Volkswagen will beim autonomen Fahren offenbar mit Wayve zusammenarbeiten. Das KI-Start-up setzte sich unter anderem gegen Nvidia durch.
Volkswagen hat sich bei der Suche nach einem neuen Technologiepartner für automatisiertes Fahren offenbar für Wayve entschieden. Wie das Magazin „Der Spiegel“ unter Berufung auf drei Insider berichtet, setzte sich das britische Startup in einem internen Auswahlverfahren gegen Nvidia und weitere Anbieter durch.
Dem Bericht zufolge ließ Volkswagen vor einigen Wochen in einer süddeutschen Großstadt mehrere Systeme gegeneinander antreten. Wayve habe dabei sowohl technisch als auch finanziell überzeugt. Volkswagen, VWs IT-Tochter Cariad sowie Wayve wollten sich gegenüber den Medienvertretern nicht äußern. Für den Konzern drängt die Zeit.
Fahrerassistenzsysteme werden vor allem im Premiumsegment zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. VW-Tochter Audi etwa steht bei automatisierten Fahrfunktionen im direkten Vergleich mit Mercedes und BMW unter Druck. Auch Tesla setzt mit seinemWayve verfolgt wie Tesla einen sogenannten End-to-End-Ansatz. Dabei soll die KI Fahrentscheidungen auf Basis großer Mengen an Sensordaten möglichst direkt ableiten, statt sich primär auf vorab definierte Regeln zu stützen.
Bei einer Testfahrt habe ein Audi A6 e-tron mit Wayve-Software laut „Spiegel“ etwa erkannt, dass ein entgegenkommendes Fahrzeug per Lichthupe auf seine Vorfahrt verzichtet, und sei daraufhin selbstständig in eine Parklücke gefahren. Die mögliche Zusammenarbeit mit Wayve folgt auf das Ende der. Das Bündnis hatte ein KI-basiertes Level-2-System entwickelt, das Volkswagen weiter nutzen will, unter anderem im geplanten ID. EVERY1.
Für die Weiterentwicklung hin zu höheren Automatisierungsstufen suchte der Konzern jedoch einen neuen Partner. Wayve galt bereits im Sommer als möglicher Kandidat. Für Cariad ist die Auswahl des britischen Startups zunächst eher positiv. Wayve soll vor allem die KI-Software liefern.
Cariad würde diese in die bestehende technische Architektur aus Sensorik, Rechenhardware und weiteren Softwarekomponenten integrieren. Bei Nvidia wäre die Rollenverteilung offenbar anders ausgefallen. Der US-Konzern soll Volkswagen ein vollständiges System angeboten haben. Damit wäre ein großer Teil der rund 1.200 Beschäftigten im Cariad-Bereich für automatisiertes Fahren potenziell überflüssig geworden.
Nvidia ist damit allerdings nicht zwingend aus dem Rennen. Der Chiphersteller ist an Wayve beteiligt und liefert Rechenhardware für autonome Fahrprojekte des Startups. Welche Hardware Volkswagen letztlich einsetzen will, ist noch offen. Die Entscheidung für Wayve könnte zudem Auswirkungen auf Volkswagens Robotaxi-Aktivitäten haben.
Der Konzern sucht seit Längerem einen externen Investor für MOIA, ist damit bislang aber offenbar nicht zum Ziel gekommen. Zuletzt standen deshalb auch Überlegungen im Raum, einen Technologiepartner wie Wayve oder Nvidia nicht nur bei Cariad, sondern zugleich beieinzubinden. Damit könnte Volkswagen seine Pkw-Assistenzsysteme und das Level-4-Robotaxi-Geschäft technologisch stärker verzahnen. Parallel wird Cariad weiter verkleinert.
Die Softwaretochter soll ihr operatives Ergebnis um 400 Millionen Euro verbessern und in den kommenden fünf Jahren rund 6,1 Milliarden Euro weniger investieren. Cariad-Chef Peter Bosch hat zudem den Abbau von rund 1.000 der aktuell mehr als 4.000 Stellen angekündigt. Auch die Aufgabenverteilung innerhalb des Konzerns bleibt in Bewegung. Volkswagen entwickelt die nächste Generation softwaredefinierter Elektroautos gemeinsam mit.
Cariad soll sich künftig stärker auf ausgewählte Technologiebereiche konzentrieren, darunter Infotainment und automatisiertes Fahren. Noch offen ist, wie Budget, Personal und Verantwortlichkeiten zwischen Cariad und Audi künftig verteilt werden. Ein endgültiger Vertrag mit Wayve ist dem Bericht zufolge ebenfalls noch nicht geschlossen. Zunächst soll das Audi-Einkaufsressort die Konditionen mit dem britischen Start-up aushandeln.
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