Bei den 24h Nürburgring sorgt Max Verstappen für Begeisterung, beim Großen Preis von Kanada wartet die harte Realität - Wie schafft der Red-Bull-Pilot diesen Spagat?
Bei den 24h Nürburgring sorgt Max Verstappen für Begeisterung, beim Großen Preis von Kanada wartet die harte Realität - Wie schafft der Red-Bull-Pilot diesen Spagat? nachdem Max Verstappen beim legendären 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring beinahe den Gesamtsieg gefeiert hätteWie groß seine Motivation dafür überhaupt ist, bleibt allerdings fraglich.
Denn anders als beim Langstreckenklassiker in der Eifel dürfte Verstappen beim Formel-1-Rennen in Montreal kaum Chancen auf einen Podestplatz haben, vom Sieg ganz zu schweigen. Der Red-Bull-Pilot erwischte in diesem Jahr nicht den Saisonstart, den er sich im Vorfeld erhofft hatte.
Nach den ersten vier Rennwochenenden der neuen Formel-1-Ära liegt der viermalige Weltmeister nur Das liegt auch daran, dass Red Bull mit dem RB22 ein Auto gebaut hat, das aktuell unter massiven Balanceproblemen leidet und Schwierigkeiten hat, den Grip der Reifen konstant aufrechtzuerhalten. Dadurch kämpft das Team bislang über weite Strecken der Saison nur im Mittelfeld statt an der Spitze. Verstappen wirkt bereits seit Monaten entsprechend frustriert.
Nach dem Großen Preis von Japan Ende März, bei dem er sich nach einem Q2-Aus immerhin noch auf den achten Rang nach vorne kämpfen konnte, Hinzu kommt seine bekannte Abneigung gegenüber der zunehmenden Elektrifizierung. Deshalb überrascht es kaum, dass der Niederländer, der bereits vier WM-Titel gewonnen hat und in der Formel 1 nichts mehr beweisen muss, zunehmend Interesse daran zeigt, in Zukunft deutlich mehr Langstreckenrennen zu bestreiten.war vom ersten Moment an spürbar, wie befreiend das Nürburgring-Wochenende für ihn wirkte.
Er war dort, um Rennen zu fahren und nicht, um politische Fragen zu beantworten oder sich mit WM-Rechnungen auseinanderzusetzen. Verstappen absolvierte nur wenige Medientermine und genoss stattdessen die Begeisterung in der Eifel, wo dank 352.000 Besuchern eine außergewöhnliche Atmosphäre herrschte.
"In den ersten Trainings amm Donnerstagnachmittag habe ich Max aus der Boxengasse fahren sehen und auf die Tribüne geschaut", sagte Teamkollege Jules Gounon. "Normalerweise sind bei den ersten Trainings wegen des großen Rennens viele Leute da, aber nicht alles ist voll. Diesmal war es voll. Das ist einfach etwas Besonderes, und ich denke, dieses Rennen war schon immer speziell.
Aber mit Max ist es noch einmal extra besonders.
"Und tatsächlich spielte es fast keine Rolle, wie Verstappen letztlich performte. Es gab keine Diskussionen über sein Auto, keine kritischen Fragen zur WM-Tabelle. Die Fans feierten schlicht seine Anwesenheit, genauso wie viele Fahrer im Feld, die ihn weniger als Rivalen, sondern vielmehr als Gelegenheit betrachteten, gegen einen Weltmeister anzutreten.
"Er ist definitiv jemand, zu dem ich aufschaue und von dem ich viel lernen kann", sagte Abt-Lamborghini-Pilot Luca Engstler. "Er hat eine riesige Leidenschaft, genau wie viele Fahrer hier, und ich denke, deshalb können wir uns so gut mit ihm identifizieren. "Der Druck war damit praktisch verschwunden, was einen krassen Gegensatz zu einem normalen Rennwochenende in der Formel 1 darstellte.
Verstappen war sofort schnell, fuhr bereits im Training die drittschnellste Runde und half dem Team anschließend dabei, den vierten Startplatz zu sichern. Seinen ersten Stint im Rennen begann Verstappen nach rund einer Stunde. Dort zeigte der Niederländer eine absolute Meisterleistung: Er kam als Zehnter auf die Strecke und arbeitete sich innerhalb von zwei Stunden bis an die Spitze vor, ehe er Teamkollege Gounon einen Vorsprung von über 20 Sekunden übergab.
"Anfangs steckte ich etwas im Verkehr fest", erklärte Verstappen hinterher,"deshalb war es schwierig, die Autos zu überholen. Aber sobald ich einige überholt hatte und dann das Wetter mit ein paar rutschigen Runden wechselte, da haben wir, glaube ich, den Unterschied gemacht.
" "Und danach war das Auto gut. Man versucht, Ärger zu vermeiden, aber gleichzeitig musst du pushen und ans Limit gehen. Das ist immer ein schwieriger Kompromiss, aber es hat gut funktioniert.
" Es war zu sehen, wie Verstappen die Gelegenheit genoss, sein Talent zu zeigen, was ihm in der Formel-1-Saison 2026 bislang nicht wirklich möglich war. Seine starken Leistungen setzten sich auch in der Nacht während seines zweiten Stints fort. Er stieg als Zweiter in den Mercedes ein, sechs Sekunden hinter Maro Engel im Schwester-AMG #80, schloss die Lücke jedoch schnell, überholte den AMG-Werksfahrer und baute anschließend einen Vorsprung von 20 Sekunden auf.
