Bretagne ist, ins Finistère, denn von dort stammt ihr Vater.

Früher fuhr die Familie jeden Sommer mit dem Zug von Paris an die bretonische Küste: Meine beiden Schwestern und ich waren die Ersten dieser väterlichen Linie, für die der Bahnhof Montparnasse kein Ziel mehr war, sondern ein Ausgangspunkt. Die ersten Berests, die außerhalb des Départments Finistère geboren wurden. Und dieser bloße Richtungswechsel schrieb uns einen Unterschied ein, den die vorhergehenden Generationen sich nicht hätten vorstellen können. Ich fühlte mich deswegen meinem Vater auf kaum merkliche Weise fremd.

Diesem Fremdheitsgefühl versucht Anne Berest über rund 450 Seiten auf die Spur zu kommen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die schwere Erkrankung ihres Vaters, eines hochbegabten Wissenschaftlers, der ganz in seiner Forschung aufgeht und im Alltag oft schweigt.

"Es war eine literarische Herausforderung, über einen Mann zu schreiben, der nicht spricht, Worte zu finden, wo keine sind, Worte auch für die oft ebenso schwierige wie schöne Beziehung zwischen Vater und Tochter, wenn man sich liebt, ohne sich das sagen zu können. Man sich das niemals sagt", so Anne Berest bei der Buchpremiere ihres Verlages in Frankreich.

Sie findet Worte, erzählt süffig: von ihrem Urgroßvater Eugène, der die erste Agrargenossenschaft in der Region Léon gründete, ihrem Großvater, Eugène junior, der sich weigerte, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, Gymnasiallehrer wurde und später: Bürgermeister von Brest. Ihr Vater, Pierre Berest, engagierte sich schon als Schüler politisch - für die radikale Linke, die Trotzkisten. Auf diese Bücher freut sich die NDR Kultur Literaturredaktion: Neues gibt es etwa von Siri Hustvedt und Anja Jonuleit. Eine Vorschau.

Immer wieder sucht Anne Berest das Gespräch mit dem schwerkranken Vater, von dessen aktivistischer Vergangenheit sie bis dahin nichts ahnte. Wieder hat sie viel recherchiert und sich tief eingegraben in die Geschichte. Sie sucht nach dem Transgenerationellen, den Verbindungslinien und Reibungspunkten zwischen den Generationen. Und entdeckt,"dass meine Großmutter Geschichte studiert hat, zu einer Zeit, in der Frauen zwar studierten, aber noch nicht arbeiteten.

Vielleicht kommt daher meine Lust auf Geschichte. Ich fand es großartig, hier auf französische Geschichte zu schauen, aber durch die Augen einer Region, der Bretagne.

" Berest wendet in"Vatertage" also dasselbe Prinzip an wie in"Die Postkarte": Zeitgeschichte erzählt am Beispiel einer Familie - von den Anfängen der Gewerkschaftsbewegung in der Bretagne, über die Erschütterungen des Zweiten Weltkriegs, die Wahl de Gaulles zum Staatspräsidenten, die Maiunruhen 1968, bis hin zum Kampf für die Rechte der Homosexuellen 1982. Anne Berest war zwei Jahre alt, als ihre Eltern sie in Paris mit zu Demonstrationen nahmen: Mein Vater schob meinen Buggy, Pierre François trug Isabel auf den Schultern.

Zwischen ihnen lächelte Lélia, mit ihrer Zigarette im Mundwinkel, den Passanten zu, die uns entgegenkamen und es komisch fanden, dass man hier Kinder mitnahm.

"Vatertage" hat nicht die Wucht und Intensität der"Postkarte". Anne Berest schreibt mit Schwung, scheint jedoch weniger konzentriert, erzählt trotz manch knapper Kapitel ausufernd, stellenweise pathetisch. Das mag daran liegen, dass dieser Roman gespeist ist durch den enormen Schmerz über den Verlust des Vaters, und Berest letztlich keine Antwort mehr finden kann auf die Frage, warum und wann sich ein Gefühl von Fremdheit eingeschlichen hat. Doch ist sie in diesem Schmerz gleichzeitig sehr nahbar.

So ist"Vatertage" zwar weniger fesselnd als"Die Postkarte", aber dennoch eine lohnende Lektüre. Anne Berest stellt ihren Roman"Vatertage" am 3. Juni im Hamburger Literaturhaus und am 4. Juni in der Universitätsbuchhandlung in Rostock vor.

Wenn Familiengeschichte zu Zeitgeschichte wird: Anne Berests"Vatertage" Die Autorin sucht in ihrem Roman nach den Wurzeln ihres Vaters - und nach einer Antwort auf die Frage, wann aus Nähe Fremdheit wurde. Nacktszene mit Nastassja Kinski: Wenders-Rede löst Debatte aus Bei seiner Dankesrede für den Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie stellte der Regisseur Wim Wenders grundsätzliche Fragen - und erntete dafür scharfe Kritik. NDR Kultur informiert alle Kulturinteressierten mit einem E-Mail-Newsletter über herausragende Sendungen, Veranstaltungen und die Angebote der Kulturpartner.

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