Natürlich spielte dabei auch eine gewisse Stallregie von Mercedes-AMG eine Rolle, nachdem sich beide Fahrzeuge bei einem Zweikampf gegen drei Uhr in der Nacht leicht berührt hatten. Dennoch strahlten beide Fahrer nach dem Duell regelrecht vor Begeisterung.
"Es hat riesigen Spaß gemacht", sagte Engel, der das Rennen später gewann. "Ich hatte ein Lächeln unter dem Helm. Es war wirklich toll, gegen ihn zu fahren. Wir haben komplett am Limit gepusht, und die Nacht auf der Nordschleife ist immer etwas Besonderes.
" Wahrscheinlich wäre die Reaktion in der Formel 1 deutlich angespannter ausgefallen, wo Druck und Konsequenzen ungleich größer sind. Doch beim Klassiker am Nürburgring wollten die Fahrer schlicht Rennen fahren - besonders Verstappen, der während der gesamten 24 Stunden keinerlei Scheu zeigte, kompromisslos zu kämpfen. Und lange Zeit sah alles nach einem perfekten Wochenende aus: Der Verstappen-AMG #3 lag mit komfortablem Vorsprung in Führung und steuerte auf den Sieg zu.
"Bis jetzt könnte es kaum besser laufen, aber es sind noch ein paar Stunden zu fahren. Deshalb müssen wir fokussiert bleiben und dann sehen wir, wo wir am Ende landen", sagte Verstappen. Auf die Frage, was ihm am Wochenende besonders gefallen habe, antwortete der Formel-1-Star:"Allgemein einfach der Wettbewerb. Diese Art von Langstreckenrennen, bei der man sich das Auto mit Teamkollegen teilt.
Die Strecke ist extrem herausfordernd; einfach die gesamte Kombination.
" Doch der Sieg sollte am Ende nicht sein. Eine defekte Antriebswelle warf Verstappen und seine Teamkollegen aus dem Kampf um den ersten Platz und bescherte Kontrahent Engel und dessen Fahrerkollegen im Schwesterauto den Gesamtsieg. An der grundsätzlichen Begeisterung von Verstappen änderte das allerdings nichts.
"Ein sehr unglückliches und frustrierendes Ende, aber so etwas kann passieren", schrieb der Niederländer in den sozialen Medien. "Ich habe die Erfahrung zusammen mit Jules, Luggi und Dani trotzdem sehr genossen. Danke an das Team und an alle an der Strecke für die Unterstützung.
" Verstappen bestätigte außerdem, dass er gerne zurückkehren würde, sofern es der Rennkalender zulässt. Man bekommt den Eindruck, dass dieses Wochenende genau das war, was er gebraucht hat: zurück zu den Grundlagen des Rennsports - und weg von der ständigen Sorge um das Endresultat. Trotz aller Begeisterung wäre es allerdings wohl übertrieben zu behaupten, Verstappen wolle die Formel 1 nun möglichst schnell hinter sich lassen.
Bei einem kürzlichen Event vonmachte der 28-Jährige deutlich, dass ihm ein fünfter Formel-1-Weltmeistertitel aktuell immer noch wichtiger sei als ein Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans.
"Ich habe außerdem das Gefühl, dass ich Le Mans auch noch gewinnen kann, wenn ich etwas älter bin", sagte er. Es besteht daher kaum Zweifel daran, dass Verstappen seinen Fokus jetzt wieder vollständig auf die Formel 1 richten wird, beginnend mit Montreal. Dort dürfte ihm nach seinem Nürburgring-Auftritt ein Empfang wie einem Volkshelden bevorstehen, gerade weil immer mehr Formel-1-Fahrer Interesse an anderen Rennserien zeigen.
Doch dann wird Verstappen schnell wieder mit der harten Realität der 2026er-Regularien und der Tatsache konfrontiert werden, dass er momentan nicht um Siege kämpfen kann.künftig ein Verhältnis von 60:40 zwischen Verbrenner- und Elektro-Leistung vorDie Euphorie der Nordschleife darf also ruhig noch ein oder zwei Tage nachwirken, bevor in Montreal wieder der kompromisslose Fokus auf die Strecke zurückkehrt. Dennoch hat Red Bull Grund zur Zuversicht, denn das Team zeigte sich in Miami deutlich verbessert und verringerte den Rückstand auf Mercedes, McLaren und Ferrari.
Verstappen qualifizierte sich in Florida hinter Polesetter Antonelli auf dem zweiten Platz. Zwar wurde er nach einem Dreher in der ersten Runde letztlich nur Fünfter, während Teamkollege"Wir kommen näher, aber wir sind noch nicht da", sagte Verstappen. Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies bestätigte diese Einschätzung:"Es gibt definitiv einen Schritt nach vorne. Wir waren in Japan 1,2 Sekunden von der Pole entfernt, in China eine Sekunde.
" "Die Konkurrenz würde mit ihren Updates nicht auf uns warten, deshalb haben alle ihre Autos für Miami weiterentwickelt", sagt der Franzose. "Aber wir wussten, dass wir zusätzlich zum Entwicklungsrennen einige unserer Probleme lösen mussten. Und wir wussten, dass noch Rundenzeit im Auto steckt.
" Schon ein Wochenende im Kampf um das Podium wäre daher ein weiterer positiver Schritt für Red Bull und Verstappen, der bislang noch nicht angekündigt hat, wann er sein nächstes Langstreckenrennen bestreiten wird. Zweifelsohne wird das bald passieren - doch fürs Erste kehrt der Formel-1-Star in seinen Hauptjob in der Königsklasse zurück.
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